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Klockenhäger wurde von einer Tanne erschlagen

Ribnitz-Damgarten Klockenhäger wurde von einer Tanne erschlagen

Im Februar 1882 ereignete sich im Ribnitzer Stadtforst ein tragischer Unglücksfall

Ribnitz-Damgarten. Seit alters her konnte die Stadt Ribnitz auf den Holzbestand ihres Stadtwaldes zurückgreifen. Die Ribnitzer Stadtforst setzte sich dabei im Wesentlichen aus zwei Waldgebieten zusammen: der größeren Ribnitzer Heide (um 1900: 494 Hektar) und dem kleineren Waldgebiet „Deckbusch“ bei Körkwitz (um 1900: 40 Hektar). Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jährlich zwischen 1500 und 4400 Tannen als Bauholz gefällt. Hinzu kamen viele Raummeter Holz für Zaunpfähle, für Brückenbohlen, für Rüstbäume, als Schleete oder Bohnenstangen. In der Regel erwirtschaftete die Stadtforst einen Überschuss. 1877 waren es etwa 11 000 Mark, in den 1890er Jahren jeweils um die 5.700 Mark. Doch erst allmählich wurde den Handelnden bewusst, dass man Raubbau betrieb und lenkte im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft ein.

Den winterlichen Holzeinschlag führten städtische Arbeiter in Zusammenarbeit mit Büdnern und Einliegern aus den angrenzenden Dörfern durch. Neben einem Barlohn erhielten die städtischen Forstarbeiter einen Teil ihres Lohns zunächst in Form von Holz, dem so genannten Deputat. Sie verdienten, ebenso wie ihre Kollegen der großherzoglichen Forst, im Jahr 1906 täglich 1,50 Mark. Hinzu kamen drei Raummeter Holzdeputat. Die großherzogliche Forst zeigte sich hingegen beim Deputat spendabler und ermöglichte einen Holzzukauf für den halben Verkaufspreis. Dies sorgte bei den städtischen Arbeitern für Unmut und mündete in der Forderung, ihnen acht weitere Raummeter Kiefernknüppel zum halben Preis zu überlassen. Der Magistrat zeigte sich dem Vorschlag gegenüber zugänglich. Die Stadtvertretung lehnte es jedoch ab und stoppte in diesem Zusammenhang die Lieferung von Deputatholz rückwirkend zum 1. Januar 1906. Stattdessen wurden die Bezüge derjenigen Forstarbeiter erhöht, „die dauernd im Dienste der Stadt (stehen)“. Die nebenberuflichen Forstarbeiter erhielten weiterhin Deputate. Auch sie verglichen sich mit den großherzoglichen Arbeitern. Während diese sogar eine Wiese nutzen durften, bekamen die Ribnitzer Helfer lediglich Streu und kein Heu. Sie forderten im Sommer 1909 Gleichbehandlung. Der Magistrat reagierte auf die Anfrage jener vier Büdner aus Neuheide sehr schroff:

„(sie) betrachten äußere Forstarbeiten als Nebengeschäft, wollen aber als ständige Forstarbeiter recht viel Geld verdienen, (aber) nur möglichst wenig leisten“. Forderung abgelehnt.

Dass die Arbeit im Wald nicht ungefährlich war, belegt ein tragischer Unglücksfall aus dem Februar 1882. Zu diesem Zeitpunkt schlugen sich neun Arbeiter durch den Wald: drei städtische Arbeiter, ein Büdner, drei Einlieger und zwei in diesem Winter helfende Teerschweler. Es war Mittagszeit und die Arbeiter sammelten sich um ein gemeinschaftliches Feuer. Nacheinander kamen die einzelnen Arbeiter zur Feuerstelle. W. Rath aus Ribnitz suchte nach kurzer Zeit den Klockenhäger Einlieger Christian Wiencke auf, der noch ganz vertieft in das Fällen einer schon schiefliegenden Tanne war. Gegen diese Tanne lehnte zudem ein weiterer Baum, was die Situation gefährlich machte. Ungeachtet ausgesprochener Warnungen arbeitete Wiencke unverdrossen an der Tanne weiter. Er setzte mehrere Hiebe an, um trockene Äste zu entfernen, als sich plötzlich eine Tanne bewegt, unter Knarren und Knarzen zu Boden rast und den Forstarbeiter Wiencke unter sich begräbt. Sofort eilen alle Arbeiter zur Unglücksstelle und finden Wiencke bewusstlos zwischen zwei bereits gefällten Tannen eingeklemmt liegen. Behutsam ziehen sie den Verletzten unter dem Ästen hervor. Schnell wird ein Wagen für den Transport hergerichtet und der Verletzte zu seiner Wohnung gebracht. Ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben, verstirbt Christian Wiencke in der folgenden Nacht. Von einer Tanne erschlagen.

Von Jan Berg

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