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Ins Herz geschlossen weit weg von zu Hause

Ribnitz-Damgarten Ins Herz geschlossen weit weg von zu Hause

Eine Familie aus Ribnitz-Damgarten hat seit 2012 drei Gastschüler aufgenommen / Ende Juni reist Sara Perovic aus Serbien nach elf Monaten wieder ab / Ein schwieriger Abschied

Ribnitz-Damgarten. Der 27. Juni wird ein schwieriger Tag für die Kollingers aus Ribnitz-Damgarten. Dann wird ein geliebtes Mitglied der Familie verabschiedet.

„Wir waren von Anfang an ein Team. Wir haben sie richtig ins Herz geschlossen“, sagt Marco Kollinger. Der 41-Jährige wirkt ein bisschen gerührt, als er diese Worte sagt und dabei Sara anschaut. Sara Perovic war in den vergangenen fast elf Monaten als Austauschschülerin unter dem Dach der vierköpfigen Ribnitz Familie zu Hause. Die 16-Jährige kommt aus Belgrad in Serbien und hat über Austauschprogramm Youth for Understanding Ribnitz-Damgarten, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland kennen gelernt. Ende Juni geht es zurück in die Heimat.

Aufgrund ihrer serbischen Familiengeschichte wird auch Sara Perovic ihren Gastvater ebenfalls sehr vermissen. Ihren leiblichen Vater habe sie nach ihrer Geburt nur einmal gesehen. „Es ist schön, dass ich hier einen Vater habe“, sagt die 16-Jährige.

Von Anfang an habe sich die Familie, also Vater Marco, Mutter Manuela, der 17-jährige Sohn Mattes und die zehnjährige Tochter Marielle, sehr gut mit ihrer Gasttochter verstanden. Gleichwohl: „Bei einer Familie zu wohnen, die man nicht kennt, ist am Anfang schon ungewohnt“, sagt Sara Perovic. Und so ganz einfach war der Start auch nicht. „Am Anfang war sie sehr viel bei uns“, sagt Manuela Kollinger. Es habe ein wenig gedauert, bis sie mit Mitschülern warm wurde und Freunde fand. „Dann wurde es aber ein Werdegang wie gewünscht.“

Vor allem, um ihre Deutschkenntnisse aufzubessern, kam sie an die Ostseeküste. In ihrem Heimatland lernte sie Deutsch als zweite Fremdsprache, später möchte sie einmal in Deutschland studieren. „Aber ich habe hier so viel mehr erlebt“, sagt Sara Perovic.

Dazu gehören vor allem die Freundschaften zu anderen Jugendlichen. Mit wachsendem Selbstvertrauen wurde die 16-Jährige langsam flügge, besuchte Partys, Filmabende und vieles mehr. „Ich bin hier selbstständiger geworden“, sagt Sara Perovic, die schon ein bisschen traurig ist. „Wenn es am besten ist, ist Schluss“, sagt sie.

Gleichwohl war es auch schwer, die eigene Familie für diese Zeit zu verlassen. „Es ist schwer, ich habe sie so lange nicht gesehen.“ Einmal kam ihre Familie aus Belgrad nach Berlin, verbrachte mit Sara eine Woche in Deutschland. „Danach war das Heimweh eigentlich noch größer als vorher.“

Am Richard-Wossidlo-Gymnasium geht die 16-Jährige zur Schule. „Die Lehrer haben mir sehr geholfen“, sagt sie. Und die Noten seien mit einem Einser-Schnitt die besten ihrer Klasse. Und glücklicherweise muss sie in Serbien auch keine Klasse wiederholen, um ihr Abi zu machen. Das Zeugnis aus Deutschland wird vorgeschickt, um anerkannt zu werden.

Für Familie Kollinger war es bereits das dritte Austauschkind seit 2012. Ein Kolumbianer und eine Rumänin waren vor Sara zu Gast in Ribnitz. „Zu DDR-Zeiten hatten wir diese Möglichkeiten nicht. Wir möchten jetzt über den Tellerrand schauen und jungen Menschen diese Möglichkeit ebenfalls geben“, sagt Marco Kollinger. Jedes der drei Kinder hätten sie ins Herz geschlossen. „Sie sind wie eigene Kinder, wenn es gut läuft. Und es lief gut.“

Negative Erlebnisse seien glücklicherweise selten. Der kolumbianische Gastschüler beispielsweise sei am Ribnitzer Bahnhof einmal rassistisch angegangen worden. Manchmal hätten auch Menschen aus dem Umfeld weniger Verständnis für das Engagement der Familie gezeigt.

Doch die Kollingers sind überzeugt, „das ist eine gute Sache“. Und vor allem die Kontakte in alle Himmelsrichtungen, die daraus entstanden sind, seien Gold wert. Deshalb werden die Kollingers nun erstmal keine Austauschschüler mehr aufnehmen. „Wir wollen jetzt die Beziehungen, die entstanden sind, aufrechterhalten“, sagt Manuela Kollinger. Heißt auch, dass der eine oder andere Gegenbesuch anstehen dürfte, wenn Sara Perovic wieder in Belgrad lebt.

Die Aussicht darauf dürfte den Tag des schweren Abschieds für alle erleichtern.

Robert Niemeyer

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