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Detektivarbeit bei Nähmaschine, Wasserkocher und Co.

Ribnitz-Damgarten Detektivarbeit bei Nähmaschine, Wasserkocher und Co.

Seit einem Jahr reparieren Hartmut Pfüller und sein Team ehrenamtlich kaputte Geräte / Mehr als 200 Menschen haben sich von ihnen im Reparatur-Café bereits helfen lassen

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Klaus Mehl bringt die Nähmaschine von Gudrun Nahrendorf aus Hessenburg wieder auf Vordermann.

Quelle: Fotos: Ann-Christin Schneider

Ribnitz-Damgarten. Heimwerker unter sich: Hartmut Pfüller, Klaus Mehl und Dieter Nahrendorf sind fleißig am Tüfteln. Der eine hat einen Akkuschrauber, der andere eine Nähmaschine und der Dritte ein Faxgerät vor sich. Alle drei Geräte funktionieren nicht mehr. Jetzt müssen die drei Hobby-Bastler die Ursachen finden und bestenfalls reparieren. „Das kann schon mal zu richtiger Detektivarbeit werden“, sagt Hartmut Pfüller. „Wir kennen schließlich nicht alle Geräte und es gibt unzählige Gründe, warum sie den Geist aufgeben.“

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Seit einem Jahr reparieren Hartmut Pfüller und sein Team ehrenamtlich kaputte Geräte / Mehr als 200 Menschen haben sich von ihnen im Reparatur-Café bereits helfen lassen

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Der 68-Jährige hat vor einem Jahr das Reparatur-Café in Ribnitz-Damgarten ins Leben gerufen. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat treffen sich die Bastelbegeisterten mit Hilfesuchenden und ihren defekten Haushaltsgeräten seitdem in der Volkshochschule.

„Durchschnittlich kommen zu jedem Termin ein Dutzend Personen“, sagt der Werkstatt-Leiter. „Es waren aber auch schon bis zu 30 Hilfesuchende hier.“ Knapp 250 Geräte haben die drei auf diesem Wege an 19 Terminen wieder gefixt – alles ehrenamtlich und im Tausch gegen eine kleine Spende.

Ziel der Initiative ist es, Müll zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. „Bei den meisten Fällen handelt es sich meist nur um Kleinigkeiten“, weiß Reparateur Klaus Mehl. Der gelernte Mechaniker ist Experte für Nähmaschinen und damit idealer Ansprechpartner für Gudrun Nahrendorf. Der Faden in ihrer Singer-Maschine ist ständig abgerissen. „Das Gerät ist noch recht neu, da wäre es schade, sie wegschmeißen zu müssen“, sagt die Frau aus Hessenburg.

Das Problem hat der 77-Jährige schnell gefunden. „Es war nur ein Einstellungsfehler“, sagt Mehl. „Die obere Fadenspannung ist zu fest.“ Innerhalb von 15 Minuten hat der Ribnitzer das Problem gelöst und die Einstellung angepasst.

Nähmaschinen, Wasserkocher, Mixer, Drucker, Schwippbögen – an sich probieren sich die Heimwerker an jeder gängigen Technik. Sie sollten lediglich komplett und bestenfalls auch noch mit der Betriebsanleitung abgegeben werden. „Bei Großgeräten, Mikrowellen, Autos oder neuen Geräten, die noch Garantie haben, lassen wir lieber die Finger davon“, erklärt Pfüller. „Es gibt bei uns immer das Risiko, dass das Gerät danach komplett kaputt ist.“ Er erinnert sich, dass er einmal so lange versucht hat, das Gehäuse eines Föhns zu öffnen, bis dieses verschrammt war. „Danach wollten ihn die Hilfesuchenden auch nicht mehr zurück“, sagt er heute mit einem Lachen. Jeder muss daher vor Beginn der Reparatur einen Haftungsausschluss unterschreiben. Bei heiklen Fällen rät der Ehrenamtler deshalb zum Besuch einer Fachwerkstatt.

Die Hälfte aller Geräte bekommen die drei aber repariert. So wie auch das Faxgerät von Günter Schumann. „Nach fast 20 Jahren zieht es das Papier nicht mehr richtig ein“, sagt der 79-jährige Ribnitzer. „Es ist für uns sehr wichtig, weil wir eine kleine Pension haben und die Buchungen oft per Fax bestätigen.“ Allein hätte er das Gerät nicht wieder auf Vordermann gebracht.

Da Hartmut Pfüller das Problem nicht so schnell ausfindig machen konnte, hat er das Gerät mit nach Hause genommen und sich intensiv mit der Transportrolle im Inneren beschäftigt. „Das ist aber eine Ausnahme“, sagt der Ehrenamtler. „Wir geben uns gern Mühe, denn die Dankbarkeit ist eine große Motivation weiterzumachen.“ Für die Technik-Hilfe seien sogar Wege von Barth, Graal-Müritz, Marlow und Bützow auf sich genommen worden. Schließlich gibt es neben dem Reparatur-Café in Ribnitz-Damgarten in Vorpommern nur das neu eröffnete in Stralsund.

Bezahlen muss dabei niemand für die Hilfe der Ribnitzer Reparateure. Über eine kleine Spende freut sich die Initiative. „Davon können wir ein wenig Material kaufen“, sagt Pfüller. Jeder Hersteller habe seine eigenen Schrauben, um die Technik-Besitzer damit praktisch zu zwingen, sie in Fachwerkstätten reparieren zu lassen. „Wir rüsten unsere Schraubenzieher-Bits immer nach, um vorbereitet zu sein“, sagt der gelernte Elektromechaniker.

Reparatur-Café feiert Einjähriges

5 Reparatur-Cafés gibt es im Land. Neben den zwei Werkstätten in Rostock gibt es je eine weitere in Schwerin, Ribnitz-Damgarten und neuerdings auch in Stralsund. Im November feiern die hiesigen drei Reparateure ihr erstes Betriebsjahr. Bislang haben sie knapp 250 Geräte wieder auf Vordermann gebracht.

Das Reparatur-Café findet jeden zweiten und vierten Freitag im Monat in der Volkshochschule Ribnitz-Damgarten in der Mühlenstraße 10 von 13 bis 17 Uhr statt.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.reparaturcafe.ga sowie unter ☎ 0157 / 37 10 16 41.

Ann-Christin Schneider

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