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„Lieber schwierig als schmierig“

„Lieber schwierig als schmierig“

Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle kommt am Donnerstag mit seinem Programm nach Born

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Kabarettist Uwe Steimle

Born Er nennt Politiker „arbeitsscheues Gesindel“ und bezeichnet sich selbst als Pazifisten und Putin-Versteher: Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle aus Dresden spielte 15 Jahre lang den Hauptkommissar im „Polizeiruf 110“ und ist der Erfinder des Wortes Ostalgie. Am Donnerstag kommt er mit seinem neuen Programm „Heimatstunde“ auf die Freilichtbühne nach Born. Mit der OZ sprach er über seinen Auftritt, den Ekel vor Quallen und warum er erst spät zum Ostsee-Liebhaber wurde.

Ein Abend mit Uwe Steimle

Wo? Freilichtbühne Born

Wann? Donnerstag um 20 Uhr

Was? Kabarett „Heimatstunde“

Sie haben wirklich noch nie auf Fischland-Darß-Zingst Urlaub gemacht?

Uwe Steimle: Nein, am Donnerstag bin ich erstmals da und ich kann das auch erklären. Zu DDR-Zeiten haben meine Familie und ich nie einen Ferienplatz an der Ostsee bekommen und wir wollten nicht in einem Hühnerstall untergebracht werden. Deswegen wurde ich erst nach der Wende zum Ostsee-Liebhaber. Ich verbringe auch meinen diesjährigen Sommerurlaub auf der Insel Hiddensee.

Sie lieben den Strand, obwohl Sie sich vor Quallen ekeln.

Steimle: Sehr sogar. Wenn jemand eine Erfindung gegen diese Tiere machen würde, hätte er meiner Meinung nach einen Nobelpreis verdient.

In Ihren Programmen imitieren Sie immer Erich Honecker. Auf was müssen sich Ihre Gäste gefasst machen?

Steimle: Oh nein, ich imitiere Honni nicht, sondern ich interpretiere ihn. Ich mache ihn klüger als er war! Meine Zuhörer können sich auf eine Entdeckungsfahrt gefasst machen. Aber wenn mir keiner zuhört, überlebe ich das auch.

Sie nennen sich „Diener des Publikums“. Was hat das zu bedeuten?

Steimle: Jeder Abend ist anders. Ich habe zwar ein Grundgerüst, auf das ich zurück greife, aber ich gehe stets auf mein Publikum ein.

Und Sie sind recht schonungslos!

Steimle: Finden Sie? Weil ich Po- litiker als arbeitsscheues Gesindel bezeichne? Das sind sie nun mal. Ich sage Ihnen, jeder Optiker in Ribnitz-Damgarten hat mehr Durchblick als die Politiker. Es traut sich nur niemand auszusprechen.

Ein Kritiker sagte einmal über Sie, dass man nie wisse, wie viel Ernst in Ihren Witzen steckt. Wie ernst sind Ihre Späße denn nun gemeint?

Steimle: In jedem Witz liegt etwas Tragik. Ich möchte niemandem vorschreiben, was er denken soll oder moralisieren. Ich weise zwar auf Wunden hin, aber ich schließe sie nicht.

Was für Wunden meinen Sie?

Steimle: Mein Programm heißt zwar „Heimatstunde“, aber zur Heimat gehört auch das, was zurzeit in der Welt geschieht. Manchmal habe ich die Sorge, dass ich bald arbeitslos werde, weil die Politiker heutzutage wohl die besten Kabarettisten und Schauspieler sind.

Was macht Ihnen Sorgen?

Steimle: Dass viele Menschen aufgegeben haben und sich nicht genug informieren. Wer sagt, dass er mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin nicht einverstanden ist, ist entweder gleich ein Nazi oder kommt aus Dresden. Ich sage ganz offen, dass Deutschland Millionen Euro in die Rüstungsindustrie steckt und dass die Menschen, die nun hier aufgenommen werden, vor Waffen flüchten, die auch aus Deutschland kommen. Wenn man das so betrachtet, ist das Aufnehmen der Kriegsflüchtlinge keine Barmherzigkeit, sondern Heuchelei.

Das klingt, als erwarte Ihre Gäste in Born kein besonders witziger Abend.

Steimle: Oh doch! Ich erzähle ja auch viele schöne Geschichten über nette Menschen, denen ich begegnet bin. Die Kunst des Lebens ist, den Alltag zum Fest zu erheben.

Zum Abschluss: Wie sieht denn ein perfekter Urlaubstag für Sie aus?

Steimle: Vor dem Frühstück mit meinem Hund am Strand entlang laufen. Mein Hund ist wie ich: schwer erziehbar. Er passt zu mir, denn ich sage immer: lieber schwierig als schmierig. Im Urlaub lege ich am liebsten eine disziplinierte Faulheit an den Tag.

Interview von Carolin Riemer

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