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Dohlen im Turm: Treu bis in den Tod

Ribnitz-Damgarten Dohlen im Turm: Treu bis in den Tod

Turmfalken bleiben aufgrund Bauarbeiten in der Klosterkirche ohne Nachwuchs

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Ehrenamtlich beringt Richard Maag die Tiere in Ribnitz-Damgarten, Tribsees und Grimmen.

Ribnitz-Damgarten. Dohlen sind fleißige Kirchgänger – und treu wie Gold. Sie gehen lebenslängliche Ehen ein, machen alles gemeinsam: putzen, fliegen, singen und den Nachwuchs versorgen. Obwohl die Dohlen zu den Rabenvögeln gehören, sind sie wahrlich keine Rabeneltern. Das beweisen sie aktuell in der Ribnitzer Marienkirche. Seit fünf Jahren leben sie hier in Nistkästen, die Peter Heitmann (71) für sie baute.

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Turmfalken bleiben aufgrund Bauarbeiten in der Klosterkirche ohne Nachwuchs

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Neugierig und keck

2012 war die Dohle der Vogel des Jahres. Sie besitzen lustige Eigenschaften, können beispielsweise hervorragend Geräusche und Tierstimmen imitieren. Die Rabenvögel sind etwas kleiner als ihre tiefschwarzen Artgenossen. Als Halbhöhlenbrüter bevorzugen sie Kirchtürme, Schornsteine oder hohe Bäume zum Brüten. Das Verbreitungsgebiet der Dohle reicht vom nordafrikanischen Atlasgebirge über Europa bis zum Baikalsee.

Einmal pro Jahr bekommen sie Nachwuchs. Zurzeit ziehen die Dohlen-Paare etwa 19 Jungvögel im Turm der Kirche groß. Ihre Nachbarn: vier Turmfalken. Nur die Nistkästen der Mauersegler sind seit fünf Jahren leer – dabei sind es wahre Luxuswohnungen, die die Segler verweigern. Peter Heitmann hat bislang vergeblich versucht, sie anzulocken. „Im vergangenen Jahr gab es etwas mehr Nachwuchs, das schwankt“, erzählt er. Heute hat er Besuch mitgebracht. Richard Maag (57) aus Bad Sülze soll die kleinen Dohlen mit einem Ring um den Fuß ausstatten, damit die Ornithologen das Verhalten der Vögel besser erforschen können: Wie wandern sie? In welchen Kolonien brüten sie? Oft wurden Ribnitzer Dohlen schon in Holland gesichtet. Dafür ist Ribnitz-Damgarten das Reiseziel für skandinavische Dohlen.

Maag arbeitet seit 1986 als ehrenamtlicher Vogel-Beringer der Vogelschutzwarte Hiddensee. Vorsichtig nimmt er das zwei bis drei Wochen alte Dohlen-Baby aus dem Nistkasten und stülpt ihm den Ring über den Fuß. Der Vogel reißt den Schnabel auf – wahrscheinlich denkt er, dass Richard Maag auch Futter dabei hat. „Die Elterntiere gehen sehr fürsorglich mit ihren Jungen um. Sie sind nicht zimperlich – im Gegensatz zu vielen Singvögeln. Auch wenn wir sie jetzt anfassen, würden sie niemals von den Eltern verstoßen werden“, erklärt Maag. Peter Heitmann ist von den treuen Vögeln mit den himmelblauen Augen fasziniert. Einmal, so erzählt er, habe er in der Damgartener Kirche ein Paar eng aneinander gekuschelt gefunden. Sie waren gemeinsam gestorben. „Das hat mich sehr berührt.“

Die Intelligenz der Tiere ist beachtlich. Experten bescheinigen den Dohlen genauso viel Intelligenz wie Affen und Delfinen. Vorwitzig. Keck. Neugierig. Trotzdem brauchen sie die Hilfe von Menschen wie Richard Maag und Peter Heitmann erzählen: „Neue Häuser sehen zwar hübsch aus, aber für die Tiere wird es immer schwieriger, Nistmöglichkeiten zu finden. Sie haben kaum noch Chancen“, weiß

Heitmann.

So wurde beispielsweise auch ein Damgartener Turmfalke obdachlos als dort die alte Mühle abgerissen wurde. Peter Heitmann veranlasste gemeinsam mit Pastor Wolfgang Miether, dass er in die Kirche umziehen kann, baute auch für ihn einen Nistkasten und hofft nun: „Hoffentlich nimmt er ihn an.“ Auch für die Ribnitzer Turmfalken ist es zurzeit schwierig.

Vier Paare leben in Nistkästen im Turm der Klosterkirche. Doch seitdem dort das Dach saniert wird, sind die Nistkästen geschlossen und die Vögel ratlos. Oft hat Heitmann sie in den vergangenen Wochen den Turm umkreisen sehen. Nachwuchs gab es in diesem Jahr nicht. „Aber sie können ja bald wieder einziehen und im kommenden Frühjahr Junge bekommen.“ Er vermutet, dass sich die Turmfalken trotzdem im Turm der Klosterkirche aufhalten sobald die Bauarbeiter Feierabend haben. „Aber so genau weiß das niemand.“ Er setzt die letzte kleine Dohle zurück ins Nest. Draußen schimpfen die Elterntiere ein bisschen mit Peter Heitmann. „Die Kirchen bieten optimale Bedingungen für die Vögel. Egal, ob Turmfalke oder Dohle.“ Nicht umsonst werden letztere wohl auch „des Pastors schwarze Tauben genannt“ – wahrlich treue Kirchgänger.

Carolin Riemer

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