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„Die Sportler nennen mich noch heute Chef“

Ribnitz-Damgarten „Die Sportler nennen mich noch heute Chef“

Günther Müller ist Ribnitz-Damgartens Rudervater. 1963 gründete der 81-Jährige die Abteilung des Ribnitzer Sportvereins.

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Günther Müller mit dem alten Mitgliederbuch, das er 1963 für die ersten Mitglieder der Abteilung Rudern anlegte.

Quelle: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Ohne Günther Müller würde es die Abteilung Rudern beim Ribnitzer Sportverein nicht geben. Noch heute nennen die Sportler den 81-Jährigen „Chef“ oder „Rudervater“. Er selbst sagt von sich, dass er viele Jahrzehnte lang die „Mutter für alles“ war. Eine recht strenge Mutter, denn Müllers Motto lautet: „Ohne Diziplin, Strenge und Härte erreicht niemand etwas.“

Seit 1952 war der Ribnitz-Damgartener im Marinesport der „Gesellschaft für Sport und Technik“ aktiv. Rudern, Segeln – hauptsache der Sport findet auf dem Wasser statt. „Ich bin seit Kindertagen wassersüchtig“, sagt er. Und so scharrte er im August 1963 eine kleine Gruppe junger Sportler um sich: Der Ribnitzer Rudersport war geboren. Die ersten sieben Mitglieder stammten aus dem Armeesportklub „Vorwärts Rostock“. Sie trafen sich lange in einem Bootsschuppen auf dem Gelände des Segelklubs Ribnitz. Günther Müller kümmerte sich um alles allein. Ausbildung, Ausfahrten, Training, Material, Abrechnung. Doch vor allem mit dem Material habe es so seine Probleme gegeben. Die Boote fehlten den Ruderern.

„Die ersten alten Schinken bekamen wir aus Rostock. So konnten wir mit dem Training beginnen“, erinnert er sich und blättert in einem vergilbten Mitgliederbuch. Trotzdem fehlten eine Werkstatt, Bootswagen oder – schlicht und einfach – ein Telefon. Doch Müller schreckten die Bedingungen nicht ab. Er kämpfte, trainierte und warb weiter junge Leute an. 1968 hatte die Abteilung 23 Mitglieder. 1970 waren es bereits 38 Ruderer. Und so wuchs das Lager der Sportler von Jahr zu Jahr.

Nach der Nachtschicht auf die Recknitz

Das Rudern sei seine „Lebenserfüllung“ ist Müller überzeugt. Wenn seine Nachtschicht im Faserplattenwerk endete, ging der gelernte Maurer nicht nach Hause, sondern holte sich einen Renn-Einer aus dem Bootsschuppen und ruderte die Recknitz hinauf. „Mein Morgensport, eine herrliche Schinderei“, sagt er und lacht. Günther Müller trainierte unter anderem auch den heutigen Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg und brachte Hunderten Kindern und Jugendlichen die richtige Schlagtechnik bei. „Stimmt die Technik nicht, liegen Anfänger beim ersten Schlag auf der Seite.“

Am seidenen Faden hing der Rudersport dann in der 1990er Jahren. Nachdem der alte Ribnitzer Bootsschuppen einsturzgefährdet war, zogen die Ruderer im Frühjahr 1996 nach Damgarten um. In der außer Dienst gestellten Baracke der Polizei findet auch heute noch das Training am Hafen statt. Aufgestellt wurde sie von Müller und einigen anderen Ruderern. Doch das Gelände war übersät von Unrat und Müll. Viele Boote verrotteten, weil es keinen Unterstand für sie gab, erzählt Müller. Und dann verlor auch der kämpferische Müller irgendwann seine Kraft. Einbrüche und Vandalismus, besonders in den Winterpausen, raubten ihm den Mut, weiterzumachen.

Ein Denkmal am Vereinshaus

Doch 1998 bekam das Rudern mit einer Bootshalle endlich ein festes Zuhause in Damgarten. „Der damalige Bürgermeister Jürgen Borbe hat uns sehr unterstützt – und auch Udo Jungnickel, damaliger Geschäftsführer des Bildungszentrums.“ Hunderte Tonnen Erde bewegten die Sportler, um aus dem unebenen Acker einen attraktiven Standort zu machen. Sie pflasterten Wege, bauten Steganlagen und Bootstrailer.

„Hunderttausende Male habe ich meine Ruder-Kellen durch das Wasser der Recknitz gezogen“, sagt der Ehemannn und Vater dreier Kinder rückblickend. Über dem Eingang des heutigen Vereinshauses steht ein Schild mit der Aufschrift „Vereinshaus Rudervater Müller“. Ein Denkmal, das dem Senior zeigt, wofür er jahrzehntelang hart gearbeitet hat.

Carolin Riemer

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