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Gewerkschaft beklagt hohen Krankenstand bei RSAG

Rostock Gewerkschaft beklagt hohen Krankenstand bei RSAG

Stimmung bei der Straßenbahn sei auf dem Tiefpunkt / Unternehmen sieht Stimmungsmache und nennt die Situation „überwiegend positiv“

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Die Nahverkehrsgewerkschaft beklagt einen hohen Krankenstand bei der Rostocker Straßenbahn AG.

Quelle: Stefan Tretropp

Rostock. Ist die Stimmung bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) auf dem Tiefpunkt – oder besser gesagt: auf dem Abstellgleis? Zumindest rumort es. Grund dafür ist ein Gewerkschaftsschreiben, das in der RSAG für Wirbel bei den Beschäftigten sorgt. Von hohem Krankenstand, Frust und zu langen Diensten ist darin die Rede. Unternehmensverantwortliche sehen eine „Stimmungsmache“.

331 Mitarbeiter fahren Busse und Bahnen

707 Mitarbeiter und 22 Auszubildende sind bei der RSAG derzeit beschäftigt. 331 arbeiten im Fahrdienst Straßenbahn und Bus.

53 Straßenbahnen und 70 Busse gehören zum Fuhrpark der RSAG. Die Bahnen bedienen täglich 140 Haltestellen, bei den Bussen sind es 415.

Stein des Anstoßes ist ein Ende Oktober veröffentlichtes Schreiben der Rostocker Betriebsgruppe der Nahverkehrsgewerkschaft (NahVG). Verantwortlich dafür ist Walter Jezak, stellvertretender Vorsitzender. Er sieht „hausgemachte Probleme“, die sich negativ auf Arbeitsbedingungen auswirken und Unzufriedenheit und Demotivation hervorrufen. „Die Stimmung ist im Keller.“ Für den Gewerkschaftsvertreter spiegelt sich die Frustration unter den Mitarbeitern im hohen Krankenstand wieder. „Viele lassen sich krankschreiben.“

Den bisher höchsten Krankenstand des Jahres verzeichnete die RSAG am 21. Oktober, kurz vor dem Gewerkschaftsschreiben. Von 331 Mitarbeitern im Fahrdienst meldeten sich 40 krank. Auf das erste Halbjahr 2016 gerechnet lag die Gesundheitsquote beim Fahrdienst bei 90,3 Prozent. „Das ist kein spezifisches RSAG-Problem, sondern branchentypisch“, erklärt Sprecher Mario Engel. Laut Gewerkschaft mussten bereits Verwaltungsmitarbeiter einspringen, um den Fahrplan zu halten. „Das ist in der Branche üblich, dass Mitarbeiter aus Werkstatt und Verwaltung im Fahrdienst eingesetzt werden.“

Allerdings betrug dieser Einsatz nur 87 Stunden, 0,18 Prozent am Gesamtvolumen.

Jan Bleis, kaufmännischer Vorstand der RSAG, versteht den Wirbel nicht: „Das ist nicht die überwiegende Meinung der Mitarbeiter.“ Bleis weiter: „Dieses Schreiben stellt nicht das Gesamtbild dar.“

Mario Engel sieht die Grundstimmung im Unternehmen „überwiegend positiv“. So zeigten sich bei der letzten Befragung 56 Prozent der Mitarbeiter zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, 28 Prozent neutral und 16 Prozent sind derzeit unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden. Als möglichen Grund der Unzufriedenheit sieht Engel die Arbeitszeitregelung. „Schließlich sind wir ein Unternehmen, das an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden Dienst leistet.“ Deshalb bietet die RSAG allen Kollegen, die Bus und Straßenbahn fahren, sieben Arbeitszeitmodelle an. Laut Engel werde dadurch vor allem sozialen Belangen (Kinderbetreuung, Pflege kranker Angehöriger) Rechnung getragen.

Die Gewerkschaft beklagt dagegen längere Dienste für die Fahrer und die immer straffer werdende Optimierung von Fahr- und Wendezeiten. So gingen viele Dienste weit über neun Stunden. „Man hetzt von einer Haltestelle zur nächsten“, sagt Walter Jezak. Was viel schlimmer sei: „Man hat zum Teil nicht einmal mehr die Gelegenheit, die Toilette zu besuchen.“ RSAG-Sprecher Engel räumt ein, dass die Einführung des 10-Minuten-Taktes im Straßenbahnnetz zu Beginn des Jahres zu „geänderten Randbedingungen in der Fahrplanung“ geführt hat, die Auswirkungen auf die Produktivität hat, indem unproduktive Arbeitszeiten, nicht aber Pausenzeiten reduziert werden. Eine „drastische Verschlechterung“ sieht die RSAG darin nicht. „Wir achten darauf, dass neben den gesetzlichen Arbeitspausen ausreichend Zeit zum Toilettenbesuch bleibt“, ergänzt Engel. Die reine Pausenzeit, also die Zeit zwischen Ankunft und Abfahrt an der Endhaltestelle, liege zwischen vier und zehn Minuten.

Durch das Gewerkschaftsschreiben sieht die RSAG-Führung den „Tatbestand einer Störung des betrieblichen Friedens“ erfüllt. „Es werden Tatsachen so verzerrt, dass daraus eine negative Stimmung bei unseren Mitarbeitern erzeugt werden kann“, heißt es. Engel weiter: „Wir behalten uns rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft vor.“ Das Unternehmen will zunächst die Entwicklung abwarten, inwieweit sich tatsächlich eine „negative Stimmung“ einstellt.

Stefan Tretropp

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