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Katholiken vereinen fünf Pfarreien

Ribnitz-Damgarten/Rostock Katholiken vereinen fünf Pfarreien

Erzbistum Hamburg gründet „Herz Jesu“ in Rostock / Eine Pfarrei für 11500 Gläubige in der Region

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Ribnitz-Damgarten/Rostock. Reform aus Personalmangel: Der katholischen Kirche gehen die Priester und Gemeindereferenten aus. Deshalb fasst das Erzbistum Hamburg kleine Pfarreien zu großen, sogenannten pastoralen Räumen zusammen. Der erste von künftig acht in Mecklenburg wird am 30. Oktober mit einem Gründungsfest in Rostocks Christuskirche aus der Taufe gehoben: „Herz Jesu“

heißt die neue Pfarrei, der fortan die bisherigen Pfarreien in Rostock-Evershagen, der Rostocker Innenstadt, Bad Doberan, Ribnitz-Damgarten und Tessin angehören. Sie eint damit knapp 11500

Katholiken, die im Gebiet von Neubukow bis Gnoien leben.

Mit der Strukturreform wollen die Katholiken auch ihre Verwaltung verschlanken und Kosten einsparen. Grund: Die Einnahmen aus der Kirchensteuer, mit denen Gebäudeinstandhaltung und Mitarbeiter bezahlt werden, gehen seit Jahren zurück. „Wir spüren den demografischen Wandel sehr“, erklärt Pfarrer Ulrich Karsten, der „Herz Jesu“ leiten wird. Vor allem auf dem Land sinken die Mitgliedszahlen, und dass nicht nur altersbedingt. „Unser größtes Sorgenkind sind die Kirchenaustritte“, sagt der 65-Jährige. Aktuell gebe es etwa 53000 Katholiken in MV, nach der Wende seien es nahezu doppelt so viele gewesen, ergänzt Bistumssprecher Martin Innemann.

Die Reform sei nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Chance, betont Andreas Meindl von der Caritas Rostock. Durch die Bündelung der Pfarreien würden deren kirchliche Akteure wie katholische Schulen, Kitas oder Pflegeheime besser miteinander vernetzt. Außerdem sollen große Gemeinden kleineren stützend zur Seite stehen, fügt Magdalena Handy von der St. Thomas Morus-Gemeinde hinzu.

Für die Kirche sei es eine große Aufgabe, trotz Reform und Personalnot auch in Zukunft in der Fläche präsent zu sein, sagt Pfarrer Karsten. „Dort, wo keine Begegnung mehr stattfindet, werden Bindungen gelöst.“ Deshalb sehe er das binnen vier Jahren erarbeitete Pastoralkonzept nicht unkritisch. „Aber wir gehen den Weg nicht, weil wir ihn als ideal ansehen, sondern weil wir auf die Zeichen der Zeit reagieren müssen.“ Er hofft auf die Hilfe der Gläubigen. „Unsere Kirche besteht nicht nur aus Hauptamtlichen. Sie lebt vom Ehrenamt.“ In Rostock engagieren sich derzeit etwa 300

Freiwillige. Ziel sei es, mehr Laien zu gewinnen, die kirchliche Angebote wie Krankenbesuche im Seniorenheim oder die Leitung eines Chors übernehmen.

Der Zusammenschluss zu Großpfarreien bringt sowohl für Gläubige als auch Geistliche Einschnitte mit sich. Letztere werden flexibel und meist themenbezogen eingesetzt. Sie sind dann zum Beispiel nicht mehr nur für Firmungen in einer, sondern in mehreren Kirchen zuständig. Manche Gemeinde muss künftig auf einen ständig vor Ort präsenten Hauptamtlichen verzichten. Auch im Pastoralen Raum Rostock werden Gottesdienste deshalb wohl neu organisiert. Sonntagsmessen könnten künftig im 14-Tage-Rhythmus angeboten, auf andere Tage oder Uhrzeiten verlegt oder von einem Ehrenamtler oder Ruheständler statt eines aktiven Priesters abgehalten werden, sagt Ulrich Karsten. Die bisherigen Pfarreien bleiben als Gemeinden gleichberechtigt zum neuen „Pastoral-Hauptsitz“ in Rostock. Es werde nicht in Pfarr- und Filialkirchen unterschieden, betont Karsten. Einen Schwerpunkt setzt die neue Großpfarrei „Herz Jesu“ auf die Seelsorge für Kinder, Jugendliche, Senioren und Touristen. Dafür seien Stellen geschaffen worden.

Festgottesdienst mit Erzbischof Stefan Heße: 30. Oktober, 10 Uhr, Christuskirche Rostock.

Aus fünf wird eins

8 Pfarreien statt bisher 23 sollen durch die Strukturreform in Mecklenburg entstehen. Der neuen Pfarrei „Herz Jesu“ gehören die bisherigen Pfarreien in Bad Doberan, Ribnitz-Damgarten, Tessin, Rostock-Evershagen und in der Rostocker Innenstadt an. In diesem sogenannten Pastoralen Raum Rostock leben aktuell rund 11520 Katholiken (knapp drei Prozent der Bevölkerung), etwa 1700 davon besuchen den Sonntagsgottesdienst.

Antje Bernstein

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