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Leichenkleiderin arbeitete auf eigene Rechnung

Ribnitz-Damgarten Leichenkleiderin arbeitete auf eigene Rechnung

Frauen waren nach Todesfällen oftmals die ersten Ansprechpartnerinnen / In Ribnitz gab es vier Bezirke

Ribnitz-Damgarten. Auf ihrem letzten Weg wurden die Menschen von den sogenannten Leichenkleiderinnen begleitet. Diese Frauen besaßen keine „besondere Ausbildung“, sondern waren „lediglich zur gewissenhaften Ausübung ihres Amtes verpflichtet“. Sie handelten privatwirtschaftlich.

Die Dienstanweisung für die Ribnitzer Leichenkleiderinnen aus dem Jahr 1943 legte fest, dass die Frauen „stets sofort in das Sterbehaus gehen (mussten)“. Wenn nicht bereits durch einen Arzt geschehen, nahmen sie auch die Leichenschau vor. In diesem Fall waren die Leichenkleiderinnen spätestens 24 Stunden nach Eintreten des Todes zu informieren. Stellten die Frauen Anzeichen eines unnatürlichen Todes oder ansteckende Krankheiten fest, hatte das Waschen und Einkleiden der Leiche zu unterbleiben. Stattdessen musste die Polizei informiert werden.

Neben dem auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen durchgeführten Waschens und Einkleidens, durften die Frauen „alle mit der Beerdigung zusammenhängenden Gänge machen und bei der Beerdigung Hilfe leisten“.

Die Angehörigen des Verstorbenen besaßen die Möglichkeit, nach einer Leichenkleiderin ihrer Wahl zu verlangen. War kein „ausdrücklicher Wunsch“ artikuliert worden, kam diejenige Frau, in deren Bezirk sich der Todesfall ereignete. Anfang der 1930er-Jahre war Ribnitz diesbezüglich noch in vier Bezirke eingeteilt. Nachdem Sophie Düwel ihre Tätigkeit aus Altersgründen zum Jahresbeginn 1935 aufgab, verblieben drei Bezirke. Bezirk 1 erstreckte sich westlich der Neuen Klosterstraße sowie südlich der Langen und der Rostocker Straße. Für diesen Bezirk war Karoline Burmeister, verwitwete Karow, aus der Heiligengeiststraße 2 zuständig. Der zweite Bezirk umfasste das Gebiet westlich der Grünen Straße sowie nördlich der Langen und Rostocker Straße, inklusive des Dorfes Körkwitz. Hier besuchte Agnes Schmidt die Familien. Sie wohnte in der Heiligengeiststraße 2. Im dritten Bezirk arbeitete Anna Quandt, wohnhaft Am See 27. Ihr Einsatzgebiet erstreckte sich östlich der Grünen und der Neuen Klosterstraße, einschließlich der „Sanitzer Vorstadt mit Freudenberg“.

Die Einhaltung der Bezirksgrenzen sorgte mitunter für erheblichen Zwist zwischen den Frauen. Im Juni 1932 beschwerte sich Karow, dass, als sie zu einem „plötzlichen Todesfall“ ging, die Leichenkleiderin Schmidt bereits vor Ort war. Gleiches habe sich bereits beim Tod des Schlachtermeistermeisters Metzner in der Büttelstraße ereignet, als plötzlich beide Frauen in der Wohnung standen. Karow waren diese „Zusammentreffen im Sterbehause sehr unangenehm“. Schmidt wiederum warf ihrer Konkurrentin in drei Fällen ähnliche Verstöße vor. Anschwärzungen beim Bürgermeister waren die Folge, der sich davon jedoch unbeeindruckt zeigte.

Neben ihrem medizinischen Fachwissen hatten die Frauen auch charakterliche Eigenschaften zu erfüllen. Laut Dienstanweisung „müssen (sie) überall ehrbar und bescheiden auftreten und alle Obliegenheiten gewissenhaft erfüllen“. Vor den Angehörigen hatten sie sich stets ruhig und bescheiden zu benehmen. Es war ihnen strengstens untersagt, „Nachlaßgegenstände“, „Trinkgelder“ oder „Gewinnanteile von Tischlermeistern und Beerdigungsinstituten“ anzunehmen.

Die Leichenkleiderinnen erhoben für ihre Arbeit eine Gebühr. Diese reichte von 5 Mark für eine Bestattung auf Kosten der städtischen Armenkasse bis zu 15 Mark im Rahmen eines einzelnen Erbbegräbnisses.

OZ

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