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Der Tag, als halb Freudenberg brannte

Freudenberg/Ribnitz-Damgarten Der Tag, als halb Freudenberg brannte

Vier Jahre nach dem Feuer in dem Ribnitz-Damgartener Stadtteil, das 16 Gebäude zerstörte, haben die Betroffenen die Katastrophe überwunden. Doch es bleibt brandgefährlich.

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16 Gebäude, darunter Scheunen, Ställe und ein Wohnhaus, brannten 2013 bei dem Großfeuer nieder.

Quelle: Feuerwehr Ribnitz-Damgarten

Freudenberg/Ribnitz-Damgarten. Es sei das größte Feuer gewesen, das er jemals erlebt hat, sagte Berthold Moog, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen), als er Anfang August 2013 von dem verheerenden Brand im Ribnitz-Damgartener Ortsteil Freudenberg berichtete. Mehrere Gebäude waren damals den Flammen zum Opfer gefallen. Mehr als 70 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um Schlimmeres zu verhindern. Heute, knapp vier Jahre später, haben die Betroffenen die Katastrophe verwunden. Nur wer genau hinschaut, findet Zeugnisse der Katastrophe, wie einen verkohlten Balken am Carport von Brigitte und Otto Klemp. „Hin und wieder kommt es wieder auf. Aber wir haben es verarbeitet“, sagt Otto Klemp.

DCX-Bild

Vier Jahre nach dem Feuer in dem Ribnitz-Damgartener Stadtteil, das 16 Gebäude zerstörte, haben die Betroffenen die Katastrophe überwunden. Doch es bleibt brandgefährlich.

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Zu wenig Löschwasser?

Dennoch bleiben Befürchtungen. Der Großeinsatz vor vier Jahren hatte erhebliche Mängel bei der Löschwasserversorgung aufgezeigt. Lange wurde das Thema diskutiert, wurden von der Stadtverwaltung Verbesserungen versprochen. Doch während beispielsweise in Langendamm in den vergangenen Monaten eifrig an einer Verbesserung der Situation gearbeitet wurde, sei in Freudenberg so gut wie nichts geschehen, sagen die Anwohner.

Der Stand heute entspreche so ziemlich dem von damals: Ein ziemlich verschilfter Löschteich, zwei kleine Hydranten, das soll reichen. Einzig ein Graben von einer Straße zum Löschteich wurde gezogen. Heute ist er zugewachsen, führt kein Wasser.

Niemals aufgeben

„Die Flinte ins Korn zu werfen, kam nie infrage“, sagt Otto Klemp. Stolz schwingt in dieser Aussage mit. Stolz, dass er und seine Frau den Wiederaufbau geschafft haben. Eine neue Scheune, eine Werkstatt, ein gepflasterter Hof, neue Fenster und ein neues Dach für ihr Wohnhaus. „Wir hatten viel Hilfe. Ohne hätten wir es nicht geschafft“, sagt Otto Klemp. Die Familie packte mit an. Söhne und Enkel leben im Dorf. „Es war keine einfache Zeit. Beim Frühstück, beim Mittag, beim Abendessen hat man aus der Küche auf den Hof geguckt und Schutt und Asche gesehen“, erinnert sich Patrick Klemp, der 23-jährige Enkel. Damals hatte er gerade seine Abiturprüfung bestanden, wartete auf den Studienbeginn, hatte also Zeit, um zu helfen. Wahrscheinlich hätte er die Zeit lieber für etwas anderes genutzt.

Etwa sechs Wochen hat es gedauert, bis der Hof vom Geröll befreit worden war. Im Wohnhaus konnte das Ehepaar Klemp dennoch weiter wohnen. „Und die Versicherung hat den Großteil der Kosten übernommen“, sagt Otto Klemp. Doch nicht alles. Einen Teil der Kosten für das neue Dach beispielsweise mussten sie aus eigener Tasche bezahlen. „Die Dämmung war wegen des Löschwassers hinüber.“ Wie viel es gekostet hat, „kann man gar nicht beziffern. Wenn man will und daran glaubt, dann schafft man es. Wir haben immer daran geglaubt“, sagt Otto Klemp.

Eine Familientragödie

Dabei war der Großbrand, bei dem 16 Gebäude – Scheunen, Schuppen, Ställe und ein Wohnhaus – niederbrannten, gar so etwas wie eine Familientragödie. Bis heute ist zwar nicht klar, warum das Feuer ausbracht. Fahrlässige Brandstiftung hieß es damals. Der Nachbar sei auf dem Dach seiner Scheune bei Schweißarbeiten gesehen worden. Kurze Zeit später brannte es. Dieser Nachbar ist der Cousin Otto Klemps. Eine schwierige Nachbarschaft. „Das Verhältnis war vorher aber auch nicht besonders gut“, sagt Brigitte Klemp. Der besagte Cousin wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Es habe sich ja alles beruhigt, sagt er, als er aus dem Fenster seines Wohnhauses, dass 2013 bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, herausschaut. Augenscheinlich hat auch er den Wiederaufbau geschafft.

Eine Verurteilung hat es nicht gegeben. Es sei nicht definitiv festgestellt worden, dass der heute 74-Jährige Verursacher des Brandes war. Das Verfahren wurde laut Staatsanwaltschaft eingestellt, unter anderem mit der Begründung, dass der Beschuldigte selbst enorm geschädigt gewesen sei. Mit Zustimmung des Gerichtes, in diesem Fall des damaligen Amtsgerichtes Ribnitz-Damgarten, sei ein solches Vorgehen nach deutschen Rechtsvorschriften möglich, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Warten bis Mai

Alles wieder gut, könnte man also meinen. Doch erst Ende Juni zuckte der Schreck abermals durch die Glieder von Brigitte und Otto Klemp, als auf dem Nachbargrundstück des Cousins ein Wohnwagen brannte. „Man sieht die schwarze Wolke. Da reicht es einem schon wieder“, sagt Otto Klemp. „Da kommt der Schock wieder hoch“, sagt seine Ehefrau. Diesmal ging es glimpflich aus, dank Feuerwehr und günstiger Windrichtung.Dennoch wurden Erinnerungen wach. Verbunden mit dem Gefühl, dass die Löschwasserversorgung in Freudenberg nach wie vor nicht ausreicht, sich eine solche Katastrophe wie im August 2013 wiederholen könnte. Bleibt die Hoffnung, dass die Stadt endlich was tut.

Eine Weile wird das aber offenbar noch dauern. Laut Ingo Woyczeszik vom Ribnitz-Damgartener Ordnungsamt soll erst die Brandschutzbedarfsplanung fertiggestellt werden. In diesem Plan wird der aktuelle Stand der Löschwasserversorgung festgehalten, um Mängel zu erkennen und daraus Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten. Im Mai kommenden Jahres soll diese Untersuchung abgeschlossen sein. „Wir haben jetzt mit Langendamm aufgrund der Reetdachhäuser angefangen, sind dort so gut wie fertig.“ Der nächste Ortsteil, in dem die Löschwasserversorgung verbessert werden soll, sei dann Freudenberg.

Robert Niemeyer

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