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Frühlingszeit ist Pflanzzeit: Gärtner aus Leidenschaft

Prerow Frühlingszeit ist Pflanzzeit: Gärtner aus Leidenschaft

Christine und Volker Schulz entschieden sich 1992 für die Selbstständigkeit und eröffneten ihre Friedhofsgärtnerei am Kirchhof

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In der Friedhofsgärtnerei von Christine (rechts) und Volker Schulz wählt Verena Hübner aus Prerow Frühblüher aus.

Quelle: Elke Erdmann

Prerow. „Willst du das ganze Leben glücklich sein, dann werde Gärtner!“, lautet ein chinesisches Sprichwort. „Glück ist, in beiden Händen Blumen zu halten“, sagt man in Japan. Beides trifft auf Christine und Volker Schulz zu. Direkt am Friedhof zur Seemannskirche in Prerow betreiben sie im Kirchenort ihre Friedhofsgärtnerei. Der Weg dorthin ist holprig, aber schön begrenzt. Er führt an einem für das Ostseebad typischen Erlenbruch vorbei, der neben dem Prerow Strom liegt. Direkt am Schilfgürtel befindet sich das Wohnhaus der Familie Schulz, nur drei Minuten von der Arbeitsstelle entfernt.

Bis in die Alpen habe ich Sanddorn verkauft. Die Leute wollen ihn alle in ihrem Garten haben, nachdem sie hier auf dem Darß einen Likör oder Saft getrunken haben.“Volker Schulz, Gärtner

„Seit 1992 sind wir hier, weil der damalige Pastor Gerhard Schneidereit einen Gärtner für den Friedhof suchte“, sagt Volker Schulz. „Zuvor arbeiteten wir im Volkseigenen Gut (VEG) Saatzucht Zierpflanzen in Barth mit einem festen Gehalt.“ Beide waren Brigadeleiter. Jede Brigade hatte mit der Edelnelke zu tun. „Wir haben Stecklinge gebrochen und so die Nelke vermehrt, aber auch Gemüse produziert: Gurken und Tomaten.“ Doch dann kam Kurzarbeit im Betrieb auf und das Gärtnerpaar entschied sich für die Selbständigkeit.

Mutig begannen sie mit dem eigenen Zweimannbetrieb. Auf dem Land, das sie von der evangelischen Kirche pachten, errichteten sie 1993 ein kleines Gartenhaus für den Verkauf. Im Außenbereich halten sie die gesamte Palette zur Gestaltung paradiesischer Gärten vor. Unter den Frühblühern finden sich zarte Narzissen mit dem französischen Namen Tête à Tête (vertrautes Beisammensein), rote Bellis (Gänseblümchen) oder Stiefmütterchen mit „Rüschenrand“, die Frizzle Sizzle heißen. „Wir haben unsere Stammkunden, die hier Blumensträuße bestellen, aber unser Geld verdienen wir mit Blühpflanzen der Saison und mit Gehölzen wie Rosen aller Art“, sagt Christine Schulz. Ihr Mann ergänzt: „Bis in die Alpen habe ich Sanddorn verkauft. Die Leute wollen ihn alle in ihrem Garten haben, nachdem sie hier auf dem Darß einen Likör oder Saft getrunken haben.“

Viele Kunden lassen sich gern beraten. „Wir versuchen bei der Farbwahl zu lenken.“ Die Pflanzen holt Volker Schulz aus Kröpelin, aus dem Brandenburgischen und aus dem Pinneberger Baumschulengebiet.

Für die öffentlichen Wege und Flächen auf dem Friedhof sind die beiden 51-Jährigen leider nicht mehr verantwortlich, übernehmen aber die Grabpflege für Menschen, die das allein nicht mehr schaffen.

„Es ist einzigartig auf dem Darß, dass hier auf dem Friedhof so ein schöner Baumbestand mit verschiedenen Nadel- und Laubbäumen steht“, sagen sie. Dazu gehören alte Eiben, Kastanien, Blutbuchen und Buchsbaum. Der Gesang vom Kleiber und Pirol begleitet die Besucher besonders in der Frühe oder in den Abendstunden. Einst waren die Friedhöfe mit den Grabsteinen „die Archive der Dörfer und Städte“.

In dem Gedicht „Der alte Garten“ von Eichendorff heißt es: „Kaiserkron‘ und Päonien rot,/ Die müssen verzaubert sein, Denn Vater und Mutter sind lange tot,/ Was blühn sie hier so allein.“ Die Großmutter und Mutter von Christine Schulz stammten aus Weißkirchen im Sudetenland. Christine, geborene Breuer, lernte ihren Mann Volker Schulz aus Wittenberge, an der Fachschule Bannewitz bei Dresden kennen. Dort studierten sie Zierpflanzenwirtschaft. Ihre Hochzeit feierten sie Anfang September 1989 in Prerow mit zartrosa Edelnelken. Ihre Hochzeitsreise unternahmen sie über Jugendtourist nach Nordkorea. Das blaue Hemd der Freien Deutschen Jugend (FDJ) mussten sie mitnehmen. Familie Schulz hält es meist 24 Stunden miteinander aus. Doch jeder geht seinem Hobby nach; Christine Schulz reitet seit 1971 und Ehemann Volker hält sich zu Hause ein tropisches Meerwasseraquarium.

Von Elke Erdmann

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