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„Maschine“ Dieter Birr in Barth: Erinnerungen und Zukunftsmusik mit dem früheren Frontmann der Puhdys

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Die knapp 200 Zuschauer gingen beim Konzert- und Talkabend mit Ex-Puhdy Dieter Birr im ausverkauften Barther Theater gut mit.

Barth. Rock und Ruhestand, das passt einfach nicht zusammen. Mit 72 Jahren startet Dieter „Maschine“ Birr noch einmal durch. Auf Promo-Tour für seine erste Solo-CD der Post-Puhdys-Ära stoppte der frühere Frontmann der Kultband im Barther Theater.

OZ-Bild

„Maschine“ Dieter Birr in Barth: Erinnerungen und Zukunftsmusik mit dem früheren Frontmann der Puhdys

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Glück für die Kranich-Urlauber Anita (53) und Wolfgang Schurig (59) aus der Nähe von Dresden. Schon einmal hatten sie sich auf einen Auftritt vom „Neubeginner“ – so heißt sein Solo-Album – gefreut, der wurde ihnen jedoch im wahrsten Wortsinne verhagelt. Nun hatten sie Glück an der Abendkasse und ergatterten die letzten zwei Karten für den Talk mit Musik: „Maschine Birr ist Kult, da muss man hin, wenn es geht.“

Kai Suttner, Ex-Tour-Manager der Puhdys, war Birrs Plauderpartner auf der Barther Boddenbühne. „Die Zeit mit den Puhdys ist sicher die schönste Zeit meines Lebens. 46 Jahre lässt man nicht einfach hinter sich“, erklärte Birr, und vielen im Publikum ging es ähnlich. Die Kultband hatte sich 2014 zum zweiten Mal aufgelöst, „nicht weil es bergab ging, wir waren auf dem Höhepunkt“, wie der Sänger sagte.

Im Leben vor den Puhdys lernte Dieter als Kind Akkordeon und ließ sich dann eine Gitarre schenken, „das war cooler“. Chuck Berry, Peter Kraus, die Beatles und Rolling Stones inspirierten ihn, dann sollte seine Gitarre einmal klingen, wie die von Deep Purples Ritchie Blackmore. Die erste Tonaufnahme des Teenagers aus den frühen 1960er Jahren trägt den Titel „Susi Baby Twist“. Natürlich wollte er Berufsmusiker werden, seine Mutter „fand aber Lehrer ganz schön“. Birr lernte letztlich Schleifer, Schreibtisch und Büro waren ihm ein Horror, bevor er sein Musikstudium in Berlin aufnahm.

Die Puhdys wurden 1969 auf den jungen Musiker aufmerksam, der in verschiedenen Bands spielte. „Eigentlich wollte ich tagsüber am Ostseestrand liegen und abends zum Tanz aufspielen, das war mein Traum vom Musikerleben“, verrät er. Stattdessen tourte die Band zunächst durch fast den ganzen Ostblock. Der Verkauf russischer Außenbordmotoren in der DDR, als kleiner Nebenverdienst gedacht, lief allerdings eher schleppend. Etwas besser sollte es später mit dem Export von Weltmeister-Akkordeons in den Westen klappen.

„Warum haben die Puhdys nur deutsch gesungen?“, will Suttner in Barth wissen. „Das war immer noch besser als Russisch – und Englisch hätten wir nur phonetisch lernen können“, erklärt Birr eine Not, die später zur Tugend werden sollte. Gut für ihn, der mit der Aussprache des englischen „th“ noch immer auf Kriegsfuß steht. „Rockmusik zu hören war schon etwas Besonderes im Ostblock und die DDR war im Osten der Westen!“

„Nach der Wende musste man dann kämpfen, um Platten zu machen. Da haben wir zu schätzen gelernt, was wir hatten“, erinnert sich Birr. Die Erfolgswelle schwappte aber auch in die Bundesrepublik. Allen Unkenrufen zum Trotz wollte auch der neue Markt DDR-Rock. Die Puhdys, 1989 aufgelöst, starteten 1992 neu.

Birr blieb trotz des Erfolges bodenständig. Seine erste Flamme, sie (18) hatte ihn (16) nicht erhört, hat er nie ganz aus den Augen verloren, die beiden treffen sich noch immer zu besonderen Anlässen. Freunde und Familie sind ihm wichtig, erden ihn, wenn er nach einem Konzert nach Hause kommt und sich fragt: „Wieso klatscht jetzt keiner?“ Mit seiner zweiten Frau verbindet ihn Liebe auf den ersten Blick, seit 37 Jahren. Sie beschreibt Maschine als lustig und anstrengend, gemütlich – und unordentlich.

Zuversichtlich stürzt sich Dieter Birr nun in ein spannendes Leben nach den Puhdys: „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, ich kann jetzt Spaß haben, spontan auch mal ein Risiko eingehen.“ Und so ist auf seinem Album „Neubeginner“ manches anders. Namhafte Kollegen haben Texte beigesteuert, die Birr abwechslungsreich vertonte. Die „Maschine“bleibt dabei unverkennbar und präsentierte in Barth neben alten auch neue Titel, nur mit akustischer Gitarre begleitet.

Die rund 200 Zuschauer im ausverkauften Theater gingen mit und schließlich wollten sie dann am Ende auch noch „die Eisbären sehen“. „Das war gut, cool, wie er das alles beschrieben hat“, waren die Dresdener Gäste mehr als zufrieden.

Am Ende erwartete Dieter Birr noch ein besonderer Gast. Brigitte aus Barth, einst Dieter Birrs Nachbarin in Berlin, hatte für ihn drei gelbe Rosen aus ihrem Garten gepflückt. „Ich kannte ihn schon als kleinen, sehr netten Jungen und habe ihn älter werden sehen. Obwohl man ihm das ja überhaupt nicht anmerkt, er scheint immer noch 50 zu sein. Toll, dass er weiter macht und schön, dass wir das erleben dürfen!“, sagte sie.

Susanne Retzlaff

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