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CJD im Café: Halbzeitbilanz eines Experiments

Ribnitz-Damgarten CJD im Café: Halbzeitbilanz eines Experiments

Menschen mit Behinderung sollen im Bernsteinmuseum und im Begegnungszentrum in Ribnitz-Damgarten an die Arbeitswelt herangeführt werden.

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Betriebsleiterin Jana Melzow und CJD-Geschäftsführer Thomas Reiplinger im Café im Begegnungszentrum.

Quelle: Robert Niemeyer

Ribnitz-Damgarten. Es ist ruhig an diesem Nachmittag im Café im neuen Begegnungszentrum in Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen). Aus der Küche duftet es nach frisch gebackenem Amerikaner, der Kaffeeautomat allerdings schlummert vor sich hin. Kein Platz ist besetzt. „Das Alltagsgeschäft ist hier bei Weitem nicht gewinnbringend“, sagt Thomas Reiplinger, Geschäftsführer des Christlichen Jugenddorfwerkes Ribnitz-Damgarten (CJD), ehrlicherweise. Seit November betreibt das CJD das Café im Begegnungszentrum. Mit dem Café im Bernsteinmuseum wagte das Christliche Jugenddorfwerk bereits vor knapp einem Jahr den Schritt in die Gastro-Branche, mit Beschäftigten aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung, mit viel gutem Willen, Inklusion voranzutreiben, und dem Anspruch, dass sich die Cafés innerhalb von zwei Jahren wirtschaftlich selbst tragen.

DCX-Bild

Menschen mit Behinderung sollen im Bernsteinmuseum und im Begegnungszentrum in Ribnitz-Damgarten an die Arbeitswelt herangeführt werden.

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Doch der Weg ist offenbar ein langer. Hier und da war sogar schon zu hören, dass beim CJD bereits wieder über eine Schließung des Cafés im Begegnungszentrum nachdenkt. „Natürlich nicht“, sagt Thomas Reiplinger. Schritt für Schritt solle das Geschäft wachsen. Am Vormittag, wenn der Unterricht in der benachbarten Bernsteinschule läuft, herrscht hier vor allem in den Pausen Hochbetrieb, sagt Jana Melzow, Betriebsleiterin der beiden Cafés. „Aber von dem Geschäft mit den Schülern allein kann man nicht leben“, sagt Melzow. Immerhin, die Zahl der gebuchten Veranstaltungen sei stetig gewachsen, Geburtstage, Trauerfeiern, Vereinstreffen. Und von den anderen Einrichtungen unter dem Dach des Zentrums profitiere das Café auch.

Zu teuer?

Nur den Privatmenschen, als Laufkundschaft oder Stammkunden, den findet man hier selten. „Es ist offenbar schwierig, die Leute aus ihren Wohnungen zu locken“, sagt Jana Melzow.

Dabei gibt es davon in der Umgebung wohl die meisten in der Stadt. Doch die Neubausiedlung im Ribnitzer Westen ist als sogenannter sozialer Brennpunkt verschrien. Plattenbauten, wenig Wohlstand, schmale Portemonnaies. Kein Wunder also, dass vor allem die Preise kritisiert werden. „Viele Leute sagen, es ist zu teuer, andere sagen, es ist in Ordnung“, sagt die 42-Jährige. Eine Tasse Kaffee kostet 1,90 Euro, ein Cookie 80 Cent, ein Muffin einen Euro, ein Stück Torte 2,90 Euro, alles selbstgemacht und mit gesunden Zutaten, wie Jana Melzow sagt.

Die Akzeptanz bei den Anwohnern müsse noch wachsen. Veranstaltungen wie der Tanz-Brunch im Januar tragen dazu bei, dass mancher wiederkommt. Solche Termine soll es öfter geben, auch in Zusammenhang mit dem Projekt Inklusion (Pink), dass das CJD gemeinsam mit zwei weiteren Partnern in der Stadt angeschoben hat. Bestandteil des Projektes sind unter anderem Angebote im Café, beispielsweise Spielrunden oder Mutter-Kind-Treffen, die dort etabliert werden sollen.

Kampf gegen schlechten Ruf

Beim Café im Bernsteinmuseum läuft es etwas besser, wenngleich auch hier Thomas Reiplinger sagt: „Für das erste Dreivierteljahr war es nicht so schlecht. Aber von Einheimischen wird das Café noch nicht so angenommen, wie erhofft.“ Ein Grund, so die Vermutung, ist die Vergangenheit. „Wir sind von vielen Gästen darauf angesprochen worden. Das Café hatte nicht den besten Ruf“, sagt Jana Melzow. Stück für Stück und mit neuem Konzept werde es aber besser angenommen. Noch aber sind es vor allem auch hier gebuchte Veranstaltungen und Touristen, die das Geschäft am Laufen halten. „Aber die Einheimischen, die kommen, sind zumeist Stammgäste. Und es werden mehr“, sagt Jana Melzow.

An Aufgaben gewachsen

Was auf jeden Fall funktioniert: Die Beschäftigten des CJD sind an ihren Aufgaben gewachsen. „Sie haben einen Wahnsinnsfortschritt gemacht“, sagt Thomas Reiplinger. Ziel der Übernahme der Cafés ist es, Menschen mit Behinderung aus dem schonenden Umfeld der CJD-Werkstätten in die reale Arbeitswelt zu bringen. „Jeder entwickelt sich wie er kann“, so Reiplinger. Der Weg zurück sei jederzeit möglich. Sechs Menschen mit Behinderung sind insgesamt in beiden Cafés tätig.

Ebenso ist auch aufseiten der Gäste die Akzeptanz für Menschen mit Behinderung gewachsen. „Hier im Begegungszentrum hat es keinerlei negative Rückmeldung gegeben. Die Schüler haben absolut keine Berührungsängste“, sagt Jana Melzow. Im Café im Bernsteinmuseum sei das anfangs anders gewesen. „Man hat schon gemerkt, dass manche nicht wussten, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Jana Melzow. Mittlerweile sei es aber ein Stück weit Normalität. „Und die Gäste interessiert das Projekt sogar. Sie fragen nach“, so die 42-Jährige.

Für eine Prognose, ob das Experiment mit den beiden Cafés nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich wird, sei es laut Thomas Reiplinger noch zu früh. Ende des Jahres, wenn beide Cafés die Hauptsaison vollständig durchlaufen haben und entsprechende Zahlen vorliegen, könne man mehr sagen.

Robert Niemeyer

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