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Kasse zahlt nicht für vierbeinige Helfer

Rostock Kasse zahlt nicht für vierbeinige Helfer

Petra Behrendt ist an der Nervenkrankheit ALS erkrankt / Goldenretriever „Skipper“ soll ihr den Alltag erleichtern

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Der Golden Retriever „Skipper“ bringt seinem baldigen Frauchen Petra Behrendt die Fernbedienung. Noch wird der Hund ausgebildet. FOTOS: Johanna Hegermann

Rostock. Es fing damit an, dass Petra Behrendt keine Hackenschuhe mehr tragen konnte. Heute sitzt die 55-Jährige aus Lütten Klein im Rollstuhl. Die Diagnose: ALS. „Das steht für Amyotrophe Lateralsklerose“, erklärt Petra Behrendt. Die Ursache für diese Nervenkrankheit ist bisher unbekannt. Nur eines ist sicher: Sie ist nicht heilbar.

OZ-Bild

Petra Behrendt ist an der Nervenkrankheit ALS erkrankt / Goldenretriever „Skipper“ soll ihr den Alltag erleichtern

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Millionen Menschen machten auf ALS aufmerksam

Eine Pflegekraft

hat Feierabend,

ein Assistenzhund

jedoch nicht.Astrid Ledwina

Vorsitzende Rehahunde Deutschland

„Ich habe noch Glück, meine Krankheit schreitet nicht so schnell voran. Aber ich muss weiterdenken“, sagt die gebürtige Berlinerin. Sie ist auf Hilfe angewiesen. Hilfe, die ihr vor allem ein Assistenzhund bieten kann. Ihren „Skipper“, ein Golden Retriever, durfte Petra Behrendt zwar schon kennenlernen. Doch dieser wertvolle Hund kostet 28000 Euro. Die Krankenkasse übernimmt diese Kosten allerdings nicht.

Seit fünf Jahren hat Petra Behrendt Symptome, seit diesem Jahr ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich habe Pflegestufe 1 und prüfe derzeit eine Erhöhung“, sagt Behrendt. „Die Pflegekraft kommt zwei Mal in der Woche, ansonsten bin ich meist allein.“ Wenn etwas runterfällt, muss es meist liegen bleiben. Denn nicht alles kann sie mit dem etwas unhandlichen Greifer fassen. „Vor allem nicht, wenn der Greifer auf dem Boden liegt.“

Ein Hund als Alltagshilfe

„Eine Pflegekraft hat Feierabend, ein Tier nicht“, erklärt Astrid Ledwina vom Verein Rehahunde-Deutschland. Sie ist auch für die Ausbildung von „Skipper“ verantwortlich. 24 Stunden sei der Hund für seinen Patienten da, muntere ihn auf, und das alles ohne Zeitdruck. Doch durch ihr Training sind sie noch zu mehr imstande. „Sie ziehen Socken aus, nehmen Gegenstände vom Boden auf, können Spastiken lösen, öffnen Türen und Schubladen oder holen im Notfall Hilfe“, zählt Ledwina einige Beispiele auf. Auch Petra Behrendt ist sich sicher: „Man übernimmt Verantwortung und das lenkt massiv vom eigenen Leiden ab.“ Gerade im Winter erhofft sie sich Hilfe beim Ausziehen der Winterjacke, da auch die Kraft in ihren Armen auch nachlassen wird. „Die Heilkraft der Tiere ist nicht zu unterschätzen“, betont Behrendt. Aber diese Heilkraft ist nicht kostenlos.

Kosten nicht zu unterschätzen

Doch obwohl die vierbeinigen Helfer den Alltag vereinfachen können, zahlen die Krankenkassen nicht. „Ich kenne keinen Fall, bei dem es geklappt hat. Aber viele haben darauf gehofft hat“, erklärt Astrid Ledwina. Der stolze Preis sei gerechtfertigt. „Wir müssen die Welpen zunächst von einer Züchterin mit ruhigen, ausgeglichenen Tieren ankaufen“, beschreibt sie. Ab dem Moment übernimmt eine Patenfamilie das Tier für ein Jahr, wobei der Verein das Futter, die Tierarztkosten und einen Trainer zahlt. „Nicht alle Hunde werden Therapiehunde, einige werden nach dem Jahr auch an normale Familien vermittelt“, erklärt der Vorsitzende. Die geeigneten Vierbeiner werden weiter trainiert. Sie könnten je nach Talent als Epilepsie-, Diabetis-, Therapie- oder Assistenzhunde ausgebildet werden. „Bevor sie in ihrem neuen Zuhause helfen, gibt es dann eine Zusammenschulung.“ Hier könnten sich Hund und neues Herrchen bzw. Frauchen erst einmal beschnuppern und die wichtigsten Kommandos gemeinsam trainieren.

Spendenbereitschaft gering

Obwohl der Rehahunde-Verein seinen Sitz in MV hat und die Vorsitzende ursprünglich aus Warnemünde stammt, sei Petra Behrendt der einzige Fall in Rostock, der sie einen Assistenzhund vermittelt habe. „Die Spendenbereitschaft ist hier einfach zu gering, vor allem wenn es um Erwachsene geht“, sagt Ledwina. Es sei schwer, Förderungen zu bekommen. Auch bei der Rostockerin würde man wieder vor dem Problem der Bezahlung stehen. „Sie ist aber eine Powerfrau, die sich sehr für uns und für sich engagiert, damit wir das Geld für Skipper zusammenbekommen.“ Behrendt ist sich sicher, dass sie das irgendwie schaffen wird. „Geht nicht gibt es nicht. Man muss dafür kämpfen“, sagt die 55-Jährige. Genau mit dieser Einstellung tritt sie auch ihrer Krankheit entgegen. „Ich lasse sie einfach nicht an mich heran.“

ALS steht für Amyothrophe Lateralsklerose.

Es ist eine fortschreitende Schädigung der

Nervenzellen, die zu

einer Lähmung der

Muskulatur bis hin zum Muskelschwund führt. Es kommt unter anderem zu Gang-, Sprech- und Schluckstörungen, eingeschränkter Koordination und Schwäche der Arm- und Handmuskulatur. Der Schwerpunkt der Therapie liegt auf einer Linderung der Symptome. ALS ist nicht heilbar.

Bekannt wurde die Krankheit durch die

Internetaktion „Ice

bucket challenge“ im Sommer 2014. Mehrere Millionen Menschen

haben sich einen Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf gekippt, um auf die Krankheit aufmerksam zu

machen und um für

die Erforschung Geld zu spenden.

Der Verein Rehahunde Deutschland wurde

vor zehn Jahren von Astrid Ledwina gegründet. Mittlerweile ist er deutschlandweit aktiv.

Weitere Informationen im Internet unter www.rehahunde.de

Johanna Hegermann

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