Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Im Sommer wieder unter rotbraunen Segeln

Barth Im Sommer wieder unter rotbraunen Segeln

Eigner lässt 135 Jahre altes Zeesboot in Barther Werft erneuern - Besatzung packt mit an.

Voriger Artikel
Alkohol am Steuer: Führerschein weg
Nächster Artikel
Schwarzfahrer verursacht Unfall mit zwei Verletzten

Florian Ludwig, Wolf-Thomas Liebetrau, Bootsbauer Rayk Pieplow und Judith Liebetrau am fast neuen Heck der „Rümdriwer“.

Quelle: Volker Stephan

Barth. Das Zeesboot „Rümdriwer“ ist das zweitälteste seiner Art, das noch unter Segeln steht. 2017 wird es 135 Jahre alt. Grund genug für eine Rundumüberholung.

Gefischt hatten mit der „Rümdriwer“ außer Heinrich Bauer aus Bodstedt (Vorpommern-Rügen) auch sein Sohn Robert Bauer und sein Enkel Hellmuth „Müther“ Bauer, der vor wenigen Monaten im Alter von 84 Jahren verstorben ist. 1970 hatte sich der Bodstedter Fischer aber von seiner „Rümdriwer“ getrennt und sie für den damals schon stolzen Preis von 8000 Mark an Wolf-Thomas Liebetrau und dessen Studienkameraden verkauft. Als sich die beruflichen Wege der beiden Eigner 1972 trennten, übernahm Wolf-Thomas Liebetrau das Boot als alleiniger Eigner. Längst hatten sich auch die technischen Mängel des Oldtimers, der damals schon seit 90 Jahren auf den Bodden segelte, bemerkbar gemacht.

Tochter und Sohn wollen Boot weiterbetreiben

Wolf-Thomas Liebetrau, als junger Marineoffizier nach Peenemünde versetzt, entschloss sich, das in der Stralsunder Dinse-Werft untergestellte Zeesboot in seiner Freizeit in Eigenleistung zu restaurieren. 1987 konnte er es dank der Unterstützung durch ein Schiff des seehydrographischen Dienstes nach Peenemünde überführen, wo er die Restarbeiten erledigte. In Peenemünde hat das alte Zeesboot bis heute seinen festen Liegeplatz.

Obwohl Wolf-Thomas Liebetrau (68) seinen Wohnsitz aus beruflichen Gründen bereits vor Jahren in seine alte Heimat Thüringen verlegt hat, steht das Boot immer noch im Mittelpunkt des Familienlebens. „Meine Tochter Judith (36) und mein Sohn Andreas (38) wollen es behalten und zukünftig weiterbetreiben“, freut er sich. Sogar Judiths Freund Florian Ludwig (36) hat sich schon von der Begeisterung anstecken lassen.

Letzte Generalüberholung liegt 30 Jahre zurück

Bevor die Familienbesatzung in diesem Jahr zum ersten Mal die rotbraunen Segel setzen kann, hat sie noch ein umfangreiches, über das gewohnte Maß hinausgehendes Arbeitspensum zu bewältigen. 30 Jahre nach der allein bewältigten Generalüberholung war ein Werftaufenthalt beim Bootsbaumeister Nils Rammin in Barth (Vorpommern-Rügen) unumgänglich geworden.

Anlass sei eigentlich der Wechsel des altgedienten Schönebecker Dieselmotors 2 MVD14 gegen einen neuen Craftsman 64 PS gewesen. „Wenn schon eine neue Maschine im Achterschiff eingebaut wird, muss in diesem Bereich auch gleich der Rumpf in Ordnung gebracht werden – später kommt man an Steven, Spanten und Planken nicht mehr so bequem heran“, erklärte der Eigner den Hintergrund.

Wie vorausschauend seine Entscheidung war, zeigte sich im Lauf der Bootsbauarbeiten: Das gesamte Plankengefüge hatte durch die Motorenvibrationen seine Festigkeit eingebüßt und war dadurch undicht geworden. Viel altes Holz musste deshalb erneuert werden, so auch der massive Achtersteven. „Es war sogar eine Planke dabei, die so alt wie das Boot gewesen sein muss. Zur Bauzeit, als es noch keine Bootsmotoren gab, befand sich der Fischkasten nämlich achtern. Und in jener Planke fanden wir die zugepfropften Löcher für das Frischwasser“, berichtete der Eigner. Drei Spanten im Vorschiff stammten vermutlich ebenfalls aus der Bauzeit.

Mit altem Motor weicht ein Stück Tradition

Etwas traurig über den Ausbau des alten Motors war er schon: „Er ist ja ebenfalls ein Traditionsstück. Aber für den Umweltschutz sind wir diesen Kompromiss eingegangen. Müther fuhr übrigens den gleichen Motorentyp, jedoch auf Deutz-Basis“. Unter der Regie von Müther Bauers Vater Robert habe es 1949 schon einmal eine große Instandsetzung gegeben, damals habe „Rümdriwer“ eine neue Kappe, eine neue Sohle und etliche neue Planken erhalten.

Die Besatzung hat sich während der Osterwoche mit der „Rümdriwer“ beschäftigt, vorwiegend mit dem Abschleifen alten Lacks und dem Abkratzen des Unterwasseranstrichs – eigentlich keine Arbeit für Frauen. „Das macht mir nichts aus, ich erledige das jedes Jahr“, versicherte Judith Liebetrau. Und Florian Ludwig freut sich schon auf den Segelsommer: „Erste Regattaerfahrungen habe ich 2015 in Bodstedt erwerben können, letztes Jahr bin ich bei der Überführung nach Barth dabei gewesen.“

Wenn die Bootsbauer mit der Instandsetzung des Rumpfes fertig sind, soll die „Rümdriwer“ erneut eine neue Kappe (Vorderkajüte) erhalten. Wolf-Thomas Liebetrau rechnet mit vierwöchigen Restarbeiten und der Überführung seines Zeesbootes nach Peenemünde im Frühsommer. „Ich hoffe, dann ein paar Jahre Ruhe zu haben und das Segeln genießen zu können.“

Volker Stephan

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ribnitz-Damgarten
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Leserbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.