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Barther greift Polizistin auf der Straße an – und landet im Knast

Ribnitz-Damgarten/Barth Barther greift Polizistin auf der Straße an – und landet im Knast

Der mehrfach vorbestrafte Maik H. belästigte am Tag der Landtagswahl eine junge Frau / Der Richter verurteilte den 24-Jährigen zu einer Haftstrafe

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In der Barther Baustraße hat Maik H. am Morgen der Landtagswahl 2016 eine junge Frau belästigt und beleidigt.

Quelle: Foto: Detlef Lübcke

Ribnitz-Damgarten/Barth. Es war der Tag der Landtagswahl, als eine junge Polizistin am frühen Morgen des 4. September 2016 in der Barther Baustraße belästigt und beleidigt wurde. Maik H. musste sich vor dem Amtsgericht Ribnitz-Damgarten nun für seine Tat verantworten. Das Urteil: sechs Monate Freiheitsstrafe – ohne Bewährung.

Das war passiert: Als die Polizeibeamtin in Zivilkleidung gegen 5 Uhr am Morgen nach einer Nachtschicht nach Hause gehen wollte, wurde sie von Maik H. in der Baustraße aufgehalten. Er fragte sie, ob sie Wahlhelferin sei, beschimpfte sie dann unter anderem mit „Antifa-Nutte“ und forderte sie auf, die AfD zu wählen. Auch drohte Maik H., sie zu fotografieren und ihr Bild im sozialen Netzwerk Facebook zu verbreiten.

Nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift verlesen hatte, gab Richter Chris Neumann dem Beschuldigten die Chance, sich zu erklären. „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Ich weiß auch sonst nichts mehr davon“, sagte Maik H. dazu. Auch hätte er sich zur Therapie in eine Klinik begeben. Der Angeklagte entschuldigte sich beim Opfer und beteuerte, mit der AfD nichts zu tun zu haben: „Ich bin neutral.“ Später gab er zu, seine Stimme nicht einmal zur Landtagswahl abgegeben zu haben. Richter Neumann jedoch befand: „Ihre politische Einstellung interessiert uns hier nicht.“

Den Atemalkoholwert von 1,9 Prozent, der beim Angeklagten gemessen wurde, nachdem die junge Polizistin einen Kollegen zur Hilfe rufen konnte, fand der Richter zudem „nicht so, dass man nicht mehr weiß, was passiert ist.“ Das Opfer bestätigte das in der Zeugenaussage vor Gericht: „Man hat gemerkt, dass er etwas getrunken hatte, aber er war gut zu verstehen.“

Allein für die Tat am Wahlsonntag lautete die Anklage nun auf versuchte Körperverletzung, versuchte Nötigung und Beleidigung. Ein Blick in die Gerichtsakten verriet aber: Maik H. ist bei der Justiz kein Unbekannter. „Mit ihren 24 Jahren haben sie schon 13 Einträge. Wie schafft man das, finden Sie das eigentlich lustig?“, fragte Neumann den Angeklagten. Verurteilt wurde Maik H. zuvor unter anderem für Trunkenheit im Verkehr, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch – im Zusammenhang mit einem Spiel des Drittligisten Hansa Rostock. Hinzu kommt ein Fall von gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung.

„Das ist erbärmlich“, stellte Richter Neumann fest. Besonders die jetzt verhandelte Tat vom 4. September, da ein knapp 1,90 Meter großer Mann eine gerade mal 1,65 große Frau angriff. Als der Staatsanwalt zum Schlussplädoyer ansetzte und noch einmal zusammentrug, was Opfer und Beschuldigter aussagten, stellte auch er fest: „Der Angeklagte hat sich teilweise eingelassen, will uns aber weismachen, sich nicht erinnern zu können.“ Positiv könne man bewerten, dass er unter Alkoholeinfluss stand und sich später für seine Tat entschuldigt hat. Zu seinem Nachteil müsse er jedoch feststellen, dass er erheblich vorbelastet ist und aktuell auch noch auf Bewährung sei.

Zur Überraschung aller Beteiligten forderte die Staatsanwaltschaft dennoch nur eine Geldstrafe. Richter Neumann ließ sich darauf allerdings nicht ein. „Eine Geldstrafe ist nicht geeignet, um diese Tat wieder gutzumachen“, begründete er. Wer auf Bewährung sei, der stehe ja schon mit einem Bein im Gefängnis. Offenbar sei der nun Verurteilte in einer Gewaltspirale gefangen. „Sie hatten Chancen noch und nöcher. Nun ist Schluss.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Maik H. kann bis zur nächsten Woche in Berufung beim Landgericht gehen.

Michaela Krohn

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