Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Hochzeitsfotos geben Rätsel auf

Semlow/Stralsund Hochzeitsfotos geben Rätsel auf

Schloss-Kulisse führt nach Semlow / Bilder stammen vom Fotografen Richard Zitzow, der sein Atelier in Stralsund am Apollonienmarkt 16 hatte – heute sitzt hier die OSTSEE-ZEITUNG der Hansestadt

Semlow/Stralsund. Viele kennen das – man findet ein altes Foto und fragt sich, welche Geschichte dahinter steckt. So ging es Anfang 2012 auch Willi Mantow aus Hameln, der dem Stadtarchiv Stralsund drei historische Hochzeitsfotos übergab, die fast siebzig Jahre in einem Pappkarton schlummerten. Sein Großvater war bis 1925 Verwalter auf den Gütern Plennin und Wohsen, die zur Gutsherrschaft Semlow der Grafen von Behr-Negendank gehörten. Und der Hamelner hatte das Gefühl, dass diese Fotos etwas mit dieser adligen Familie zu tun hatten...

OZ-Bild

Schloss-Kulisse führt nach Semlow / Bilder stammen vom Fotografen Richard Zitzow, der sein Atelier in Stralsund am Apollonienmarkt 16 hatte – heute sitzt hier die OSTSEE-ZEITUNG der Hansestadt

Zur Bildergalerie

Die alten, unbeschrifteten Aufnahmen hatte der Großvater von der „Hohen Herrschaft“ erhalten. Wo die Fotos entstanden waren, und wer auf den Abbildungen zu sehen ist, wusste Willi Mantow zum damaligen Zeitpunkt nicht. Nur der Fotograf war bekannt. Der Stralsunder Richard Zitzow, der um 1920 ein Atelier am Neuen Markt 1 besaß, hatte die Fotos geschossen. „In den 50er-Jahren war das Fotostudio Zitzow, das damals Eleonore Reckow führte, am Apollonienmarkt 16, heute Sitz der Lokalredaktion der OSTSEE-ZEITUNG, zu finden“, weiß Dr. Andreas Neumerkel aus dem Stralsunder Stadtarchiv.

„Kürzlich meldete sich Willi Mantow wieder. Durch Zufall hatte er den Ort erkannt, an dem die Fotos aufgenommen wurden. Er meinte: Die Bilder wurden in den 20er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor der großen Eingangstür des Schlosses Semlow gemacht“, berichtet Dr. Neumerkel und ergänzt: „Und auf einem der Fotos, so der Hamelner, wären Ilse Hyma Maria Gräfin von Behr-Negendank und Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar zu sehen. Wir im Stadtarchiv begannen zu recherchieren und wurden unter wesentlicher Mithilfe der Grafen Guido und Rochus zu Lynar auch fündig.“ Auf allen drei Hochzeitsbildern sind Töchter von August Ludwig Friedrich Hugold Karl Graf von Behr-Negendank (1866 bis 1942) und seiner Ehefrau Cecilie Rosalie Mary Henriette Wilhelmine Gräfin Behr-Negendank, geborene von Maltzahn (1873 bis 1960) zu sehen. „Die Gräfin hatte fünf Töchter und einen Stammhalter zur Welt gebracht. Damals durften die Töchter natürlich nur einen Adligen heiraten. Heute wird das ja nicht mehr so streng gesehen“, sagt der Archiv-Mitarbeiter.

Ursula Magdalene Elisabeth Ehrengard Elma Gräfin von Behr-Negendanck (1897 bis 1986) heiratete am 28. April 1922 Karl Werner Ferdinand Graf Finck von Finckenstein (1885 bis 1972). Auf dem Hochzeitsfoto präsentiert sich der Ehegatte in Gala-Uniform, die noch in den 20er- Jahren von ehemaligen Weltkriegsoffizieren zu besonderen Anlässen getragen wurde. „Die Braut heiratete natürlich ganz in Weiß, wobei das Kleid aber ziemlich schlicht erscheint. Übrigens hat sich der Enkel Karl-Wilhelm Graf Finck von Finckenstein nach der Wende in Semlow als Landwirt niedergelassen“, berichtet Andreas Neumerkel.

