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Ein Leben hinter den Kulissen

Ribnitz-Damgarten Ein Leben hinter den Kulissen

Klaus-Peter Müller arbeitete 31 Jahre lang als Hausmeister und Techniker im Ribnitzer Stadtkulturhaus. am 1. Juli geht er in Rente.

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Klaus-Peter Müller geht nach 31 Jahren in Rente.

Quelle: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Ob Ephraim Kishon, Ostrock-Stars oder Fips Asmussen: In den 31 Jahren als Hausmeister und Techniker des Ribnitzer Stadtkulturhauses hat Klaus-Peter Müller sie alle erlebt – vor und hinter der Bühne. Am 1. Juli geht der 63-jährige Damgartener in Rente. Seine Arbeit erledigt dann Matthias Beer (31), der bei der Firma Hauer Showtechnik ausgebildet wurde.

Genügsame und freundliche Künstler - vor allem Fips Asmussen

Eingebildete oder arrogante Diven hat Klaus-Peter Müller nie hinter den Kulissen des Stadtkulturhauses angetroffen. „Eigentlich waren alle Künstler sehr genügsam, freundlich und freuten sich schon, wenn wir ihnen ein belegtes Brötchen anboten.“ In besonders guter Erinnerung hat er den Komiker Fips Asmussen behalten. Er habe noch drei Tage nach seinem Auftritt im Stadtkulturhaus angerufen und sich für die freundliche Bewirtung bedankt. „Und ich werde nie vergessen, wie der Autor Ephraim Kishon kurz nach der Wende in seinem taubenblauen Anzug und in gelben Schuhen ins Kulturhaus schlenderte und lediglich fragte: ,Wo ist das Mikro?’.“ Profis seien unkompliziert. Als Schauspieler Hardy Krüger für eine Lesung nach Ribnitz kam, hätte man im Stadtkulturhaus eine Stecknadel fallen hören können, sagt Klaus-Peter Müller lachend: „200 Frauen saßen im Publikum und erinnerten sich wahrscheinlich daran, dass Krüger in jungen Jahren ein absoluter Frauenschwarm war.“ Mit Autor Wladimir Kaminer habe es hingegen den größten Spaß gegeben. Vor allem wenn Kaminer hinter der Bühne Anekdoten erzählte.Das Stadtkulturhaus ist für Klaus-Peter Müller ein zweites Zuhause. Wie viele Tage, Abende und manchmal auch Nächte er dort verbracht hat, kann Müller nicht mehr sagen. Aber es waren viele. „Und es gehört eine Menge Herzblut dazu.Was haben wir hier während der Rock- und Oldienächte für launige Nächte verbracht. Ohne meine Kollegin Silke Griwahn hätte ich die ganze Arbeit aber nicht geschafft. Nach all den Jahren der Zusammenarbeit verstehen wir uns mittlerweile blind.“

Ein Job, so vielseitig wie die Veranstaltungen im Stadtkulturhaus

Meistens stand der Hausmeister und Techniker während der Veranstaltungen hinter dem Vorhang auf der Bühne und regelte das Licht und den Ton. Klaus-Peter Müllers Aufgaben waren so abwechslungsreich, wie die Veranstaltungen im Stadtkulturhaus. Er reparierte das Dach, kümmerte sich um die Werbung, baute Schränke und Regale, transportierte schwere Bühnenelemente allein auf einem kleinen Handwagen und pflegte die Außenanlagen. Auch Arbeiten, die an der Ribnitzer Bibliothek und der Villa, als diese noch das Jugendhaus war, anfielen, gehörten zu seinen Aufgaben. „Körperlich muss man da schon sehr fest sein“, sagt der gelernte Tischler. Manchmal musste er nicht seine körperliche, sondern seine emotionale Stärke demonstrieren. Als vor 19 Jahren ein Mann in Ribnitz Amok lief und mehrere Menschen erschoss, wurden die Opfer für eine große Trauerveranstaltung im Stadtkulturhaus aufgebahrt. Doch meistens waren es fröhliche Feste, die in dem Traditions-Gebäude gefeiert wurden. Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, Jahreshauptversammlungen der Feuerwehr – die Liste ist ellenlang. Klaus-Peter Müller und seine Frau feierten ihre Silberne Hochzeit im Stadtkulturhaus. „Vielleicht werden wir auch unsere goldene dort feiern.“ Seit 41 Jahren sind die beiden verheiratet, haben zwei Töchter und mittlerweile drei Enkelsöhne.

Der Ost-Charme ist nicht zu leugnen

Für die Zukunft hofft Müller, dass das Stadtkulturhaus in Ribnitz erhalten wird. „So viele Künstler, meistens die aus dem Osten, haben sich gleichermaßen gefreut und gewundert, dass es so ein Kulturhaus überhaupt noch gibt. Der Ost-Charme ist ja nicht zu leugnen. Genau deshalb mag ich das Gebäude auch so sehr.“ Mittlerweile sei jedoch viel Geld in neue Technik investiert worden. Die Arbeit werde ihm fehlen. „Aber ich freue mich auch auf die Rente. Meinen großen Leidenschaften werde ich dann viel Zeit widmen.“ Klaus-Peter Müller baut gern allemöglichen Dinge aus Holz und liebt seinen großen Garten. Und wenn er sich am 1. Juli von „seinem“ Stadtkulturhaus verabschiedet, wird es kein Abschied für immer sein. „Ich werde Veranstaltungen besuchen. Ich kann doch gar nicht ohne. . .“

Carolin Riemer

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