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Das Internet drängt in die Klassenzimmer

Stralsund Das Internet drängt in die Klassenzimmer

Schulen arbeiten an Konzepten für den Weg in den digitalen Unterricht

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Interaktiver Unterricht: Mit so genannten White- oder Smartboards wird der Computer die alte Schultafel ersetzen.

Quelle: Foto: Uwe Anspach/dpa

Stralsund. Zu Hause kommt die digitale Welt über Computer, Smartphones und Tablets ins Kinderzimmer. Doch was hier meist für Unterhaltung genutzt wird oder für den Kontakt zu Freunden übers Internet, soll in der Schule künftig dem Lernen dienen. Dafür hat die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits im Dezember 2016 mit ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt" ein Handlungskonzept für die Entwicklung der Bildung in Deutschland vorgelegt. Wie sind Schulen zwischen Greifswald, Ribnitz-Damgarten und Bergen auf diese Zukunft vorbereitet?

Am Hansa-Gymnasium in Stralsund lernen Schüler in zwei Informatik-Kabinetten mit je 30 Computern. Es gibt 32 iPads, fünf interaktiven Tafeln, die so genannten Whiteboards. Auf den ersten Blick scheint man also technisch auf die Herausforderungen vorbereitet zu sein. Der 6000er-DSL-Anschluss ans Internet könnte schneller sein.

Schulleiter Thomas Janke sagt: „Nur das iPad an sich macht aber noch kein Kind schlauer. Gebraucht wird eine neue Methodik für das Lernen mit den digitalen Medien.“ Für ihn geht es darum, wie Wissen vermittelt wird, wie der Lehrer die Schüler mitnimmt. „Das kann man nicht allein der digitalen Welt überlassen“, so Janke. Deshalb bemüht man sich am Gymnasium um alle Fortbildungskurse, die auch die Lehrer mit auf den Weg in die digitale Zukunft nehmen. Die Schule ist Mitglied eines Netzwerks, in dem sich mit anderen Schulen in MV über inhaltliche und materielle Voraussetzungen der digitalen Transformation ausgetauscht wird.

An der Bernsteinschule in Ribnitz-Damgarten hat sich in Sachen Digitalisierung einiges getan. Laut Schulleiterin Christina Bonke sind alle drei Schulstandorte mit W-Lan ausgestattet, das Lehrer und Schüler über diverse Endgeräte nutzen. So gibt es im Grundschulteil einen Klassensatz iPads, der für Natur- und Umweltbildung intensiv genutzt werde. Es wurde ein Computer-Kabinett aufgebaut, in dem Medienkunde unterrichtet wird. „Dabei geht es nicht nur um das Beherrschen von Programmen, sondern darum, Kindern die Gefahren des Internets aufzuzeigen", so Bonke. Der Regionalschulteil setzt komplett auf digital. Jeder Schüler hat einen personalisierten Laptop, insgesamt etwa 220. Alle sind per W-Lan internetfähig. „Nur wenn viele Schüler gleichzeitig online sind, bekommen wir ein Geschwindigkeitsproblem“, sagt Bonke.

Ab der siebten Klasse arbeitet jeder Schüler der Regionalen „Schule am Bodden“ in Neuenkirchen mit dem iPad. Präsentationen, Recherchen oder kreative Projekte werden damit in allen Fächern umgesetzt. Die Neuenkirchener hatten 2013 als erste staatliche Schule den digitalen Unterricht eingeführt und wurden 2015 Referenzschule für Medienbildung. Die Schüler nehmen die Tabletcomputer mit nach Hause, um Hausaufgaben zu erledigen oder Lehrern Fragen per E-Mail zu stellen. „Es ist ein Vorteil, dass Schüler sieben Tage die Woche lernen können – wann immer sie möchten“, sagt Informatiklehrer Enno Schröder. Wann iPads im Unterricht genutzt werden, entscheiden die Lehrer. Smartphones hingegen sind nicht erwünscht.

An der Regionalschule „Am grünen Berg“ in Bergen hat man einen Klassensatz Tablets seit längerem auf der Wunschliste. Whiteboards stehen in einigen wenigen Klassenräumen bereits zur Verfügung. Der Umgang mit digitalen Medien ist Bestandteil aller Fächer und wird auch fächerübergreifend vermittelt, etwa im „selbst organisierten Lernen“ in den Klassen 8 bis 10. Wie es aus der Schule heißt, werde derzeit ein Konzept zur digitalen Bildung an der Schule erarbeitet. Die Weiterbildung der Lehrer soll darin eine wichtige Rolle spielen.

Die Grundschule Kandelin (Gemeinde Süderholz) verfügt seit Jahren über ein Whiteboard inklusive Beamer. „Wir wollen weitere Klassenräume mit solchen Tafeln ausstatten“, berichtet Schulleiterin Siegrid Drescher. Das sei abhängig von Fördergeld. Zudem gebe es in der Schule, die von 124 Kindern der ersten bis vierten Klassen besucht wird, ein Computerkabinett. Alle Kinder, auch die Erstklässler, erlernen den Umgang mit dem Internet auf geeigneten Seiten, so die Schulleiterin. „Wir nutzen dazu den Sachkundeunterricht und andere Fächer“, sagt Siegrid Drescher. 2018 hofft man, an der Schule mobile Laptop-Wagen zu bekommen, die auf den zwei Etagen in den Klassen einsetzbar wären.

Mitarbeit: Robert Niemeyer, Christopher Gottschalk, Uwe Driest, Peter Franke

Geld und Strategie-Entwürfe sollen es richten

5 Milliarden Euro hatte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) 2016 zur Förderung der digitalen Bildung versprochen. Ausgereicht wurde davon bislang nichts. Jetzt ist 2018 im Gespräch.

In sechs Handlungsfeldern fordert die Kultusministerkonferenz für die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ Maßnahmen zu planen und abgestimmt umzusetzen: 1.

Bildungspläne und Unterrichtsentwicklung; 2. Aus- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden; 3. Infrastruktur und Ausstattung; 4. Bildungsmedien; 5. E-. Government und Schulverwaltungsprogramme, Bildungs- und Campusmanagementsysteme; 6. Rechtliche und funktionale Rahmenbedingungen.

Begleitend zur Umsetzung der KMK-Strategie wird in MV an einer Fortbildungskonzeption gearbeitet, die auf die Herausforderungen der Digitalisierung mit entsprechenden Schwerpunkten und -formaten reagieren soll.

Jörg Mattern

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