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Landwirte protestieren in Stralsund

Stralsund Landwirte protestieren in Stralsund

Wilfried Lenschow aus Bartelshagen I: „Wenn die Milchpreise bis Ende dieses Jahres so bleiben, halten wir das nicht durch.“

Stralsund. Protest mit Frühstück: Auf dem Neuen Markt in Stralsund sowie in der Fußgängerzone von Schwerin haben Bauern Passanten vor Augen geführt, was von dem Geld für ein Frühstück beim Erzeuger ankommt. Im Durchschnitt erreiche nur etwa ein Viertel des Lebensmittelpreises den Landwirt, machte der Bauernverband auf Flyern deutlich. „Wir wollen nicht jammern, sondern den Menschen erklären, was von dem Geld, das sie bezahlen, für uns Bauern übrig bleibt“, sagte Bauernpräsident Rainer Tietböhl. Das seien sechs Cent für ein Glas Milch, 13 Cent für das Getreide für ein Kilo Brot und sechs Cent für ein durchschnittliches Ei.

Wilfried Lenschow macht am Morgen in Stralsund noch eine weitere Rechnung auf. „Zurzeit produzieren wir mit jedem Liter Milch zehn Cent Verlust“, sagt der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft in Bartelshagen I. Bei 12000 Liter Milch, die Lenschows 480 Kühe jeden Tag geben, bedeutet dies „1200 Euro Nasse Tag für Tag“, wie Lenschow es ausdrückt.

Als Ursache für die niedrigen Preise sehen die Landwirte das Überangebot, vor allem bei Milch. Es sei durch den Russland-Boykott, die Kriege in Nordafrika und die schwächere Nachfrage in China entstanden, aber auch durch die Überproduktion und den Verdrängungswettbewerb in Europa. Aus Irland und Belgien komme bereits Milch für 15 Cent pro Liter.

Lenschow liefert seine Milch an eine genossenschaftliche Molkerei, die zum Deutschen Milchkontor gehört. Von dem Grundgedanken einer Genossenschaft spürt der Landwirt jedoch nichts. Zudem habe das Milchkontor in den vergangenen Jahren viel zu viel Käse produziert. „Das ging lange gut, weil große Mengen Käse nach Russland verkauft worden sind. Durch den Boykott spüren wir jetzt umso drastischer, dass die deutsche Nahrungsmittelindustrie sich zu wenig um den Export in andere Länder gekümmert hat. Andere waren da schneller“, bilanziert der Bauer.

Unverständnis zeigte Frank Schiffner vom Landesbauernverband gestern in Stralsund dafür, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine weitere Fusion im Lebensmitteleinzelhandel zuließ, was die Position der Erzeuger bei Preisverhandlungen weiter schwäche. „Das Bundeskartellamt sagt nein, aber Gabriel winkt das durch. Von einem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister habe ich etwas anderes erwartet.“

Laut Bauernverband verliert jeder Milchbauer derzeit pro Kuh 1000 Euro pro Jahr. Problem für die Branche: Die Milchbauern können die Milchproduktion nicht einfach drosseln, um dafür zu sorgen, dass es weniger Milch gibt und der Preis wieder steigt, weil man die Kühe nicht einfach abschalten kann. Wilfried Lenschow: „Wenn die Preise bis Ende dieses Jahres so bleiben, halten wir das nicht durch.“

Von Birgit Sander/ Benjamin Fischer

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