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Für Schloss Divitz zählt jetzt jeder Monat

Barth Für Schloss Divitz zählt jetzt jeder Monat

Europäische Denkmalhüter beraten im vorpommerschen Barth über Wege zur Rettung des Kulturgutes.

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Das Wasserschloss Divitz, einst stolzer Herrensitz, ist vom Verfall bedroht.

Quelle: Detlef Lübcke

Barth. Für das vom Verfall bedrohte Wasserschloss in Divitz bei Barth (Vorpommern-Rügen) zähle jeder Monat vor dem nächsten Winter. Diese Feststellung trafen jetzt führende Vertreter des Denkmalschutzverbundes Europa Nostra. Vizepräsident Piet Jaspaert aus Belgien, Vorstandsmitglied Dr. Guy Clausse aus Luxemburg und der Vizepräsident von Europa Nostra Deutschland, Dr. Claus-Peter Echter aus München, waren in die Region gereist, um die Bemühungen des Fördervereins Kulturgüter Wasserburg Divitz zu unterstützen.

Europa-Nostra-Vertreter raten zu Kosten-Nutzen-Analyse

Die drei führenden Europa-Nostra-Köpfe brachten ihre internationale Erfahrung zur Rettung des Wasserschlosses nach Barth. Bei einem Arbeitstreffen im Hotel „Speicher“ berieten sie über Wege zur Rettung des Wasserschlosses. Mit dabei: Prof. Sabine Bock vom Präsidium der Deutschen Burgenvereinigung, Rolf-Peter Bartz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Landtagsabgeordnete Ann Christin von Allwörden (CDU) sowie Vertreter des Landkreises, der Oberen und Unteren Denkmalschutzbehörden und weitere Engagierte.

Die europäischen Denkmalhüter empfahlen dringend eine gesamtwirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse vorzunehmen. Sie soll zeigen, wie groß der volkswirtschaftliche Nutzen ist. „Er schlägt sich über höhere Umsätze positiv in der gesamten regionalen Ökonomie und letztendlich auch im höheren Steueraufkommen nieder“, ist sich Piet Jaspaert aus Den Haag sicher.

„Angesichts der zu erwartenden Bereitstellung öffentlicher Mittel sollte bereits jetzt die bautechnische Vorbereitung der Sanierung intensiviert werden“, rät Jaspaert. Denn das Wasserschloss sei stark gefährdet. „Seit Jahren liegt dieses hohe Kulturgut brach, obwohl seine historischen und kulturellen Wirkungen auf den gesamten baltischen Raum unumstritten sind.“

Norddeutscher Beitrag im Europäischen Kulturerbejahr

In Anbetracht des bevorstehenden Europäischen Kulturerbejahres 2018 schlugen die Vertreter von Europa Nostra in Barth vor, Divitz als norddeutschen Beitrag in das Europäische Kulturerbejahr einzubringen. Sie verwiesen ebenso auf neueste Forschungsergebnisse. „Sie belegen, dass Investitionen in den Denkmalschutz volkswirtschaftlich effiziente Investitionen in die regionale Ökonomie darstellen“, erklärt Piet Jaspaert.

Guy Clausse als ehemaliger Direktor der Europäischen Investitionsbank hob den volkswirtschaftlichen Nutzen von Investititionen in regionale Denkmäler hervor. „Dieser volkswirtschaftliche Nutzen ist deutlich höher einzuschätzen als die rein betriebswirtschaftlichen Erträge eines solchen Denkmals selbst“, betont Clausse. Der Luxemburger belegte sein Fazit an Beispielen von bekannten Kirchen, Museen oder Schlössern bis hin zum Eiffelturm in Paris und zum Kolosseum in Rom.

Die Beteiligten des Treffens bekräftigten die identitätsstiftende Wirkung der Wasserburg Divitz für den Landkreis Vorpommern-Rügen und das Land Mecklenburg-Vorpommern. Sie zitierten eine Strophe des Mecklenburg-Vorpommern-Liedes. Darin heißt es: „MV, deine Schlösser und Güter sind der Vergangenheit Hüter.“

Die Vertreter von Europa Nostra bestätigten nicht nur die kulturelle Bedeutung des Wasserschlosses Divitz, das als wichtiger Herrensitz über viele Jahrhunderte kontinuierlich genutzt wurde und weit über die Grenzen von Pommern in den baltischen Raum ausstrahlte. Sie unterstrichen ebenso das Potential des Schlosses für ein breiteres touristisches Angebot in der Region. Die Kombination mit dem angrenzenden Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft könne laut Jaspaert eine besondere Attraktivität, gerade auch in der Vor- und Nachsaison oder während Schlechtwetterperioden, darstellen.

Im vergangenen Jahr schrieb Europa Nostra zum dritten Mal die Nominierung für die sieben meist gefährdeten Denkmale Europas aus. Als einziges deutsches Denkmal wurde die Wasserburg Divitz in die engere Auswahl als eines von 14 Projekten aufgenommen. Hauptargumente für diese Entscheidung waren die kulturhistorische und überregionale Bedeutung der Wasserburg, aber auch die Dringlichkeit der Erhaltung. Seither waren wiederholt Vertreter von Europa Nostra vor Ort, um den Förderverein zu unterstützen. „Bei dem jetzigen Besuch war die bisher größte Delegation in der Region“, sagt Piet Jaspaert.

Zehn Millionen Euro für Sanierung veranschlagt

Bis zu zehn Millionen Euro sind für die Sanierung des Objektes veranschlagt. Dazu zählt auch die Rekonstruktion des Schlossparks. Im Dezember 2015 ist es dem Förderverein nach langem Hin und Her mit dem ehemaligen Eigentümer gelungen, das 700 Jahre alte Ensemble aus Haus und Park zu kaufen. Der Verein will es retten, doch nicht selbst behalten. Ziel des Fördervereins ist es, dass Divitz Landesschloss und damit öffentlich und gemeinnützig wird. Eine Studie zur Nutzung des Wasserschlosses liegt schon vor – ein kleines Museum, Hotel und eine Sommerbühne.

Detlef Lübcke

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