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Eine besondere Entdeckung in der Kunst

Wustrow Eine besondere Entdeckung in der Kunst

Erhard und Sibylle Naumann – Fast museale Präsentation im Fischlandhaus zu Wustrow

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Kunstwissenschaftlerin Dr. Katrin Arrieta mit der 90-jährigen Bildhauerin Sybille Naumann zwischen deren Bronzen „Pferd und Reiter“ und „Stehendes Pferd“ (von links).

Quelle: Elke Erdmann

Wustrow. Die Bildhauerin Sibylle Naumann ist im September 90 Jahre alt geworden. Nun hatte sie sich mit ihrer Familie von Mangelsdorf im Jerichower Land auf den Weg gemacht, um zur Ausstellungseröffnung im Fischlandhaus Wustrow dabei zu sein.

Ein bewegender Moment für Sibylle Naumann, als sie ihre Arbeiten mit denen ihres bereits 1991 verstorbenen Mannes Erhard Naumann vereint sah: Malerei, Zeichnung und Skulpturen. „Hier stimmt die Atmosphäre, wie schön alles harmonisch zusammen gefügt ist“, sagte sie voller Freude. Für Kuratorin Dr. Katrin Arrieta sind die Arbeiten des Künstlerpaares eine „ganz besondere Entdeckung“, in einer „fast musealen Präsentation“. Im ersten Kabinett beeindrucken die große Bronze „Pferd und Reiter“, eine Arbeit, die nach der Jahrtausendwende entstand, und die „Stehende Frau“, 1980. Eine zufriedene Bäuerin, die ihre Hände über den etwas gewölbten Leib legt und in sich hinein lächelt. Das ist gute Hallesche Schule! Dort lernte sich das Paar beim Studium 1950 an der damaligen Hochschule für künstlerische Werkgestaltung Burg Giebichenstein kennen. Beide hatten bereits künstlerische Vorbildung genossen. Sibylle Naumann, damals noch Meyer, als 20-Jährige an der Hochschule der Künste in Berlin beim Studium der Bildhauerei und einer anschließenden zweijährigen Ausbildung an der Fachschule für Holzbildhauerei in Empfertshausen. Die kleine Bronze „Pferd und Reiter“ zeigt, „auf welch hohem Niveau die junge Künstlerin sich als Studierende bereits bewegt hat“, sagt Kunstwissenschaftlerin Arrieta. Erhard Naumann, Jahrgang 1918, hatte schon eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Leipzig in der Fachabteilung Dekorative Malerei absolviert. In Halle wurde Erwin Hahs sein prägender Lehrer im Fach Malerei.

Arbeiten auf Papier mit Motiven, wie man sie am Weststrand des Darßes findet: „Morscher Baum“, Feder/Tusche, 1950/51, „Strandblick“, Kreide, oder „Strukturen am Strand“, umgeben die Skulpturen.

Ausgestellt ist auch das Gemälde „Am Meer“, um 1950, aus der Sammlung des Kunstmuseums Ahrenshoop. Dr. Arrieta hielt Rückschau auf die Ereignisse um die sogenannte „Knispel-Affäre“, die in die Geschichte von Ahrenshoop sowie in die der Burg Giebichenstein einging und auch das spätere Ehepaar Naumann berührte. Mit Ulrich Knispel, damals Lehrer an der „Burg“, reisten Studierende zum Naturstudium nach Ahrenshoop.

Eine Ausstellung studentischer Arbeiten in der Bunten Stube mit Zeichnungen, wie sie jetzt von Erhard Naumann zu sehen sind, hatte durch Verunglimpfungen des SED-Kulturfunktionärs Wilhelm Girnus schlimme Folgen.

Dr. Arrieta sagte rückführend: „Sibylle Naumanns Schaffen ist nicht abgeschlossen. Heute arbeitet die Künstlerin an leuchtend farbigen textilen Bildern, die sie langsam, aber stetig stickt, so, wie ihre Phantasie es ihr eingibt und in einem Stil, wie ihn der späte Kirchner entwickelte.“

Ausstellung bis 12. März 2017, Mo, Di 10-12 Uhr, 14-17 Uhr, Do 10-12 Uhr, 14-18 Uhr, Fr-So 11-16 Uhr

Hetzartikel

Die Ausstellung in der Bunten Stube veranlasste im Sommer 1951 den SED- Kulturfunktionär Wilhelm Girnus zu einem Hetzartikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“.

Überschrift: „Lebensfeindliche Kunstdiktatur in Giebichenstein. Ein Ferienbrief aus Ahrenshoop“. Girnus brandmarkte die ausgestellten Studien von Strandgut und anderen harmlosen Gegenständen als Auswüchse einer „amerikanischen Fäulnisideologie“. In der Folge wurde der Burg Giebichenstein der Hochschulstatus entzogen, Professor Hahs in den Ruhestand versetzt und Ulrich Knispel aus seinem Lehramt entlassen. Er und andere junge Künstler gingen in den Westen.

Elke Erdmann

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