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Auf den guten Ton kommt es an

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Im OZ-Sommerinterview erzählt Töpferin Yvonne Marquardt über die Pflege eines uralten Handwerkes / Die 40-Jährige lebt und arbeitet in Fahrenhaupt

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Hell, leicht, freundliche Farbgebung – Yvonne Marquardt ist Töpferin, lebt und arbeitet in Fahrenhaupt.

Quelle: Peter Schlag

Fahrenhaupt Für Yvonne Marquardt ist beruflich alles eine Frage des guten Tons. Die 40-Jährige ist Töpferin, lebt und arbeitet seit 2006 in Fahrenhaupt. Die OZ hat sich mit ihr über Ideenfindung, Dekor-Motive und Märkte in Amerika unterhalten.

Serie

Sommer-

Interview

Wie kommt man zur Töpferei?

Yvonne Marquardt: In meinem Fall auf Umwegen. Ursprünglich hatte ich eine Lehre als Kauffrau im Einzelhandel gemacht. Dann wusste ich aber: Das ist es nicht. Ich nahm mir eine Auszeit, bin an einen See bei Frankfurt/Oder gezogen. Dort lernte ich eine Hobbytöpferin kennen. Und begeisterte mich dafür. Mit den Händen etwas zu erschaffen, das ist etwas Schönes.

Wie wird man dann Töpferin?

Marquardt: Mein Mann kommt aus Saal, deswegen bin ich hier hoch gezogen. Das Arbeitsamt hatte mir eine Umschulung zur Kunstgewerblerin angeboten, dazu gehörte auch ein Töpfer-Praktikum. Daran konnte ich drei Lehrjahre anschließen.

Wie waren die?

Marquardt: Super. Mir war wichtig, dass ich das Töpfern sozusagen von der Pike auf lerne. Mit allem, was dazugehört. Das konnte ich bei Charis und Reinhart Löber in Saal. Ich hatte eine Super-Ausbildung.

Und danach sind Sie auf Wanderschaft gegangen.

Marquardt: Stimmt, ich konnte so andere Werkstätten in Deutschland kennen lernen. Für einige Monate war ich auch in den USA.

Welche Sichtweise haben die Amerikaner aufs Töpferhandwerk?

Marquardt: Sie lieben generell das deutsche Handwerk, schätzen die fundierte Ausbildung. Ich habe dort, in Tennessee, bei einem Deutschen gearbeitet. Ich war auch in mehreren Bundesstaaten auf Märkten. Das ist ähnlich wie bei uns und insgesamt sehr gut organisiert.

Was ist das Gute an diesen Wanderjahren gewesen?

Marquardt: Es ging mir ja darum, neue Blickpunkte auf die Keramik zu bekommen. Was ist möglich? Und was ist mein eigener Ausdruck?

Und was haben Sie herausgefunden?

Marquardt: Es sollte etwas Helles sein, es sollte leicht sein. Ein bisschen verspielt, trotz der strengen Formensprache, die mir auch wichtig ist. Ebenso Geradlinigkeit, auch darauf kommt es mir an. Verspielte Details dürfen aber durchaus sein.

Wobei Ihr Schwerpunkt auf Gegenständen für den täglichen Gebrauch liegt.

Marquardt: Dazu gehören Tassen, Teller, Krüge, Kannen, Schalen. Entschieden habe ich mich für zwei Dekore, Tulpen und Fische.

Warum gerade dafür?

Marquardt: Fische habe ich schon immer gerne gemalt. Wir sind ja auch an der Küste. Bei den Tulpen gab's keinen speziellen Grund. Wobei mir Blumen wichtig sind. Ich bin gerne in meinem Garten, brauche das Grün.

Was ist eigentlich das Schöne am Ton?

Marquardt: Er ist Bestandteil der Erde. Er ist überall zu finden, man kann ihn reinigen und loslegen. Ich arbeite mit rotem Ton, die Technik heißt Fayence. Das heißt, das Stück bekommt eine weiße Glasur, darauf malt man. Das Töpfern ist ja auch ein ganz altes Handwerk. Letztens stand ich auf einem Markt und diskutierte mit einem Schmied, wer das ältere Handwerk ausübt. Ich habe gewonnen. Immerhin wurde die Töpferscheibe vor 5000 Jahren erfunden.

Apropos Märkte. Sind Sie viel unterwegs?

Marquardt: Ich bin regelmäßig auf Märkten, bleibe aber im Lande, unter anderem stehe ich in Warnemünde. Tradition ist, dass ich beim Weihnachtsmarkt in Ribnitz mitmache. Dafür mache ich die Weihnachtstasse. Dieses Jahr bin ich zum zehnten Mal dabei. Da werde ich mir etwas Nettes einfallen lassen.

Stichwort Einfall – wie funktioniert Ideenfindung beim Töpfern?

Marquardt: Machen und schauen, wie es aussieht. Welche Wirkung hat das Stück. Man folgt dem inneren Gefühl.

Besucher kommen ja auch zu Ihnen nach Fahrenhaupt. Wie finden diese das Dorf?

Marquardt: Man kann mich einfach anrufen und kommt dann vorbei. Ich mache bei Kunst offen mit und beim Tag der offenen Töpferei. Da kommen besonders viele Gäste. Manche sind verblüfft über die Ruhe in Fahrenhaupt und staunen, dass es hier nur Wohnhäuser gibt. Einmal in der Woche kommt das Bäckerauto. Das war's.

Und ist das schlimm?

Marquardt: Für mich nicht. Ich habe hier Ruhe. Das ist mir auch wichtig.

Sie sind Mitglied im Tourismusverein Vogelparkregion-Recknitztal und haben dafür etwas Besonderes gestaltet.

Marquardt: Sie meinen das magische Amulett. Der Verein hat ja ein Heft mit Abenteuern herausgebracht, die Tizi Toll und Fiete Marlow in der Region erleben. Damit werden touristische Ausflugsziele vorgestellt. Wer alle Stationen besucht hat, bekommt das magische Amulett. Das habe ich gestaltet. Im Tizi-Fiete-Heft bin ich ja auch die Ton-Zauberin.

Leben am Butzebarg

1976 ist Yvonne Marquardt geboren, in einem kleinen Dorf bei Altentreptow. Sie machte eine Lehre als Kauffrau im Einzelhandel, nahm sich dann eine Auszeit und entdeckte die Töpferei für sich.

Seit 2006 lebt und arbeitet die 40-Jährige am Butzebarg in Fahrenhaupt, gelegen zwischen Marlow und Bad Sülze.

Mehr über sie gibt’s im Internet:

www.keramik-ton-studio-m-1.de

Interview von Peter Schlag

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