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„Ein Teil meines Herzens bleibt in der Stadt“

Ribnitz-Damgarten „Ein Teil meines Herzens bleibt in der Stadt“

Der Ribnitzer Pastor Christoph Strube setzt sich nach 17 Jahren zur Ruhe / Er engagierte sich für neue Kirchenglocken und den maritimen Gottesdienst

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Pastor Christoph Strube in der Marienkirche in Ribnitz. Er hat sich nach 17 Jahren zum Aufhören entschlossen.

Quelle: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Dass ihm Ribnitz so ans Herz wächst, hätte Pastor Christoph Strube nicht für möglich gehalten. 17 Jahre lang betreute der 62-Jährige die Gemeinde. Nun hat er für sich beschlossen, dass es Zeit ist, aufzuhören. Im September nimmt ein neuer Pastor seine Stelle ein.

„Er setzt die Priorität bei den Menschen, die Hilfe brauchen.“ Janett Harnack, Gemeindepädagogin

„Ich habe mit den Menschen Freud und Leid geteilt.“ Christoph Strube,

Ribnitzer Pastor

„Beim Fußball würde man sagen, es ist Zeit für einen Trainerwechsel“, erklärt er seine Entscheidung. Christoph Strube, gelernter Optiker und studierter Theologe, ist ein Sport-Fan. Er schaut nicht nur Fußball, sondern tanzt auch leidenschaftlich gern Tango. Und er weiß, was gut für ihn ist.

„Die Aufgaben werden nicht weniger, aber meine Kraft. Ich bin einfach nicht mehr so fit wie vor zehn Jahren.“ Strube lässt nicht nur sein Amt, sondern auch die Stadt und seine Wohnung im Pfarrhaus hinter sich. Er zieht in ein Dorf in der Nähe von Rostock. „Wenn ich gehe, lasse ich einen erheblichen Teil meines Herzens hier“, gibt er zu. Der Pastor wundert sich manchmal selbst darüber. Als der gebürtige Rostocker vor 17 Jahren zum ersten Mal die Bernsteinstadt besuchte, war ihm die Kleinstadt-Idylle fremd und ungewohnt. „Aber nachdem ich den ersten Weihnachtsmarkt im Ribnitzer Klosterhof besuchte, hatte ich einen Aha-Effekt und plötzlich verstand ich, warum die Menschen hier so ungewöhnlich stark mit ihrer Heimat verwurzelt sind.“ Es sei die Verbundenheit zwischen den Menschen.

Leute, die sich ihr ganzes Leben lang kennen — ob sie sich nun mögen oder nicht. „Diese Verbindungen geben den Menschen Halt.“ Eine Lebensform, die Bewohnern größerer Städte fremd sei.

Und noch etwas lernte er dazu. „Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.“ Als Strube das erste Mal die Marienkirche sah, rechnete er mit einem düsteren Kirchenschiff. Doch als er mit seinem damals dreijährigen Sohn auf den Schultern, durch die Eingangstür schritt, blieb er erstaunt stehen. „Die Kirche ist barock ausgestattet, hell — völlig anders als es ein gotischer Backsteinbau vermuten lässt.“ Dass in ihm auch das Gemeindezentrum untergebracht ist und es eine beheizbare Winterkirche gibt, findet Strube ungewöhnlich und fantastisch. „Der Gebrauchswert für die Gemeinde ist außergewöhnlich. Was nützt die schönste Kirche, wenn sie nur sonntags eine Stunde lang genutzt wird? Meine Vorgänger haben bei den Planungen fantastisch weit gedacht.“

Manch‘ Mensch mag denken, dass ein Pastor lediglich am Sonntag während des Gottesdienstes arbeitet. Christoph Strube weiß es besser. In den vergangenen 17 Jahren taufte er etwa 150 Kinder, traute 60 Paare und begleitete 400 Beerdigungen. Er ist Seelsorger und nennt sich selbst „Geschäftsführer eines Vereins“. Unzählige Verwaltungsaufgaben gehören zu seinem Job. „Es ist ein Glücksfall, dass es in Ribnitz ein perfekt funktionierendes Team gibt.“ So konnte Strube viel bewegen. Seit zwölf Jahren organisiert er gemeinsam mit der katholischen Gemeinde den „Maritimen Gottesdienst“ am Hafen in Dierhagen. Am Pfingstmontag predigt er dann unter freiem Himmel. Diese Veranstaltung bleibt, auch wenn Strube geht.

Unter ihm bekam auch die Marienkirche ein neues Geläut. Vor zehn Jahren sammelten Strube und sein Team Spenden, organisierten Konzerte und schafften es, dass im Turm nun vier Glocken schlagen. Auch die Stadt beteiligte sich an der Anschaffung. „Noch heute freue ich mich über den Klang. Diese Aktion gehört für mich zu den schönsten Erinnerungen der vergangenen 17 Jahre.“

Von Carolin Riemer

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