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Flinke Finger lassen Milch in Strömen fließen

Klausdorf Flinke Finger lassen Milch in Strömen fließen

Vier Frauen und neun Männer meistern drei Prüfungsaufgaben / Betrieb von Henning Heß aus Klausdorf sorgt für Top-Bedingungen beim Kreis-Leistungsmelken der Bauernverbände Nordvorpommern und Rügen

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Kälberpfleger Roger Weber (25) von der Agrargesellschaft Gustow ist auch beim Melken top. Er holte für seinen Betrieb die Bronzemedaille, belohnt mit Sachpreisen und 75 Euro.

Quelle: Fotos: Ines Sommer

Klausdorf. Die Kühe im Stall von Henning Heß stehen in ihren Boxen und warten geduldig. Sie spüren, dass es heute anders ist in ihrem Melkstand. Nicht wie gewohnt der Klausdorfer Herdenmanager Werner Dettweiler (früher selbst mehrfacher Meistermelker) und seine Kollegen stehen im Gang, sondern junge Leute wie Anna-Lena Lindow, die den Auftakt gibt zum diesjährigen Kreis-Leistungsmelken.

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Vier Frauen und neun Männer meistern drei Prüfungsaufgaben / Betrieb von Henning Heß aus Klausdorf sorgt für Top-Bedingungen beim Kreis-Leistungsmelken der Bauernverbände Nordvorpommern und Rügen

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Die kleine zierliche Azubine von der Agrargesellschaft Gustow greift entschlossen zum Melkzeug. Ein Gerät, das mit vier Saugern und zig Schläuchen aussieht wie aus dem Science-Fiction-Film. „Sie muss zuerst prüfen, ob das Vakuum funktioniert und die Schläuche keine Löcher haben oder verdreht sind“, sagt Elke Möller. Sie hat 28 Jahre die Milchviehanlage in Stoltenhagen geleitet und gehört nun zu den Wettkampfrichtern. Gemeinsam mit Liane Hübner vom Milchhof Thomsen aus Groß Kordshagen beäugt sie jeden Handgriff der kleinen Blondine. Die 17-Jährige macht ihre Sache gut, bleibt ganz ruhig und behält immer die Übersicht. Nur einmal zuckt sie etwas zusammen, als das Melkzeug automatisch herabgelassen wird.

Gegenüber ist Swantje Ewert am Wirbeln. Die Melkerin der Agar-Produktions- und Vertriebsgemeinschaft (APV) aus Samtens schnappt sich einen Becher zum Vormelken. „Gut“, befindet die 34-Jährige und meint damit, dass es in der Probemilch keine Auffälligkeiten gibt. Sie greift sich das vorbereitete Desinfektionstuch und reinigt die vier Zitzen am Euter. Das ist gleichzeitig das Signal dafür, dass das Melkzeug angelegt werden kann. Die Stoppuhr läuft. Zack-zack hat die aufgeweckte Frau, die hier wegen ihrer vielen erfolgreichen Teilnahmen an Melkwettbewerben als Favoritin gilt, auch das erledigt – und schon saust die Milch durch die Schläuche. Am Tag sind es pro Kuh im Schnitt 33 Liter.

Die Prüfung läuft an zehn Kühen. „Bei Swantje sitzt jeder Handgriff. Sie hat Routine, das merkt man“, sagt Bewerter Gunnar Schwedhelm. Der 55-Jährige ist Herdenmanager und Lehrausbilder in Gustow.

Er kann gut mit den jungen Leuten, beruhigt die Aufgeregten und spricht Mut zu.

„Abgekoppelt“ werden müssen die Tiere nicht, denn ist die Kuh ausgemolken, reagiert der schlaue Computer – und die Vakuumsauger samt Schläuchen fallen automatisch ab. Das Melkzeug schnappt nach oben. Zeit für den letzten Arbeitsgang im Melkstand – das Dippen. Alis-Max Lauter von der Agrar GmbH Grimmen West kennt sich aus. Er nimmt den kleinen Behälter mit der Flüssigkeit und taucht jede Zitze darin ein. „Die Flüssigkeit dient zum Versiegeln, damit keine Keime ins Euter gelangen“, erklärt uns Aileen Schuck beim Rundgang durch den Stall. Die 27-Jährige ist Leistungs-Inspektorin beim Landeskontrollverband (LKV) und verantwortlich für den Festlandteil des Kreises. Ist das Dippen erledigt, endet die Zeitnahme. Elf Minuten braucht der Schnellste, 20 Minuten sind es beim Schlusslicht.