Auf dem zweiten Hochzeitsfoto sind Elma Elisabeth Cecilie Asta Gräfin zu Behr-Negendank (1895 bis 1971) und Carl Friedrich Erich Walter von der Groeben (1891 bis 1943) zu sehen, so die Recherchen des Stralsunder Archivs. Sie heirateten am 6. Mai 1920 in Semlow.

Die von der Groebens gehörten ursprünglich zum Uradel des Erzstifts Magdeburg und gelangten dann von der Mark Brandenburg nach Ostpreußen. „Wie Christian Graf von der Groeben mitteilte, entstammte der Ehegatte der Ludwigsdorfer Linie. Der Ort gehört heute zu Polen und heißt Lodwigowo. Carl Friedrich von der Groeben brachte es in der Armee bis zum Oberst und starb nach der Schlacht bei Stalingrad in sowjetischer Gefangenschaft“, so Neumerkel im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 58-jährige Historiker erklärt weiter: „Das Paar hatte zwei Söhne. Carl August verstarb jedoch schon im Kindesalter, Walter Georg Aurel 1944 als Fahnenjunker-Unteroffizier nach einer Verwundung.“

Ilse Hyma Maria Gräfin von Behr-Negendank (1898 bis 1984) und Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar (1899 bis 1944) traten am 3. Mai 1923 vor den Traualtar. Die preußische Adelsfamilie Lynar hatte ihren Ursprung in Italien. Ein Zweig ließ sich in Lübbenau nieder. Diesem entstammte der Bräutigam, der im Zweiten Weltkrieg Adjutant des Generalfeldmarschalls Erwin von Witzleben war. „Das ist deshalb interessant, weil Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar zum Ring der Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte.

Am 29. September 1944 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilte und noch am gleichen Tag in Plötzensee hingerichtet.“ Das Schloss Lübbenau gelangte übrigens nach der Wende wieder in den Besitz der von Lynars. Enkel Rochus von Lynar führt dort ein Hotel.

Graf-Finckenstein-Enkel lebt in Semlow

Karl-Wilhelm Graf Finck von Finckenstein war nach der Vertreibung seiner Familie zu Kriegsende 1986 das erste Mal in Semlow. Sofort habe er sich hier wohlgefühlt, sagte er in einem früheren Gespräch mit der OZ.

1992 kam er ins Dorf seiner Vorfahren zurück und wagte als junger Mann den Weg in die Selbstständigkeit. Bei Schmied Volkmann wohnte er zur Miete.

Mittlerweile konnte er seinen Betrieb in der Region etablieren, in dem heute sieben Angestellte beschäftigt sind. Auf 1100 Hektar werden Getreide, Raps und Zuckerrüben angebaut.

Auf dem Boden seiner Vorfahren hat er das schöne Herrenhaus in warmen gelblichen Farben wieder erstrahlen lassen.

Der Graf wollte aber nicht nur im Dorf leben, sondern sich auch für die Menschen hier engagieren. So ist er im Dorf aktiv – sowohl als stellvertretender Bürgermeister in der Gemeindevertretung als auch als Mitglied im Kirchgemeinderat. „In den vergangenen Jahren hat sich das Dorfbild verschönert durch den Fleiß der Menschen und Dorferneuerungsprogramme“, hebt er hervor.

Während sich Karl-Wilhelm Graf Finck von Finckenstein vor allem um den Landwirtschaftsbetrieb kümmert, führt Ehefrau Heike (46) den Haushalt, bewirtschaftet den Garten und versorgt die Tiere, acht Katzen, zehn Pferde, zwei Hasen und 19 Tierschutzhunde, die sie zur Pflege aufgenommen hat. Manchmal kommen auch Tiere dazu, die der Graf bei der Jagd aufgreift.

2 Söhne gehören zur Grafenfamilie in Semlow. Johannes (12) scheint in die Fußstapfen des Vaters zu steigen. „Bei der Ernte ist er schon dabei“, sagt Vater Karl-Wilhelm. „Auch zur Jagd begleitet er mich oft.“ Und der 10-jährige Florian sei so ein bisschen der Schöngeist, der gern im Stall bei den Tieren mithilft, ergänzt Mutter Heike.

Die Grafenfamilie wird wegen ihrer Bodenständigkeit und Freundlichkeit von den Semlowern geschätzt.

Ines Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ribnitz-Damgarten
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Leserbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.