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Gutshaus Freudenberg beherbergte Bauarbeiter

Freudenberg Gutshaus Freudenberg beherbergte Bauarbeiter

Die Stadt befürchtete, dass die Räume durch die intensive Belegung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte

Freudenberg. Im Frühjahr 1935 setzten rege Bautätigkeiten auf der Halbinsel Pütnitz ein. Ein Militärflugplatz zwischen Ribnitzer See und Ostsee nahm unaufhaltsam Formen an. Auch der Freudenberger Landwirt Karl Plettner und der ebenfalls dort arbeitende Gastwirt Brinkmann wollten von dem regen Treiben auf der Baustelle profitieren. Beide hatten schon seit Jahren von der Stadt mehrere Räume im ehemaligen Freudenberger Gutshaus gemietet. Nun hatten sie, ohne vorher die Stadt zu informieren, „mit einem größeren Arbeitslager Verträge geschlossen“. Darin stellten sie ihre Räumlichkeiten dem Reichsarbeitsdienst zur Unterbringung von Bauarbeitern zur Verfügung.

 

OZ-Bild

So sieht das Gutshaus in Freudenberg heute aus.

Quelle: Paula Mittermeyer

OZ historisch

Als die Stadt von diesen Verträgen erfuhr, wurde umgehend Polizeihauptwachtmeister Karl Schwerin in die Spur geschickt, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Zu diesem Zeitpunkt, im Dezember 1935, war der Brinkmannsche Saal bereits mit nicht weniger als 42 Personen belegt. Der Saal diente als Schlafstätte. Für jeden war einen Spind aufgestellt worden. Betten und Spinde waren „nagelneu“ und „mit den hiesigen Arbeitslagerbetten nicht vergleichbar“. Die Aufsicht oblag dem Unterlagerführer Paul Vogler und einem Barackenwärter Schröder, die beide von der „Bauleitung Pütnitz“ eingesetzt worden waren. Brinckmann versorgte die Arbeiter morgens mit Kaffee. Das warme Abendessen nahmen nahezu alle bei Landwirt Plettner ein.

Bei Plettner wiederum wohnten knapp über 20 Personen, wobei die Fluktuation relativ hoch war. Im Saal Plettners standen 32 Betten bereit. In drei weiteren Räumen wurden insgesamt weitere 36 Schlafstätten vorgehalten. Die Ausstattung war mit derjenigen Brinkmanns identisch. Ferner hatte Plettner in seinem Speiseraum eine kleine Kantine eingerichtet, in der er den Arbeitern „Wurstwaren, Käse, Butter, Brötchen, Flaschenbier, Tabak, Zigaretten, Zigarren und Limonade verkaufte“. Dies sorgte jedoch für Missstimmung bei Gastwirt Brinkmann, da auch seine Bewohner von diesem Angebot regen Gebrauch zu machen schienen.

Die Stadt blickte auf diese Entwicklung nicht ohne Unbehagen. Befürchtete sie doch, dass die Räume durch eine derartige, intensive Belegung allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Karl Plettner war seit 1931 Pächter des Freudenberger Gutshauses inklusive des Parks, des Gemüsegartens und eines Hühnerstalls. Er nutzte das Haus als Pension und vermietete. Laut Pachtvertrag erklärte sich Plettner bereit, das Haus auf eigene Kosten „ordnungsgemäß herzustellen“ und „zu erhalten“. Die Stadt durfte dies mit Hilfe eines Sachverständigen jederzeit überprüfen. Bereits im Sommer 1933 zeichnete sich ab, dass das Gebäude perspektivisch dem „Freiwilligen Arbeitsdienst“ zur Verfügung gestellt werden wird. Beide Vertragsparteien stimmten darin überein, dass in diesem Fall das Pachtverhältnis gegen eine Entschädigungszahlung aufgehoben würde.

Das Pachtverhältnis mit Plettner erwies sich für die Stadt als konfliktreich. Pachtzahlungen erfolgten nur sehr schleppend und meist nach Aufforderung. Mit den vereinbarten Instandsetzungsarbeiten war die Stadt äußerst unzufrieden. Sie erfolgten nur „mangelhaft“.

Im Februar 1936 erlaubte die Stadt eine weitere Vermietung an Pütnitzer Bauarbeiten nur, wenn Plettner dem regulären Auslaufen des Pachtvertrages zum Ende Oktober des Jahres vorbehaltlos zustimmte und das Gutshaus räumen würde. So geschah es und das Mietgeschäft mit den Bauarbeitern blieb ein kurzfristiges.

Weil das Gutshaus zukünftig durch den weiblichen Reichsarbeitsdienst genutzt werden sollte, mussten auch die sechs Mieter Plettners (Blohm, Gumpricht, Neumeyer, Peters, Schnilz und Westendorf) das Haus umgehend räumen. Bis die Mieter ein neues Zuhause gefunden hatten, trat die Stadt als Vermieter auf.

Jan Berg

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