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Vom Schloss über Gasometer bis zum Fährschiff

Pütnitz Vom Schloss über Gasometer bis zum Fährschiff

2913 Bau- und 34 bewegliche Denkmale gibt es in Vorpommern-Rügen / Eigentümer haben verschiedene Chancen, Unterstützung zu bekommen

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Das Fährschiff „Wittow“ – hier zur Aufarbeitung in der Werft Rammin in Barth – gehört zu den beweglichen Denkmalen.

Quelle: Volker Stephan

Pütnitz. Der Gasometer in Ribnitz, das Barockschloss in Griebenow, der Meilenobelisk in der Tribseeser Goethestraße, die „Kurmuschel“ in Sassnitz. Vier Baudenkmale in Vorpommern-Rügen. Vier von 2913 auf der Denkmalliste des Landkreises.

 

OZ-Bild

Frank Ziller vor dem Erbbegräbnis in Pütnitz.

Quelle: Peter Schlag

Vor der Kreisgebietsreform von 2011 hatten Nordvorpommern und Rügen jeweils eigene Listen. Die sind seither zusammengeführt worden. 2913 einzelne Positionen – dahinter verstecken sich jede Menge interessanter Geschichten zur Geschichte der Region. Sie beziehen sich in zahlreichen Fällen auf historische Anlagen. Zum Beispiel gibt es vier einzelne Baudenkmale in Landsdorf bei Tribsees (Gutshaus mit Park, Wirtschaftsgebäude, Gärtnerhaus und Speicher), die aber allesamt die Landsdorfer Gutsanlage betreffen.

Die Liste an sich ist nicht unveränderlich. Denkmale werden neu aufgenommen, andere gestrichen. „Es gibt eine gewisse Fluktuation“, fasst das Steffen Schulze, Fachdienstleiter beim Kreis, zusammen.

Wenn ein Denkmal neu aufgenommen werden soll, prüfen das die Fachleute vom Kreis in Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Dabei geht es beispielsweise um die Bedeutung und um das öffentliche Interesse. Vorliegen können künstlerische, wissenschaftliche, geschichtliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe.

Beispiele für Denkmale, die neu in die Liste aufgenommen wurden, sind der mehr als 100 Jahre alte Gasometer in Ribnitz oder die Kreidebrücke Dumsevitz bei Garz auf Rügen. Die Fluktuation hängt auch damit zusammen, dass sich Sichtweisen ändern, was denkmalwürdig ist. Mittlerweile stehen zahlreiche technische Denkmale auf der Liste, die zwar an Jahren nicht allzu alt sind, von ihrer Bedeutung her aber Technikdenkmale sind. Dazu zählen neben dem Gasometer beispielsweise ein Wasserkleinkraftwerk am Königsstuhl auf Rügen. Auch die Schule Steinhagen mit ihrem speziellen Baustil (der mal für Kuba entwickelt wurde) ist ein Beispiel für veränderte Sichtweisen, was Denkmale sind.

Andererseits gibt es auch Fälle, dass Denkmale von der Liste heruntergenommen werden. Wenn nicht ausreichend von ihm erhalten ist oder bei einer Sanierung erhalten werden kann. Fakt ist, dass Eigentümer nur verpflichtet sind, Denkmale im Rahmen der Zumutbarkeit zu erhalten, erläutert Dr. Markus Sommer-Scheffler vom Denkmalschutz des Kreises. Was zu der Frage führt, welche Unterstützung Eigentümer von Denkmalen bekommen können. Gelder fließen zum Beispiel über öffentliche oder private Dorferneuerung. Das Programm Leader ist eine andere Möglichkeit. Derzeit läuft die Förderperiode bis 2020. Kreisweit gibt es mit Nordvorpommern und Rügen sogar zwei Leader-Regionen. In Nordvorpommern kümmert sich die Lokale Aktionsgruppe (LAG) um Projekte, legt fest, was auf der Prioritätenliste auf welcher Position stehen soll. Aktuell gehört dazu der Wiederaufbau der Orangerie in Parow. 700 000 Euro soll das kosten, rund eine halbe Million fließt aus dem Leader-Fördertopf. Eine gern genutzte Möglichkeit für Eigentümer von Denkmalen ist außerdem die sogenannte AfA. Das Kürzel bedeutet Abschreibung für Abnutzung. Eine beliebte Abschreibungsmöglichkeit, erläutert Denkmalpfleger Thomas Kinkeldey ein.

