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Buch der Bücher kommt neu in die Kirchen

Ribnitz-Damgarten Buch der Bücher kommt neu in die Kirchen

Zum Reformationstag bekommen die evangelischen Gemeinden aktualisierte Altarbibeln von der Nordkirche geschenkt

Ribnitz-Damgarten. Es ist ein gewichtiges Buch, das Pastor Jens Haverland in den Händen hält. Am Donnerstag hatte der 34-Jährige die neue Luther-Bibel in Empfang genommen.

 

OZ-Bild

Pastor Jens Haverland zeigt die neue Altar-Bibel. Sie wird von der Nordkirche allen evangelischen Kirchengemeinden in Vorpommern zur Verfügung gestellt.

Quelle: Peter Schlag

Wie in vielen anderen Kirchen wird die neue Altar-Bibel auch in Semlow am Wochenende vorgestellt. Für Jens Haverland ist die Vorstellung dieser Fassung des Buches der Bücher, an der 70 Theologen mehrere Jahre lang arbeiteten, aus mehreren Gründen sehr speziell: „Das ist schon ein besonderes Ereignis, wenn plötzlich altbekannte Worte und Texte ganz anders klingen und dadurch anfangen zu leuchten“, freut sich der junge Theologe über die neue Übersetzung. Gefühlvoll und behutsam sei die neue Bibel zusammengestellt worden, mit Blick auf die heutige Wirklichkeit. Und mit vielen Zusatz-Informationen. „Jede Übersetzung ist ein Stück weit Interpretation“, betont Jens Haverland. Neben seiner Tätigkeit als Pastor in Semlow-Eixen ist der gebürtige Schleswig-Holsteiner Mitarbeiter im Barther Bibelzentrum. Auch deshalb ist die neue Bibel für ihn etwas ganz Besonderes.

Aber was heißt eigentlich „neue“ Lutherbibel? Man muss wissen, mit welcher Wucht die Bibelübersetzung des Mönchs und Reformators Martin Luther 1521 in die deutsche Sprache und Kultur einschlug, um zu begreifen, wie das sein kann: Dass ein 70-köpfiges Expertenteam Luthers Übersetzung zwar höchst aufwändig überarbeitet, das Ergebnis aber gar nicht so neu wirkt. Immer noch klingt die Sprache dieser Texte mehr nach Luther-Deutsch als nach heutigem.

„Das soll aber auch so sein, den Luthersound wollte man erhalten“, erklärt der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bibelgesellschaft ist;

jener Gesellschaft, die die neue Lutherbibel verlegt.

Denn moderne Bibel-Übersetzungen, die der heutigen Sprache nahe sind, gibt es viele, „und auch sehr gute“, sagt Abromeit. „Aber Luther war ein Sprachgenie, keine andere deutsche Bibelübersetzung hat so einen Stellenwert in unserer Kultur wie seine.“

Martin Luther, der ungewollt auch zum Gründer der evangelischen Kirche wurde, hatte es geschafft, für die tausende Jahre alten Bibeltexte eine Sprache zu finden, die kraftvoll, schön und damals leicht verständlich war, die einen Rhythmus hat und gleichzeitig nah am Original bleibt. „An den Psalmen sieht man seine Sprachkunst besonders gut“, sagt Bischof Abromeit. „Die sind nicht nur im Hebräischen Poesie, sondern auch in der deutschen Übersetzung.“

Bis heute wird in klassischen evangelischen Gottesdiensten meist aus der Luther-Bibel vorgelesen, aus anderen Übersetzungen nur zum Vergleich. „Viele von uns sind mit der Luther-Bibel groß geworden“, sagt Pastor Irmfried Garbe aus Dersekow bei Greifswald. „Für mich ist ihr Klang Heimat.“

Selbst wer nie eine Luther-Bibel aufgeschlagen hat, hat viele Formulierungen aus ihr im Kopf. Geflügelte Worte wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“ oder „die Zähne zusammenbeißen“ etwa stammen aus Luthers Feder. Seine Bibelfassung las und liest man überall, von der Ostsee bis zu den Alpen. Darum prägte sie das Hochdeutsche mit.

Wenn nun Luthers Übersetzung so überzeugend war und ist: Warum dann überhaupt eine aktuelle Überarbeitung? „Erstens, weil es zu den Urtexten der Bibel neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die man berücksichtigen wollte“, erklärt Abromeit. „Zweitens, weil manche Wörter, die Luther verwendete, heute gar nicht mehr verständlich sind.“ Und drittens, weil man Änderungen rückgängig machen wollte, die frühere Theologen bei der Revidierung der Lutherbibel im Jahr 1984 eingeführt hatten.

Jedes Wort und jeden Vers aus der revidierten Lutherbibel von 1984 haben die 70 Wissenschaftler, zu denen auch Theologen der Unis Rostock und Greifswald gehören, also angesehen, mit den ältesten erhaltenen Textfassungen im Hebräischen und Griechischen verglichen und entschieden: Bleibt das so oder formulieren wir neu? Das Ergebnis: Rund 12 000 der 31000 Verse im Alten und Neuen Testament sind geändert worden, also knapp 40 Prozent. Aus „Wehmutter“ zum Beispiel wurde „Hebamme“. Aus „Schlangenbrut“ wieder „Otterngezücht“, wie Luther ursprünglich getextet hatte. Andere Änderungen sind noch dezenter. Die Greifswalder Pastorin Ulrike Schäfer-Streckenbach freut sich darüber: „Luther hat einfach so viele kraftvolle Begriffe geschaffen“, sagt sie.

Semlow im Fernsehen

1220 wurde die Kirche in Semlow vollendet. In den vergangenen Jahren erfolgten verschiedene Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an und in der Kirche, zuletzt an Fenstern.

Die neue Altar-Bibel wird in Semlow am Sonntag ab 17 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes vorgestellt.

Im Anschluss an den Gottesdienst können sich Interessierte ab 18.30 Uhr im ZDF übrigens einen Beitrag über die Fledermäuse in der Semlower Dorfkirche ansehen. Dieser wurde im Sommer im Auftrag des Senders für die Reihe TerraExpress an mehreren Tagen gedreht.

Sybille Marx und Peter Schlag

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