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Eine der letzten ihrer Art: Videothek eröffnet in Bernsteinstadt

Ribnitz-Damgarten Eine der letzten ihrer Art: Videothek eröffnet in Bernsteinstadt

„Wir wissen, dass wir gegen den Strom schwimmen“, sagen Silvia und Michelle Henk / Trotzdem machen sie sich im August mit einer Ausleih-Station selbstständig

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Silvia Henk und ihre Tochter Michelle eröffnen in der Ribnitzer Straße am See eine Videothek.

Quelle: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Fast scheint es, als wollten Silvia (42) und Michelle Henk (21) einen Dinosaurier wiederbeleben. In Zeiten, in denen Videotheken langsam aussterben, eröffnen die beiden Frauen eine neue Verleihstation in der Ribnitzer Straße Am See.

Wir malen uns keine rosafarbenen Wolken aus.“Silvia Henk, Selbstständige

Dort, wo einst ein anderer Dinosaurier, ein Intershop, Produkte aus dem westlichen Teil Deutschlands anbot, dort wird ihre Videothek am 1. August um 10 Uhr eröffnen. „Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir gegen den Strom schwimmen und wir malen uns auch keine rosafarbenen Wolken aus“, sagt Silvia Henk. Aber viele Gründe sprechen dafür, dass ihre Geschäftsidee Früchte tragen könnte.

Bis zum bitteren Ende arbeiteten Mutter und Tochter Henk in der Ribnitzer Videothek „World of Video“, die Anfang des Jahres schließen musste. „Es gab so viele Kunden, die darüber sehr traurig waren – alles Stammkunden, die uns fragten ,Und wo sollen wir ohne euch unsere Filme ausleihen?’“ Die Kunden seien ein großer Ansporn gewesen, die Selbstständigkeit in Angriff zu nehmen. Und so eröffnet die mittlerweile einzige Videothek zwischen Rostock und Stralsund eben in der Bernsteinstadt. Früher waren sie Treffpunkte, auch aus kleineren Städten nicht wegzudenken. Bunte Leuchtreklamen, Popcornduft, Filmfiguren aus Pappe am Eingang.

Videotheken sollen nicht so enden wie Kassetten, Telefonzellen oder das Testbild im Fernsehen, das steht für die beiden Geschäftsfrauen fest. Erfahrung in der Branche sammelten die beiden zu genüge.

Die Stammkunden der alten Ribnitzer Videothek sollen keinen Unterschied spüren, wenn sie die Familien-Videothek der Henk-Frauen betreten. Die Leuchtreklame wird in den nächsten Tagen angebaut, es gibt Popcorn und die ersten Papp-Filmhelden sind schon aufgebaut.

„Wir arbeiten mit World of Video zusammen, haben also immer die neuesten Filme und Spiele parat, verleihen auch Konsolen und verkaufen Filme“, sagt Silvia Henk. Sieben Tage pro Woche wollen Mutter und Tochter in ihrem 200 Quadratmeter großen Laden für ihre Kunden da sein.

Ihr größter Konkurrent ist das Internet. Filme kann man hier auch kostenlos anschauen. Das Angebot an Online-Portalen ist groß. „Das ist nicht dasselbe. Bei uns bekommen die Kunden Empfehlungen. Wir können mit ihnen über Filme reden, uns unterhalten“, betont Michelle Henk. Zuspruch gab es auch aus der Familie. Beim Umbau packen alle mit an. Sie malern, verlegen Fußbodenbeläge und schleppen Regale herbei. Aus etwa 1800 Filmen können die Kunden bald wählen. Doch bei all der Euphorie, Silvia Henk ist aufgeregt: „Eigentlich schlottern uns schon jetzt die Knie, wenn wir an die Eröffnung denken.“

Gar nicht so einfach sei es gewesen, den Besitzer des Geschäfts auszumachen. Da mussten Mutter und Tochter kurzzeitig zu Detektiven werden. Das Gebäude, in dem zuletzt ein Taxiunternehmen ansässig war, steht seit Jahren leer und gehört einer Immobilienfirma aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen. „Die Besitzer waren froh, dass wir das Haus wieder herrichten. Miete brauchen wir deshalb erst zu zahlen, wenn wir im August eröffnen“, sagt Silvia Henk. Ein großes Entgegenkommen, denn seit März laufen die Umbauarbeiten auf Hochtouren.

Erotik- und Horrorfilmabteilung ziehen in den hinteren Teil des Ladens. Zwei Genres, die in Ribnitz-Damgarten immer großen Anklang bei den Kunden fanden und auf die sie auch jetzt nicht verzichten müssen.

Filmtipps können die beiden übrigens immer geben. Etwa 350 Streifen flimmern pro Jahr über den heimischen Fernseher – alle unter einem Dach in Langenhanshagen: Silvia, ihr Mann Mirko und Tochter Michelle. „Wir sind eigentlich immer auf dem neuesten Stand. Es wäre doch schade, wenn das Zeitalter der Videotheken abgelaufen wäre“, findet Michelle Henk und gibt noch schnell ein paar Tipps: „The Revenant“, „Arlo und Spot“ und die „Peanuts“ – alles tolle Filme.“

Geschichte der Videothek

1975 wurde laut Guinness Buch der Rekorde die erste Videothek der Welt in Kassel eröffnet.

Im Jahr 1983 gab es in Deutschland 4850 Videotheken, die 128 Millionen Videos entliehen. Die Zahl der Kunden hat sich nach Angaben des Marktforschungsinstituts „GfK“ von 14,5 Millionen im Jahr 2000 auf 6,9 Millionen im Jahr 2010 halbiert. Schuld am Videotheken-Sterben sind Schwarzmarktkopien und Film-Portale im Internet.

Carolin Riemer

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