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Bei Versammlung der Totenlade ging es recht gesellig zu

Ribnitz-Damgarten Bei Versammlung der Totenlade ging es recht gesellig zu

Die Damgartener Sterbekasse hatte um 1910 fast 400 Mitglieder / Sterbegeld betrug zunächst 75, dann 100 Mark

Ribnitz-Damgarten. „Totenladen“, auch Sterbekassen genannt, machten es sich zur Aufgabe, die Hinterbliebenen von verstorbenen Mitgliedern im Zuge deren Beerdigung finanziell zu unterstützen. 1852 existierten in Damgarten zwei „Totenzünfte“, die „Todten-Zunft der Gewerke“ und die „Herren-Zunft“. Erstere litt zu diesem Zeitpunkt bereits an einem akuten Mitgliedermangel, was deren Fortbestand in Frage stellen musste. Ihr waren nur noch drei „tragfähige“ Mitglieder verblieben. Dies bedeutete, dass diese drei Personen „zur Tragung einer Leiche nicht ausreicht(en)“. Mit neuen Mitgliedern war nicht zu rechnen. So stimmten letztlich auch die zu unterstützenden Witwen einer Auflösung der „Todten-Zunft der Gewerke“ zu. Sie wurde im März 1852 vollzogen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Kreis Franzburg-Barth sechs Sterbekassen: fünf in Barth und die verbliebene Damgartener „Totenlade“ als Sechste. Die Damgartener legten sehr viel Wert auf die Beibehaltung dieses traditionellen Namens „Totenlade“ und lehnten die Einführung des Begriffs Sterbekasse wiederholt ab. Die Mitgliederzahl wuchs im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich. Um 1910 zählte sie fast 400 Mitglieder. Ab 1913 sanken die Mitgliedszahlen jedoch. 1918 blieben nur noch 355 Mitglieder. Bis Anfang der 1930er Jahre hatte sich die Mitgliedszahl auf 195 nahezu halbiert. Der „Totenlade“ konnte jede in Damgarten wohnhafte Person beitreten, die zwischen dem 21. und 35. Lebensjahr war. Die Männer wurden im Durchschnitt mit 28 Jahren, die Frauen mit 26 Jahren Mitglied der „Totenlade“. Eine schwerwiegende Krankheit durfte beim Eintritt nicht vorliegen. Anschließend zahlte man einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 3,60 Mark. Im Falle des Todes eines Mitglieds oder dessen Ehepartners zahlte die „Totenlade“ ein Sterbegeld in Höhe von 75 Mark aus. Erst 1934 wurde es auf 100 Mark erhöht. Die Familie war für den Jahresbeitrag mitversichert, sodass selbst beim Tod eines Kindes Sterbegeld gestaffelt nach Altersgruppen gezahlt wurde. Hierbei war mit vier bis fünf Kindern je Familie kalkuliert worden.

Die Mitglieder trafen sich in der Regel einmal im Jahr zu ihrer Generalversammlung. Der „Totenlade“ stand ein vom Magistrat ernanntes Ratsmitglied als Direktor und zwei von den Mitgliedern gewählte Alterleute vor. Zudem ging ein Kassenbote von Haus zu Haus und zog den Jahresbeitrag ein.

Die „Totenlade“ verfügte über einen eigenen überdachten Leichenwagen mit Zubehör, der bei Beerdigungen den Sarg transportierte. Der Wagen war eigens in einer Leichenwagenhalle untergebracht. Auch diese gehörte der „Totenlade“. Trotz des ernsten Hintergrunds der Vereinigung galten die jährlichen Treffen der Mitglieder als recht gesellig. Traditionell war das „Semmelessen“: „Die Vereinskasse spendete reichlich Bier. Die Semmelverteilung machte viel Trubel. Oft holten Kinder die Semmel ab, die in großen Körben von den Bäckern eingeholt waren. Auf dem Vorstandstisch prangten semmelgefüllte Teller. Der Besuch war stark, man rauchte aus langen und halblangen Pfeifen mit dem größten Behagen. Zu Späßen und Liedgesang wurden Einzelne ermuntert. Ein hausbackener Humor belebte die Stimmung.“

Dies konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Damgartener „Totenlade“ zunehmend an Bedeutung verlor. Im Januar 1945 hatte sich die „Totenlade“ aufgelöst.Jan Berg

OZ

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