Mit dem Melken ist erst eine von drei Prüfungen absolviert. Zelltest heißt die nächste Station. „Die selbst zuvor gemolkene, genau abgemessene Milchprobe wird in ein Vierer-Schalentester gegeben.

Dazu kommt ein Spritzer vom EimüZellcheck. Das Ganze muss hin und hergeschwenkt werden, man darf nicht zu voreilig sein. Je nach Färbung oder Beschaffenheit der Probe kann man ablesen, ob die Kuh krank ist“, erklärt Agrar-Ingenieur Jochen Kanz. Der 54-Jährige arbeitet als Berater beim LKV. Für den Außenstehenden sieht der Test babyleicht aus – ist er aber nicht, denn keiner erreicht die volle Punktzahl.

Teilnehmer Johannes Schultz, der in Stremlow wohnt, ist geschafft, aber: „Es hat Spaß gemacht, man wird ja nicht dümmer davon. Aber ich weiß schon, dass ich lieber auf dem John Deere sitzen möchte“, sagt der 18-Jährige am Pausentisch. Auf geht’s zum letzten Test – an der Schulbank. 20 Fragen müssen beantwortet werden – wie bei der Fahrschule. Da geht es um den Besamungsindex, den Anteil der Milch, der in Alveolen gelagert ist, oder die Frage nach den höchsten Kosten in der Milchproduktion.

Die Prüflinge konnte das alles nicht schocken. „Die Ergebnisse sind erfreulich. Zum Glück ist der Theorietest viel besser gelaufen als letztes Jahr“, freut sich Simone Wilhayn, Kontroll-Inspektorin auf der Insel Rügen.

„Ich bin erleichtert“, sagt Swantje Ewert nach der Siegerehrung gestern in Prohn. Hatte sie sich doch selbst ganz schön unter Druck gesetzt. „Ich hatte mit Maria Zendt eine harte Konkurrentin. Ich wusste das, denn wir haben zusammen geübt.“ Vielleicht gibt es ja bald noch mal Zeit zum Üben, denn Swantje hat als Kreissiegerin das Ticket für den Landeswettstreit in der Tasche. Und wer da gewinnt, fährt zum Bundesausscheid. Freundin Maria wurde in Vorpommern-Rügen Zweite und ist bestimmt ein guter Vorbereitungspartner.

Kreismeisterin Swantje Ewert hat Ticket für Landeswettbewerb

Das Kreisleistungsmelken wird jährlich vom Landeskontrollverband durchgeführt. Seit 2015 setzen sich die Bauernverbände Rügen und Nordvorpommern als Co-Organisatoren gemeinsam den Hut auf, weil die Teilnehmerzahl immer mehr sank.

13 Starter wurden im Klausdorfer Melkstand gezählt. Eine Gruppe musste Donnerstagnachmittag, die zweite am Freitagmorgen um vier Uhr melken. Landwirt Henning Heß hatte seinen Betrieb bestens vorbereitet, zudem sorgte die saubere, hochmoderne Anlage für viel Spaß bei der Arbeit.

Die Sieger wurden gestern Mittag gekürt. In der Gruppe der Melker bis 25 siegte Oliver Klühs von der APV Samtens mit 156 Punkten vor Christoph Stiehm, Stoltenhäger Agrargesellschaft (134), und Alis Max Lauter (126) von der Agrar GmbH Grimmen. Nicht auf dem Siegertreppchen, aber dennoch mit über 100 Punkten beendeten Johannes Schultz, Agrar GmbH Grimmen, Christoph Schumacher, APV Samtens, und Malte Ehlers, Agrargesellschaft Poseritz den Wettbewerb.

Ü25Sieger ist Swantje Ewert aus Samtens mit 159 Punkten vor Maria Zendt (153), Agrargenossenschaft Neklade, und Roger Weber (139), Agrargesellschaft Gustow. Für Nicole Hoffmann (Stoltenhagen), Daniel Hesse (Neklade) und Mathias Stein (Poseritz) zählte das Dabeisein.

Ines Sommer

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