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Seit 170 Jahren Seenotrettung auf dem Fischland

Wustrow Seit 170 Jahren Seenotrettung auf dem Fischland

Mit einem großen Open Ship wird am Sonntag im Ostseebad Wustrow der Stationsgeburtstag begangen

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Das Seenotrettungsboot „Barsch“ der DGzRS auf der Ostsee vor Wustrow im Einsatz.

Quelle: Foto: Alexander Krüger

Wustrow. Auf dem Fischland in Mecklenburg-Vorpommern hat Seenotrettung besonders große Tradition. In diesem Jahr blicken die Seenotretter aus Wustrow auf die 170-jährige Geschichte ihrer Station zurück.

Das ist los am Sonntag

Ab 11 Uhr: Open Ship auf dem Seenotrettungsboot „Barsch“ vor der DGzRS-Station, Ausstellung historischer Rettungsgeräte, Filmvorführungen, Sonderbordstempel zum 170. Jahrestag der Gründung, Kuchenbasar, Rettungsdemonstration auf der Ostsee an der Seebrücke (wetterabhängig), 16 Uhr Vortrag über die Arbeit der Seenotretter.

Die Wustrower DGzRS-Station befindet sich an der Strandstraße/Ecke An der Seenotstation.

Die Menschen gerade in dieser Region haben sich stets zu den Freiwilligen-Besatzungen bekannt und ihre spendenfinanzierte Arbeit nach Kräften unterstützt. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) bedankt sich für diese Unterstützung mit einem Aktionstag am 1. Oktober.

Im Sommer 1847, rund 18 Jahre vor Gründung der DGzRS 1865, finanzierte Großherzog Friedrich Franz II. Bau und Ausrüstung der ersten Seenotrettungsstation im Großherzogtum Mecklenburg- Schwerin.

Am 1. Oktober 1847 war die Station unter der Leitung des Direktors der Wustrower Navigationsschule Ernst Friedrich Schütz einsatzklar. Viele an der Seefahrtsschule lehrende Kapitäne waren im Lauf der Jahrzehnte Vor- und Rettungsleute der Station.

Zur Ausrüstung der ersten Stunde gehörten ein Ruderrettungsboot mit Wagen und Leinenmörser zur Hilfeleistung von Land aus bei Havarien in Küstennähe. Bei der Strandung des preußischen Schoners „Ceres“ am 24. März 1852 gelang damit die Rettung aller sieben Besatzungsmitglieder. 1866, ein Jahr nach ihrer Gründung, stationierte die DGzRS in Wustrow einen modernen Raketenapparat und ein neues Ruderrettungsboot, das nach einem ihrer Gründerväter, Dr. Emminghaus, benannt wurde. Die großherzogliche Station ging in der DGzRS-Station auf.

Regelmäßig modernisierten die Seenotretter die Wustrower Rettungstechnik. Mehrfach erhielt die Station ein neues Boot und – wegen Sturmflutschäden – ein neues Gebäude.

Der heutige, vierte Rettungsschuppen an der Strandstraße, war 1907 in massiver Backsteinbauweise errichtet worden und ist seit 110 Jahren in Betrieb. Mit seinen dunkelgrünen Doppeltoren ist er ein typischer Vertreter damaliger serienmäßiger DGzRS-Architektur.

Mit der Teilung Deutschlands musste die DGzRS ihre Arbeit östlich von Travemünde einstellen. Die DDR organisierte den Seenotrettungsdienst staatlich. In Wustrow war noch bis 1963 ein Ruderrettungsboot im Einsatz. Ein Schwimmwagen aus Armeebeständen bewährte sich anschließend nicht. Ab 1979 folgten Schlauchboote und geländegängige Lkw als Zugfahrzeuge.

1990 kehrte die DGzRS nach Mecklenburg-Vorpommern zurück. 1993 modernisierte sie die Station Wustrow.

Im historischen Rettungsschuppen, wo einst das Ruderrettungsboot auf seinem Ablaufwagen sowie Leinen- und Raketenwagen standen, ist heute das Seenotrettungsboot „Barsch“ auf Spezialtrailer stationiert. Ein „watfähiger“ Unimog zieht es zur offenen Ostsee oder zu den rückwärtigen Boddengewässern. Die gesamte Rettungseinheit fährt weit ins Wasser, bis das Boot aufschwimmt.

Heute sind auf der Station Wustrow 19 freiwillige Seenotretter unter der Leitung von Vormann Karl-Heinz Priebe jährlich zehn bis 20 Mal im Einsatz.

Von der Gründerzeit kündet in Wustrow neben dem historischen Rettungsschuppen seit dem Jahr 2000 das Ruderrettungsboot „Unser Eiland“, früher stationiert im benachbarten Zingst. Der Maritime und Heimatverein kümmerte sich um die Restaurierung des Bootes samt Ablaufwagen.

OZ

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