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Kürzerer Weg, höhere Kosten

Borg/ Ribnitz-Damgarten Kürzerer Weg, höhere Kosten

Trotz Härtefall- Entscheidung des Gerichts weigert sich der Landkreis, Buskosten für die sechsjährige Helena zu übernehmen.

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Ein neuer Ausschuss des Kreistages soll ab Oktober über die Beförderung von Schulkindern beraten.

Quelle: Foto: Carolin Hinz

Borg/ Ribnitz-Damgarten. Die Bürokratie scheint keine Grenzen zu kennen, wenn es um die Beförderung von Schülern geht. „Eine irrsinnige Geschichte“, leitet Mareen Limpert aus Borg ein und beginnt zu erzählen.

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Trotz Härtefall- Entscheidung des Gerichts weigert sich der Landkreis, Buskosten für die sechsjährige Helena zu übernehmen.

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Ihre Tochter Helena wurde in diesem Sommer eingeschult. Genau wie ihr großer Bruder Florian (9) sollte die Sechsjährige auf die Bauermeisterschule gehen und nicht auf die örtlich zuständige Bernsteinschule. Eine gerichtliche Härtefall-Entscheidung wurde getroffen. Sie ermöglicht beiden Kindern nach langem Hin und Her nun den Besuch der Stadtschule in Ribnitz, denn Mareen Limperts Mutter betreut die Kinder nach der Schule und wohnt in der Nähe der Bauermeisterschule. „Es wäre sehr umständlich und ein langer Fußmarsch für sie und meine Kinder, wenn sie täglich von der Bernsteinschule abgeholt werden müssten. Und mein Mann und ich sind beide voll berufstätig und können nicht einspringen. Jemanden anderen für die Betreuung unserer Kinder haben wir auch nicht“, erklärt die 33-Jährige.

Das sah das Gericht ein und entschied zugunsten der Familie. Christoph Schwerin, der im Landkreis für die Schülerbeförderung zuständig ist, sieht das jedoch anders. „Trotz der gerichtlichen Härtefall-Entscheidung genehmigt er meiner Tochter nicht den Busausweis, weil sie nicht die örtlich zuständige Bernsteinschule besucht.“ Das bedeutet: Ohne den Busausweis muss Familie Limpert aus eigener Tasche für die Buskosten aufkommen. 80 Euro – 40 Euro pro Kind und Monat – sind das monatlich für die etwa fünf Kilometer lange Strecke zwischen Borg und dem Ribnitzer Bahnhof, an dem das Mädchen aussteigt. „Aber das Kuriose kommt erst noch“, erzählt Mareen Limpert weiter. Der Bus halte jeden Morgen zuerst am Ribnitzer Bahnhof, drehe dann eine Runde durch die Stadt und halte erst dann vor der Bernsteinschule. „Das bedeutet, meine Tochter steigt früher aus, nutzt den Bus also weniger – und trotzdem macht das Schülerbeförderungsgesetz keine Ausnahme und übernimmt nicht die Kosten.“

Mareen Limpert sagt, sie sei „fassungslos“. Würde ihre Tochter also eine weitere Strecke mit dem Bus zurücklegen, würde der Landkreis die Buskosten übernehmen weil sie zur örtlich zuständigen Schule fahre. „Außerdem verstehe ich absolut nicht, dass die Härtefall-Entscheidung des Gerichts nicht auch für die Schülerbeförderung anerkannt wird.“

Nach etlichen Telefonaten erfuhr Christoph Schwerin dann auch noch, dass der große Bruder Florian seit vier Jahren sehr wohl einen Busausweis besitzt. „Den nehme ich ihnen auch noch weg“, zitiert Mareen Limpert den zuständigen Mann aus dem Amt. „Dass man sich an Regeln halten muss, kann ich sehr gut verstehen. Aber wir reden hier von einer Strecke von zwei Kilometern die zwischen Bauermeister- und Bernsteinschule liegen und von einer kürzeren Busfahrt . . .“ Für die fünfköpfige Familie bedeuten die monatlichen 80 Euro eine große finanzielle Belastung. „Würden mein Mann und ich nicht arbeiten gehen, würde das Amt die Kosten übernehmen. Einer Familie, in der beide Elternteile volltags arbeiten und die drei Kinder hat, wird das Leben allerdings unnötig schwer gemacht“, findet die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte, die in Rostock beim Studentenwerk arbeitet. „Das macht mich wütend.“

Dass es keine Sonderregelungen gibt, auch wenn eine gerichtliche Härtefall-Entscheidung vorliegt, macht der Sprecher des Landkreises deutlich. Diese Entscheidung betreffe lediglich die Tatsache, dass die Kinder eine nicht zuständige Schule besuchen dürfen, habe aber keine Auswirkungen auf die Beförderung dorthin, teilt Olaf Manzke mit. Familie Limpert müsse also weiterhin für beide Kinder die Fahrtkosten tragen. Nach derzeitigem Stand könne die Familie nicht bezuschusst werden, auch wenn die Kinder den Bus weniger nutzen, als wenn sie zu ihrer zuständigen Schule fahren würden.

„Allerdings hat auch der Kreistag Bauchschmerzen aufgrund des Beförderungsgesetzes“, macht Olaf Manzke cdeutlich. Die Beschwerden über solche und ähnliche Fälle häufen sich. Deswegen soll während der nächsten Kreistagssitzung am 9. Oktober ein Ausschuss gebildet werden, der sich ausschließlich um Probleme wie die der Familie aus Borg kümmert. „Dann wird beraten, wie die Politik künftig mit solchen Fällen umgeht.“ Es gebe also durchaus einen Hoffnungsschimmer am Horizont für Familie Limpert.

Carolin Riemer

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