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Heil-Moskau-Rufe auf dem Ribnitzer Marktplatz

Ribnitz Heil-Moskau-Rufe auf dem Ribnitzer Marktplatz

Polizei trieb kommunistische Versammlung am 7. September 1924 auseinander und konfiszierte rote Fahne

Ribnitz. Am 7. September 1924 erreichte die Polizeidienstelle in Rostock der Befehl, für den kommenden Sonntag, ein Kommando zusammenzustellen und mit dem Lkw zum Einsatz nach Ribnitz zu fahren. Sonntags kurz nach elf Uhr setzen sich die Polizisten in Bewegung, „ein Oberbeamter, 14 Beamte einschließlich Kraftwagenführer und ein Sanitätsbeamter“. Trotz der Motorisierung erreichten sie Ribnitz erst anderthalb Stunden später. Der Grund: Die Chaussee nach Ribnitz befand sich „in denkbar schlechtestem Zustand (Schlaglöcher)“, so dass der Lkw äußerst langsam fuhr, um das Material zu schonen.

 

OZ-Bild

Wahlplakat der KPD aus dem Jahr 1928. Repro: Sammlung Jan Berg

Quelle:

Serie

OZ historisch

Währendessen war es mit der sonntäglichen Ruhe in Ribnitz schon vorbei. In der Stadt sollte eine „größere kommunistische Versammlung“ abgehalten werden. Organisatoren waren Kommunisten aus Rostock, Bad Sülze, Tessin, Marlow, Barth, Stralsund und Damgarten. Im Vorfeld hatten „Rostocker Kommunistenkinder“ zahlreiche Handzettel in der Stadt verteilt. Aufgrund der Breite der Veranstalter rechnete man mit einem zahlenmäßig großen Aufmarsch. Die Rostocker KPDler reisten mit dem Zug bis Altheide und marschierten von dort aus zu Fuß in die Stadt. So sammelten sich etwa 60 Personen, in der Mehrzahl jedoch Frauen und Kinder, auf dem Marktplatz. Dort störten sie mit lautem Gesang und Rufen, wie: „Heil Moskau“, den Gottesdienst in der Stadtkirche. Mit Inbrunst schwenkten sie eine rote Fahne der Sowjetunion.

Die Ribnitzer Polizei sah sich zum Einschreiten veranlasst, trieb die Demonstranten auseinander und konfiszierte die Fahne. In der Zwischenzeit waren weitere Kommunisten aus Marlow und Bad Sülze, entweder mit Fahrrad oder mit Fuhrwerk, auf dem Marktplatz eingetroffen. Gemeinsam verlangten sie nun lautstark die Herausgabe der roten Fahne und pochten auf die Versammlungsfreiheit. Im Verlauf der Diskussionen traf das Rostocker Polizeikommando ein. Die beiden Stadträte Falck und Jürss, sowie zwei „Gendarmeriekommissare“ nahmen sie in Empfang und schilderten kurz die Ereignisse. Allein die starke Polizeipräsenz war nun ausreichend, dass die Kommunisten von ihren Forderungen abließen. Auf Anweisung der Leitung verließen die KPDler nun Mecklenburg und marschierten geschlossen nach Damgarten.

Die Ribnitzer Einwohner zeigten sich angesichts des Aufmarsches eher unbeeindruckt. Sympathiebekundungen vermerkte der Polizeibericht nicht. In Damgarten blieb es jedoch nicht so friedlich. Dort kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit Anhängern der „Deutschvölkischen Freiheitspartei“. Diese verfolgte ein radikal rassistisches, antikommunistisches und antisemitisches Programm.

Preußische Landjäger trennten die Gruppen.

Gegen 20 Uhr verließen die kommunistischen Demonstranten beide Städte. Die führenden Kommunisten fuhren mit „einem eleganten Auto (4-Sitzer)“ zurück nach Rostock. Neben dem Auto spielte der Fahrtwind mit einer herausgehängten Sowjetfahne. Der konkrete Grund des kommunistischen Aufzuges in Ribnitz ist nicht bekannt. Vielleicht galt es, auch in der Fläche Präsenz zu zeigen. Motiviert durch ein Gefühl neugewonnener Stärke. Denn bei den letzten Landtagswahlen im Februar 1924 konnte die KPD ihre Stimmenanzahl verdreifachen und saß mit neun Abgeordneten (von 64) im Schweriner Landtag. Ein Wahlergebnis, das noch von den bitteren Erfahrungen während der Hyperinflation geprägt war. Mehr Sitze sollte die KPD nie wieder erreichen.

Jan Berg

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