Aktuelle Schwerpunkt-Objekte für die Denkmalpflege sind beispielsweise Block V in Prora, gerade Thema im Kreistag, aber auch der Papenhof in Barth und der Fangelturm in Nehringen.

Baudenkmale sind aber nur das eine. Hinzu kommen in Vorpommern-Rügen knapp 18000 Bodendenkmale und einzelne Denkmalbereiche, wie die historische Siedlung am Goethe-Platz in Zingst.

Nicht zu vergessen bewegliche Denkmale. Das sind Fahrzeuge, Lokomotiven und Schiffe. 34 solcher Denkmale sind derzeit erfasst, vom Fährschiff „Wittow“, das derzeit in Barth erneuert wird, bis zur Rügenschen Kleinbahn, dem sogenannten „Rasenden Roland“.

Infos im Netz

3 Mitarbeiter sind beim Landkreis für den Denkmalschutz zuständig, Friederike Groth, Thomas Kinkeldey und Dr. Markus Sommer- Scheffler. Stralsund hat eine eigene Untere Denkmalschutzbehörde, zuständig für das Gebiet der Hansestadt.

Viele Informationen zum Thema finden sich im Internet auf der Homepage des Landkreises. Zu finden sind sie unter dem Stichwort Kreisporträt. In der Navigationsleiste gibt es dann einen Punkt Denkmale, unter anderem mit der Denkmalliste.

Vom Abriss-Kandidaten zum Schmuckstück

Kinderlachen erklingt in den Räumen des Pütnitzer Schlosses. Urlauber wohnen hier, aus Deutschland, aus Österreich.

Vor Jahren wäre das undenkbar gewesen. Da drohte dem Gebäude der Abriss. Auch, weil es nicht auf der Denkmalliste stand.

Für den Erhalt engagierten sich dann ab 2007 die Mitglieder vom Pommerschen Geschichts- und Heimatverein Damgarten. Mit der notariell beglaubigten Gründungsurkunde „sind wir dann zum Landesamt für Kultur und Denkmalpflege nach Schwerin gefahren“, erinnert sich Dr. Frank Ziller. Sechs Wochen später reisten die Schweriner in Pütnitz an. Begutachteten das Schloss – und befürworteten, dass Schloss und Anlage auf die Denkmalliste kommen. Dort stehen Gutshaus und Park nun, insgesamt gibt es in Ribnitz-Damgarten 121 Objekte auf der Denkmalliste.

Der Eintrag auf der Liste war das eine. Doch wie bekommt das Haus eine Perspektive? Drei Jahre stand es zum Verkauf.

Ende 2010 kaufte es dann Familie von der Lühe, erzählt Frank Ziller, und lobt das Engagement der Familie. Schon Wochen später stand das erste Gerüst. Zweieinhalb Jahre wurde das 1836 erbaute Haus rekonstruiert. Die Eröffnung fand Mitte Juni 2013 statt.

Heute sind im Pütnitzer Schloss insgesamt zehn Ferienwohnungen eingerichtet. Der Geschichtsverein engagiert sich fürs historische Erbe, kümmert sich um Rundgänge und Veranstaltungen. Regelmäßig gibt es zum Beispiel die Reihe „Plaudereien im Schloss“.

Ein großer Wunsch ist, das sogenannte Erbbegräbnis zu sanieren, das im Park stehende Mausoleum der Familie von Zanthier. Nicht nur wegen seines Schöpfers – des bekannten Architekten Carl Theodor Severin – von besonderer Bedeutung. Ein Projekt, das über das Leader-Programm finanziert werden soll. Im Erbbegräbnis könnten dann Info-Tafeln mit Wissenswertem zu Pütnitz stehen.ps

Peter Schlag

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