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Kultur ist Lebenselixier für die Gesellschaft

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Die OZ sprach mit Gerd Albrecht, dem Leiter des Barther Vineta-Museums

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Gerd Albrecht leitet seit 2007 das Barther Vineta-Museum.

Quelle: Peter Schlag

Barth Warum ist Kulturförderung wichtig? Welchen Stellenwert hat Ferdinand Jühlke? Und wo ist der schönste Platz in der Region? Wir haben uns darüber mit Gerd Albrecht unterhalten, Leiter des Barther Vineta-Museums:

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Sommer-

Interview

Zu Hause in Starkow

2007 hat Gerd Albrecht die Leitung des Barther Vineta-Museums übernommen.

Der 53-Jährige wohnt in Starkow, wo er sich als Vorsitzender im dortigen Verein Backstein Geist und Garten engagiert.

Warum ist Kultur so wichtig?

Gerd Albrecht: Kultur ist in jeder Gesellschaft der Anker, das Bindeglied für ein menschliches Miteinander.

Und für Sie persönlich?

Albrecht: Kultur ist nicht nur mein Anker, sie ist auch die größte Quelle für meine seelische Bereicherung.

Was zählt für Sie zu den Besonderheiten der Kultur im Norden?

Albrecht: Wir haben bei uns die größte Dichte an Guts- und Parkanlagen europaweit. Das Engagement für die gewachsene Kulturlandschaft liegt mir sehr am Herzen. Vor drei Wochen war ich auf einem Treffen, bei dem ich erfahren habe, dass in Sachsen die Kulturförderung in der Landesverfassung verankert ist. Das würde ich mir auch für MV wünschen, denn Kultur ist keine freiwillige Aufgabe sondern das Lebenselixier, wenn Gesellschaft menschlich sein soll.

Woher kommt die Begeisterung für Kultur bei Ihnen?

Albrecht: Sie war schon in jungen Jahren da. Beruflich gab es schon Umwege.

Nämlich?

Albrecht: Entscheidungen zu treffen, ist mit das Schwerste im Leben. Wie alle jungen Menschen musste ich mich entscheiden. Bei mir stand die Frage künstlerische oder wissenschaftliche Ausbildung. Letztlich habe ich Botanik in Berlin studiert, hatte aber auch die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule bestanden. 25 Jahre meines Lebens habe ich mich an der Humboldt-Universität mit der ganz seriösen Wissenschaft befasst.

Und wie kamen Sie dann wieder in den Norden?

Albrecht: Die Verbindung zum Norden habe ich über Projektarbeit immer behalten. Letztlich ergab sich dann die Chance, dass ich mein kulturhistorisches Interesse zum Beruf machen konnte.

Sie haben 2007 die Leitung des Vineta-Museums übernommen. Was hat Sie daran gereizt?

Albrecht: Ich fand das Konzept interessant. Mich hat gereizt, dass eine eher kleine Stadt wie Barth Ausstellungen auf die Beine stellt, die teils landesweit Aufmerksamkeit bekommen. Und sogar darüber hinaus, damals lief die Rembrandt-Ausstellung.

Welchen Anspruch verfolgen Sie?

Albrecht: Ich hatte immer den Anspruch, eine Persönlichkeit, die mit der Region verbunden ist, aber überregional gewirkt hat, aufzugreifen und so das Verständnis für die Kulturgeschichte Vorpommerns lebendig zu erhalten. Das galt zum Beispiel für die Ausstellung zu Louis Douzette und auch für die Spalding-Ausstellung.

Weshalb Spalding?

Albrecht: Johann Spalding hat als Denker der Aufklärung und Freund Lessings große Bedeutung für Deutschland, er hat den Bestseller des 18. Jahrhunderts geschrieben „Die Bestimmung des Menschen“. Ich finde, es ist Aufgabe eines Museums, solche Geschichten ins Jetzt zu holen und zu erklären, was sie mit uns zu tun haben. Zukunft braucht Herkunft.

Derzeit läuft die Ausstellung über Leben und Wirken von Ferdinand Jühlke. Worin liegt seine Bedeutung?

Albrecht: Er war der erste Hochschullehrer für Gartenbau im Norden. Einer, der die Bedeutung des Berufsstandes erkannt und gehoben hat. Er war der beste Chronist des regionalen Gartenbaus. Er war 1865 Mitbegründer der ersten internationalen Gartenbauausstellung in Deutschland. Er war Inhaber der verantwortungsvollsten Position des Gartenbaus in Deutschland in seiner Funktion als Königlich Preußischer Hofgartendirektor.

Sie sind Naturfreund. Wo ist Ihr Lieblingsort?

Albrecht: Unter den alten Eichen von Schlemmin. Sie stehen in einem wunderschönen Park von Gärtner Lettow. Diese Eichen sind oft älter als alle sie umgebenden Gebäude, das relativiert so viel .

Wobei Sie sich ja stark für Starkow und den Pfarrgarten engagieren.

Albrecht: Stimmt. Da gibt es eine interessante Kulturlandschaft und auch familiäre Bezüge. 1872 sind meine Vorfahren aus der väterlichen Linie von Barth-Fahrenkamp nach Starkow gezogen. Bis zum Abitur habe ich hier gelebt, und bin nach den Jahren in Berlin nach Starkow zurückgekehrt. Jetzt engagiere ich mich dort als Vorsitzender des Vereines Backstein Geist- und Garten.

Was würden Sie im Vineta-Museum gern zeigen?

Albrecht: Den einzigartigen Pommerschen Kunstschrank, den Herzog Philipp II., der Sohn des Barther Fürsten Bogislaus XIII., anfertigen ließ. Aber dafür brauchen wir den Papenhof.

Der Papenhof soll als Kulturzentrum umgestaltet werden. Welche Erwartungen verbinden Sie damit?

Albrecht: Ich verbinde damit sehr große Hoffnungen. Der Papenhof ist mehr als das älteste weltlich genutzte Gebäude zwischen Rostock und Stralsund. Er reflektiert die Geschichte der Region.

Diese Steine erzählen authentisch von über 600 Jahren gelebter Geschichte, die wir mit interaktiven Ausstellungsprojekten wieder ins Leben rufen möchten.

Peter Schlag

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