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Ein Barnstorfer im Unruhezustand

Wustrow/Barnstorf Ein Barnstorfer im Unruhezustand

Landwirt Günter Peters feiert heute seinen 85. Geburtstag / Sein Anwesen in Barnstorf ist seit 1714 im Familienbesitz

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Mit 85 Jahren noch immer sehr aktiv auf seinem Barnstorfer Anwesen: Landwirt Günter Peters . Hier mit seinem Deutz-Trecker von 1940 mit Mähwerk.

Quelle: Elke Erdmann

Wustrow/Barnstorf. Landwirt Günter Peters öffnet das große Tor seiner Feldscheune. Dort stehen seine alten Gefährte – zwei Deutz-Trecker, Baujahr 1940 und 1941.

Weht der Wind günstig, segle ich mit einem Schlag nach Dierhagen und trinke dort einen Kaffee.“Günter Peters (85)

Günter Peters ist sogar noch älter. Kurz nach seinem Zwillingsbruder Hans kam er am 2. September 1931 in Barnstorf zur Welt. Und nun will er seinen 85. Geburtstag in seiner 1928 erbauten Feldscheune feiern, die er dafür herrichtet.

Der Landwirt fährt einen Deutz hinaus. Grüne Motorhaube, rote Felgen; an der rechten Seite ein Mähwerk. Damit mäht er Gras und im Winter Schilfrohr – aber auch mit dem Rohrschieber am urigen Pikeschlitten, wenn das Eis ihn trägt. Günter Peters ist schlank und flink wie ein Wiesel, zudem beredt. Den Familienbesitz hat er gehegt und gepflegt. Bereits seit 1714 befindet sich „Hufe III“ im Besitz seiner Familie. Um sein Anwesen zu erhalten, wurden die Stallungen später zu Ferienwohnungen umgebaut.

Günter, Bruder Hans und Freund Walter Hartmann gingen gemeinsam zu Fuß zur Schule nach Wustrow. Ein Fahrrad besaßen sie nicht. Abends mussten die Zwillingsbrüder die eigenen Milchkühe und die des Nachbarn Ehrke von Hufe IV (heute Kunstscheune) an der Fischländer Kirche abholen und sie nach Barnstorf treiben. „Bis 1963 gab es noch einen Kuhhirten“, erzählt Günter Peters. „Die Kühe hatten alle einen Namen. Wir belieferten die Molkerei, die von 1913 bis 1953 in Wustrow bestand.“ Er besuchte die Landwirtschaftsschule in Ribnitz. „Dorthin fuhren wir mit dem Dampfer ‚Onkel Fritz‘ und blieben bis zum Wochenende im Internat.“ 15 Hektar Land bewirtschafteten die Eltern, bauten Roggen, Gerste, Hafer, Kartoffeln und Rüben an. „Großvater Heinrich schaffte die erste Mähmaschine zum Grasmähen an, die in der Ribnitzer Stadtwiese zum Einsatz kam. Er ließ sie sich aus Amerika schicken.“

1956, als Günter Peters am 25. Februar Gerdi heiratete, bekam er den Hof übertragen. Sie stammte aus Gadebusch und hatte eine Anstellung im Wustrower Landhaus. Barnstorf lag verschneit und Pastor Wunderlich wurde zur Haustrauung mit dem Pferdeschlitten geholt. In der Diele des Bauernhauses war es zu kalt, da räumten sie für den Tanz eine Stube frei. „Gerdi bediente oft Käthe Miethe und servierte ihr guten Cognac.“ Die Schriftstellerin schrieb in ihrem Buch „Das Fischland“: „Vier Gehöfte zählte Barnstorf, als wir zuerst aus den Chroniken von ihm erfuhren. Vier Gehöfte zählt es noch heut. Es kam nur dort, wo der Bodden an der Feldmark leckt, ein einziger Bau dazu, errichtet für eine Räucherei, später eines Bildhauers Atelier.“

Bangen mussten die Bauern, als Herbert Malzahn antrat und im Herbst 1966 mit dem Volkseigenen Gut (VEG) alles anders werden sollte. „Barnstorf wird ganz neu entstehen“, hieß es auf einer Versammlung.

„Sie bekommen auch eine neue Wohnung mit einem Bad, Herr Peters“, raunte ihm ein Hintermann zu. „Wir haben uns als Bauern gewehrt. Die Großviehanlage kam dann nach Born“, sagt Peters. Er hatte ja sein schönes Anwesen mit Haus-Chronik seit 1630.

Wenn er mit Gerdi zum Kaffee in der Laube sitzt, können sie die vorbeiziehenden Fahrgastschiffe und Segler auf dem Bodden sehen, der hier Permien heißt. „Weht der Wind günstig, segle ich mit einem Schlag nach Dierhagen und trinke dort einen Kaffee. Solang dat noch geiht“, sagt der Landwirt. Er kann unendliche Geschichten erzählen, spricht meist Plattdeutsch und gestikuliert mit den Händen.

Unter der Esche im kopfsteingepflasterten Innenhof steht noch die alte Pumpe. Hier wird das Wasser in Milchkannen für die beiden Pferde von Enkelin Catharina (31) gepumpt. Sie wurde in diesem Sommer in Wustrow Tonnenkönigin.

Günter Peters Hände ruhen kaum. „Vor zwei Jahren habe ich noch Weizen angebaut. Den hat Bauer Frank Hartmann abgedroschen für die Hühner. Vier hat der Fuchs geholt.“ Auf seinem Acker an der Feldscheune wachsen Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln, Gurken und Porree. Alles muss geerntet werden. Doch jetzt wird erst mal gefeiert – mit Gerdi, mit den Familien der Töchter Karin und Ingrid und vielen Freunden.

Elke Erdmann

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