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Achtung: Kulturelles Überfallkommando

Stralsund Achtung: Kulturelles Überfallkommando

Eine „Riesenchance“ sieht Stefan Hahn (54) in der neu gegründeten Jugendkunstschule Vorpommern-Rügen.

Stralsund. Eine „Riesenchance“ sieht Stefan Hahn (54) in der neu gegründeten Jugendkunstschule Vorpommern-Rügen. „Um gemeinsame Potenziale zu bündeln und viele hundert Kinder im gesamten Landkreis anzusprechen“, wie der Tanzlehrer und Choreograf sagt.

Aus diesem Grund haben sich die drei Stralsunder Vereine Perform(d)ance, STiCer-Jugendtheater und Jugendkunst, die bereits länger kooperieren, jetzt unter einem Dach zusammengetan. Gemeinsam betreiben sie die neue Jugendkunstschule für alle im Landkreis.

„Das ist aber keine klassische Fusion, denn jeder Verein bleibt eigenständig und wird auch weiterhin seine Projekte anbieten“, betont Christian Klette (39) vom Verein Jugendkunst im Speicher Katharinenberg. „Aber wir denken, das wir mit dem Zusammenschluss viel mehr junge Leute im gesamten Landkreis erreichen können“, sagt Klette.

In Zahlen ausgedrückt bietet die neue Jugendkunstschule 53 unterschiedliche Kurse an neun Standorten an. „Sicher sind wir nach wie vor in Stralsund lokalisiert. Hier befinden sich auch alle drei Häuser, aber wir wollen uns einfach stärker im Kreis aufstellen und den Jugendlichen dort Zeit und weite Wege ersparen“, erläutert Hahn. So präsentiert sich die neue Jugendkunstschule auch in Barth, Richtenberg, Velgast, Samtens, Binz, Sagard, Putbus und streckt sogar bis Demmin ihre Fühler aus. Hahn spricht scherzhaft von einem „kulturellen Überfallkommando“ für den Landkreis. „Wir öffnen uns ganz bewusst“, so Steffen Klimt (44) von STiCer-Jugendtheater.

Was die neue Einrichtung kann und will, können Besucher des ersten Jugendkunstschultages am kommenden Sonnabend von 11 bis 16 Uhr im Quartier 17 in der Stralsunder Ossenreyerstraße erleben. „Das wird der Start sein“, meint Stefan Hahn. Praktisch als Appetit-Anreger. Geplant ist eine Mischung aus Aktivitäten auf der Straße, Bühnenvorstellungen und zahlreichen Mitmachaktionen. Daran werden rund 100 Kinder und Jugendliche beteiligt sein, die das Publikum locken wollen, mit dabei zu sein. „Es wird getanzt, gespielt, gedruckt, improvisiert, gebaut, gemalt, geklebt und geschnitten“, sagt Christian Klette. Kinder, Jugendliche, Familien und weitere Interessierte sind ins Obergeschoss eingeladen.

„Die TLG Immobilien hat uns die 600 Quadratmeter große freie Mietfläche kostenlos zur Verfügung gestellt. Das eröffnet uns tolle Möglichkeiten“, sagt Hahn. Auch vom Landkreis werde die Aktion unterstützt. Geplant sind stündlich Events auf der Bühne oder Filmgeschichten. Außerdem soll eine große Leinwand bemalt werden. Es entstehen Collagen und Drucksachen. Vieles wird sich thematisch um den Dadaismus drehen — einer künstlerischen und literarischen Bewegung, die vor 100 Jahren in Zürich begründet wurde. „Vor allem stehen wir an diesem Tag aber auch für Gespräche zur Verfügung. Eltern und Kinder werden sicher Fragen zu unseren Angeboten haben. Die beantworten wir gern“, kündigt Steffen Klimt an.

Die Gründungsveranstaltung für die Jugendkunstschule Vorpommern-Rügen fand am 18. Dezember 2015 statt. Gebildet wurde ein Sprecherrat, zu dem sechs Mitglieder gehören. „Wir rechnen in diesen Tagen nun mit der offiziellen Eintragung beim Amtsgericht und der Anerkennung der Gemeinnützigkeit“, sagt Stefan Hahn. Der Verein hat einen Antrag auf staatliche Anerkennung gestellt. Darüber wird ein Fachgremium in den nächsten Wochen entscheiden. Nicht zuletzt habe das auch Auswirkungen auf die Förderung durch das Land.

„Hier gab es bereits gute Signale“, ist Hahn zuversichtlich. Der Vater eines zweijährigen Sohnes findet es sehr bemerkenswert, was insgesamt am Sund an Kulturangeboten zur Verfügung steht. Derzeit erfolgt die Leitung noch ehrenamtlich. „Wir brauchen aber eine hauptamtliche Koordinationsstelle. Die Ausschreibung für einen hauptamtlichen Leiter läuft“, sagt Hahn. Bewerbungen sind bis zum 15.

März unter info@jks-vr.de möglich. Weitere Infos gibt es bei Dörte Wolter (☎ 0151/27004295).

Von Marlies Walther

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