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In Prerow gibt es nun „De lütt Wullstuw“

Prerow In Prerow gibt es nun „De lütt Wullstuw“

Statt Geranien und Fuchsien verkauft Carolin Crull fortan Wolle

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Carolin Crull in „De lütt Wullstuw“.

Quelle: Foto: Elke Erdmann

Prerow. „Das ist alles schön hier. Da lacht das Frauenherz“, sagt eine Kundin aus Hessen. Doch mit dem Namen „De lütt Wullstuw“ kann sie nichts anfangen. Sie versteht kein Plattdeutsch. Gerade danach hat Carolin Crull lange gesucht. Wo noch bis 2016 Geranien, Fuchsien und Orchideen verkauft wurden, gehen nun Wollstränge und Knäuel in den Farben Geranium, Continental Blue und Fuchsia über den Ladentisch. Zur Erinnerung steht noch der Name „Gärtnerei Nienkirchen“ an der östlichen Giebelseite des Rohrdachhauses in der Prerower Waldstraße. Im Hinterhof wächst Gras um das historische Geschäftsschild.

Erich und Johanna Nienkirchen gründeten 1938 die Gärtnerei. Sohn Günter (88) und Schwiegertochter Marga (85) übernahmen sie 1959. Sohn Bernd und Schwiegertochter Heidrun führten das Geschäft 22 Jahre weiter, er die Gärtnerei, sie das Blumengeschäft für „Beet und Balkon“. Aus gesundheitlichen Gründen gaben sie auf. Heidrun Nienkirchen arbeitet jetzt auf der Basis von 450 Euro an der Kasse im Darß-Museum. „Das ist für mich eine Rückkehr in anderer Form“, sagt sie. „Denn 17 Jahre war ich hier als Museumspädagogin tätig.“ Den Laden mit Wintergarten pachtet Carolin Crull von Günter und Marga Nienkirchen. „Ganz prima dekoriert“, sagt die Hauseigentümerin erfreut.

Wolle hängt an den Wänden, liegt fein geordnet in Schubladen. Auf dem rustikalen Tisch mit glatter Arbeitsfläche steht eine Haspel zum Wickeln der Stränge. Auf weißen Bügeln hängen Pullovermodelle zum Anschauen und Nacharbeiten, überall liegen Maschenproben zum Fühlen, Strickhefte zum Stöbern in grünen Regalen. „Ich habe meine komplette Strickbibliothek hier“, sagt Carolin Crull. Am 27. Juli eröffnete die 36-Jährige die kleine Wollstube. Wenn der Wind am Meer kräftig weht, braucht man Mütze und Halswärmer. Wie man beides mit Malabrigo Merino Worsted im Fair-Isle-Muster strickt, bekommt die Kundin gleich mit und die Legende dazu.

Die Bewohner der winzigen Nordseeinsel Fair Isle lernten die berühmte, vielfarbige Stricktechnik einst von spanischen Schiffbrüchigen und brachten sie später zur Perfektion, um in der kargen Umgebung ein Einkommen zu haben: „The more you could knit, the more you could eat“. Je mehr du stricken konntest, desto mehr konntest du essen. Die kleine Wollstube ist ein Familienunternehmen.

„Mein Ehemann Tim arbeitet im Hintergrund. Er macht alles, was Grafik und Computer angeht. Wir sind beide Geschäftsführer in unserer Lanade GmbH“, sagt Carolin Crull. „Die kleine Wollstube auf 36

Quadratmetern ist der Außenauftritt. Das Lager befindet sich in Niepars vor Stralsund.“ Im Angebot sind viele Handfärbungen von Madelinetosh aus Texas und Malabrigo aus Uruguay. „Dass es jetzt so gut passt mit dem Gasthaus ‚Teeschale' gegenüber und dem Darß-Museum dahinter ist ein Glückfall.“ Dort wird an jedem letzten Freitag im Monat am Kamin gestrickt. „Vor zwei Jahren habe ich mich dazu gesellt und den Altersdurchschnitt ein wenig gehoben. Da trug ich noch Dreadlooks. Zu dieser Zeit strickte ich farbstarke Kleidungsstücke in außergewöhnlichen Techniken.“ Zur Eröffnung häkelten die Frauen vom Stricktreff eine lange Wimpelkette, die den Wintergarten umgibt. Ein weißer Stoffhimmel schützt die Wolle vor dem Ausbleichen.

Carolin Crull hat ein sonniges Gemüt. Sie freut sich auf ihr drittes Kind. Nach Emil (8), Franziska (6) erwartet sie wieder ein Mädchen. Dafür strickt sie eifrig butterweiche Sachen. „Ich habe schon immer gehandarbeitet. Meine Oma Rosa hat mir das Stricken beigebracht. Da war ich acht Jahre alt. Mein erstes Stück war eine kleine Decke.“

Carolin Crull lernte Schneiderin, danach Reiseverkehrsfrau. „Das hilft mir, ein Geschäft zu führen.“ Das gründete sie 2010 in Vaihingen an der Enz in Schwaben. „Wir sind etliche Male umgezogen. Doch jetzt haben wir in Prerow den Anker geworfen.“

Elke Erdmann

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