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Glatter Aal wird Fall für die Gerichte

Rostock Glatter Aal wird Fall für die Gerichte

Rathaus erteilt Baugenehmigung für 100-Millionen-Projekt / Nachbarn klagen / Jetzt droht ein jahrelanger Rechtsstreit

Rostock. Theoretisch dürften ab sofort die Bagger auf dem Glatten Aal rollen: Rostocks Rathaus hat gestern die Baugenehmigung für das neue Rosengarten-Center des irischen Investors Patrick McGrath erteilt. Das bestätigte die Stadtverwaltung auf OZ-Nachfrage. Doch: Der Streit um das 100-Millionen- Euro-Projekt auf einem der Filetgrundstücke der Hansestadt dürfte damit erst richtig eskalieren. Denn ein Nachbar des geplanten Einkaufszentrums samt Riesen- Parkhaus plant Widerspruch gegen die Baugenehmigung einzulegen und vor dem Verwaltungsgericht Schwerin einen „einstweiligen Baustopp“ zu beantragen. Begründung: Stadt und Investor hätten den Immissionsschutz nicht ausreichend berücksichtigt.

Der Investor — McGraths Firma Randalswood Germany — habe dem Bauantrag zwar eine Lärmprognose beigefügt. „Aber an deren Richtigkeit haben wir Zweifel“, sagt Ines Kagerer. Sie ist Geschäftsführerin der Firma PMC, baut in direkter Nachbarschaft zum Glatten Aal ein neues Wohnhaus und zieht nun gegen das Großprojekt der Iren, das aus ein Hotel mit 258 Gästebetten sowie ein Einkaufszentrum mit mehr als 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche besteht, vor Gericht. „Da entsteht nicht einfach ,nur‘ ein Einkaufszentrum: Randalswood plant ein riesiges Parkhaus.“ Und weil das auch noch 24 Stunden am Tag geöffnet sein soll, fürchtet sie für die Käufer und Mieter in ihrem neuen Wohngebäude Nachteile. „Wir haben dem Bauamt der Stadt unsere Bedenken mitgeteilt.“ Doch das Amt habe die Einwände ignoriert. Kagerer hat gleich zwei Lärmschutz-Gutachten in Auftrag gegeben: Sowohl die Fachleute der Dekra als auch die Experten beim Tüv Nord bestätigen nun ihre Befürchtungen. Ein Kritikpunkt: In der Lärmprognose des Investors ist von 460 Parkplätzen im Center die Rede. „Beantragt und genehmigt wurden aber schlussendlich 532“, sagt Kagerer. Und: Der Verkehr in den Nachtstunden sei von den durch Randalswood beauftragten Ingenieuren viel zu niedrig angesetzt worden. Lärm durch Lieferverkehre und Lüftungen sei ebenfalls nicht beachtet worden. „Das Parkhaus muss zudem rund um die Uhr beleuchtet sein. Dass macht nicht nur Lärm, sondern auch Licht und Abgase, die Menschen in den Nachbargebäuden dauerhaft beeinträchtigen könnten, wurden gar nicht berücksichtigt“, so Kagerer.

Kagerer hat nun einen Anwalt beauftragt, ihre Interessen zu vertreten. Und weil ein Widerspruch allein einen Baustart nicht verhindern würde, zieht sich gleich noch vor Gericht. Klage in Schwerin.

„Das Gericht soll die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs anordnen“, so die Geschäftsfrau. Geben dem Richter dem Antrag statt, darf Randalswood trotz der Baugenehmigung nicht loslegen. Die Stadtpolitik fürchtet bereits, dass der Glatte Aal zur nächsten „endlosen Geschichte“ der Hansestadt wird. So jedenfalls formuliert es Helge Bothur (Linke), Vize-Chef des Bauausschusses der Bürgerschaft. „Ein solcher Rechtsstreit kann sich über Monate und Jahre hinziehen. Dabei wäre das alles vermeidbar gewesen.“ Sowohl der Bau-, als auch der Hauptausschuss und der Ortsbeirat Stadtmitte hatten Randalswood Pläne in der vorliegenden Form abgelehnt. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) ließ sein Bauamt dennoch die Genehmigung erteilen. Begründung: Das Projekt erfülle alle rechtlichen Vorgaben, es gäbe keinen Grund die Genehmigung zu verweigern. Dass die Politik „Nein“ gesagt hat, sei — so Stadtsprecher Ulrich Kunze bereits vor einer Woche — unerheblich: Die Verwaltung müsse nach Baugesetz handeln — und das stehe über dem Willen der Kommunalpolitik.

Bothur lässt das nicht gelten. „Wenn der Investor sein Versprechen gehalten hätte und einen Architektenwettbewerb zur Gestaltung des Centers gestartet hätte, wären Konflikte mit den Nachbarn auch auszuschließen zu gewesen. Das Rathaus und auch Randalswood hätten sich darauf einigen müssen, mehr Zeit für die Planungen zu verwenden“, sagt der Linken-Politiker. Auch das wäre aber nicht so leicht gewesen: Im Kaufvertrag für das Grundstück ist vereinbart, dass spätestens am 1. Juli die Bagger rollen müssen. Wenn nicht, fällt die Filetfläche zurück an die Stadt. Offenbar wollten Methling und der Investor genau das vermeiden. Gerüchte, wonach die Iren ihrerseits dem Rathaus mit einer Klage gedroht hätten, wenn sie kein Baurecht bekommen, weist Dennis Madden, Planer des Rosengarten- Centers, gegenüber der OZ zurück. Auch die SPD äußert scharfe Kritik, dass das Rathaus nun doch die Genehmigung erteilt hat: Die geplanten Bauten und ihre Fassaden seien „viel zu kompakt für das bedeutende Areal mitten in der Stadt“, sagt Fraktionschef Steffen Wandschneider.

Von Andreas Meyer

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