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Kleinbahn brachte die Milch nach Damgarten

Ribnitz-Damgarten Kleinbahn brachte die Milch nach Damgarten

Privatmolkerei war einst eine Größe / Im Zweiten Weltkrieg wurde der Frühzug schließlich zu einem Politikum

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Die Dampfmolkerei Damgarten vor 1935. Sammlung: Jan Berg

Ribnitz-Damgarten. Dem Beispiel der Nachbarstadt Ribnitz folgend, fuhr auch in Damgarten ab Januar 1929 ein Milchwagen durch die Straßen, um Milch und andere Molkereiprodukte der hiesigen Molkerei feilzubieten. Man war sich sicher, dass diese Neuerung gerade „von den Hausfrauen sehr begrüßt werden (würde), zumal wenn kleine Kinder im Hause sind, die der Wartung bedürfen“.

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Die Damgartener Molkerei wurde um 1890 („nach der Eröffnung des Bahnhofs“) gegründet. Nach wirtschaftlich turbulenten Jahren entwickelte sich die Dampfmolkerei unter Leitung von Emma Ahrens in den 1930er Jahre zur größten Privatmolkerei im Kreis Franzburg-Barth. Nur die Genossenschaftsmolkereien, zum Beispiel in Barth, verarbeiteten größere Mengen Milch. Emma Ahrens trug die Verantwortung für das Unternehmen ab Januar 1928 allein. Ihr Mann war verstorben. Dem geschäftlichen Erfolg tat dies keinen Abbruch. Die Dampfmolkerei bezog ihre Milch von den Bauern in Damgarten, Kückenshagen, Langendamm, Saal, Hermannshagen, Hessenburg, Langenhanshagen, Altenwillershagen, Tempel, Behrenshagen, Daskow und Dettmannsdorf. Anfang der 1940er Jahre erfolgte die Anlieferung der frischen Milch aus den Orten Kückenshagen, Saal, Hermannshagen und Hessenburg mit der Kleinbahn. Auf diesem Transportweg erreichten 1941 etwa 2700 Kilogramm Vollmich die Molkerei. Für die 800 kg Milch aus Langenhanshagen wurde die Reichsbahn genutzt. Die Bauern aus Altenwillershagen brachten ihre Milch als einzige mit dem Traktor nach Damgarten. Dieser transportierte jährlich bis zu 3200 kg Milch.

Alle anderen Bauern lieferten die Milch mit Pferdefuhrwerken an. Deren Milchmenge belief sich auf 6700 kg jährlich.

Im Sommer 1942 wurde beabsichtigt, um kriegswichtiges Rohöl zu sparen, den Milchtransport im Kreis gänzlich vom Lkw auf die Schiene zu verlagern. Weil bisher ein Teil der Milch für die Barther Molkerei per Lkw transportiert wurde, übernahm dies zukünftig die Kleinbahn. Dieser Wandel hatte zur Folge, dass sich die Fahrzeiten der Kleinbahn nach Damgarten deutlich nach hinten verlagerten. Der Frühzug von Barth nach Damgarten sollte entfallen. Dies bedeutete, dass die Milch nicht vor 9.30 Uhr in Damgarten wäre. Mit diesen Plänen konnte sich Emma Ahrens gar nicht zufriedengeben, weil eine verspätete Milchlieferung „aus betriebswirtschaftlichen Gründen unmöglich (sei)“. Dies würde den Kundenwünschen nicht gerecht werden und gefährde die Qualität. Ahrens wandte sich mit Nachdruck an den Landrat des Kreises. Seitens der Pommerschen Landesbahnen galt Ahrens schnell als Querulantin, die „sich gutwillig nicht auf 10 Uhr einlassen will“. Die Barther Genossenschaftsmolkerei hatte keine Einwendungen gegen die veränderten Zeiten. Um den Druck auf die Damgartener Molkerei weiter zu erhöhen, wurde neben der Kreisbauernschaft auch der Milch- und Fettwirtschaftsverband hinzugezogen. Ein Blick auf den Fahrplan vom Oktober 1942 verdeutlicht, dass sich Emma Ahrens dem politischen Willen beugen musste. Die Kleinbahn traf um 9.23 Uhr am Haltepunkt Bahnhof ein.

Jan Berg

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