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Bluttat: Täter hofft auf milderes Urteil

Rostock Bluttat: Täter hofft auf milderes Urteil

Nach einer Messerattacke steht Jörg S. in Rostock vor Gericht

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Jörg S. (Mitte) muss sich vor Gericht verantworten. Er soll einen Unternehmer mit einem Messer schwer verletzt haben. FOTO: JOHANNA HEGERMANN

Rostock. . Der Prozess um einen blutigen Streit in Kösterbeck Ende März ist gestern in eine neue Runde gegangen. Nach dem Auftakt im September sind weitere Details zum Motiv und Tatablauf bekannt geworden. Jörg S. soll Reinhard M. mit einem Messer schwer verletzt haben. Das Motiv: Existenzängste und finanzielle Sorgen.

In der Küche des Bauunternehmers Reinhard M. sollen sich brutale Szenen abgespielt haben. Das geht aus zahlreichen Anträgen hervor, die die Verteidigung des Angeklagten eingereicht hatte. Dem Messerangriff sei demnach ein Faustkampf vorausgegangen. Auch Gläser seien geflogen. Schon mit denen soll der Angreifer sein Opfer verletzt haben. Anschließend soll S. mit einem Messer – über die Kücheninsel des Unternehmers hinweg – dem Opfer eine Wunde am Bauch zugefügt haben. Danach ergriff S. die Flucht, wurde aber bald darauf verhaftet. Dass der Angeklagte den Unternehmer schwer verletzt hat, bestreitet der nicht. Raum für Erklärungen hat er an diesem Verhandlungstag nicht. Aber eine Fülle von Anträgen soll die Schwere der Tat mildern: So habe er wegen einer Augenerkrankung gar nicht sehen können, ob er sein Opfer mit dem Messer treffen würde und wie tief er ihm ins Fleisch schneiden würde. Denn ihm hätte das räumliche Sehvermögen gefehlt. Die Aussage eines Augenarztes und eine Rechnung für eine Brille sollten das belegen. Doch Richter Peter Goebels lehnte den Antrag ab. Gleiches galt für weitere Umstände, die zum Vorteil des Angeklagten ausgelegt werden sollten: Unter anderem hätten zwei seiner Pferde getötet werden müssen, sein Bruder hatte einst Suizid begangen, Kontosauszüge sollten seine finanzielle Not zeigen, Unterlagen sollten belegen, dass S. nur ein Mosaikstein in den Machenschaften des Opfers gewesen sei, um leichter an Kredite zu kommen. Gebracht hat es nichts: Das habe „keinen Bezug zum Tatgeschehen“, sagt Richter Goebels.

Jörg S., der als Subunternehmer für M. auf einer Baustelle in Rostock an einem Neubau beschäftigt war, sei dazu überhaupt nicht qualifiziert und mit dem Auftrag überfordert gewesen, heißt es vor Gericht. Die Folge: Mängel am Bau auf der einen Seite. Auf der anderen Seite forderte S. von Unternehmer M. Geld – rund 100000 Euro. Und so sei es zum handfesten Streit gekommen. Denn für S.

entpuppe sich der Auftrag als finanzielles Desaster, ihn hätten Existenzsorgen und persönliche Krisen zu der Tat getrieben. Laut Richter Peter Goebels rechtfertigen die aber weder Notwehr noch Angriff. Philip Schülermann

OZ

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