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Mangel an Tintenfässern und kaputte Schulbänke

Langendamm Mangel an Tintenfässern und kaputte Schulbänke

Die Begutachtung der Langendammer Schule im Jahr 1889 offenbarte viele Mängel / Lehrer Johann Hass unterrichtete 75 Schüler

Langendamm. 18. November 1889. Lehrer Johann Hass wirft einen letzten Blick in den Klassenraum der Schule. Er hatte ihn zuvor gründlich gereinigt. Der 25jährige Lehrer trägt seinen Sonntagsanzug. Er ist etwas aufgeregt. Der Grund: am heutigen Tag wird seine Schule, wie auch der Unterricht, einer Kontrolle durch den Superintendenten unterzogen. Regelmäßig bereist der Superintendent den Kirchenkreis, um im Rahmen seiner Dienstaufsicht auch Lehrer und Schulen zu begutachten. Seit fünfeinhalb Jahren unterrichtet Hass als einziger Lehrer 75 Schüler, 43 Mädchen und 32 Jungen, in Langendamm. Die Schule ist einklassig, das heißt, alle Schüler werden in einem Raum beschult.

Es ist kurz vor 8 Uhr, die Besichtigung beginnt. Zunächst wird die Schule begutachtet. Während die Wände des Klassenzimmers jährlich gekalkt werden, bietet der Fußboden aus Tannenholz einen traurigen Anblick. Sein Zustand ist „sehr schlecht“, Farbe fehlt, die Dielen sind marode. Er sollte umgehend „ausgebessert“ werden. Im Klassenzimmer werden weitere Mängel offenbar. Schulbänke sind nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Und selbst die Vorhandenen sind, bis auf drei, inakzeptabel. Die einzelnen Sitzplätze verfügen zum Leidwesen der Schüler nicht alle über Rückenlehnen. Sogar an Tintenfässern mangelt es. Weiteren Anlass zur Kritik gibt die Toilette. Hier herrscht Unsauberkeit vor. Das Urteil lautet: „sehr mangelhaft“. In diesem Zusammenhang wird zudem kritisiert, dass die Mädchen und Jungen keine separaten Toiletten nutzen können. Einen positiven Eindruck vermittelt hingegen der Sportplatz, der mit Reck und Barren ausgestattet ist. Alles in Allem können die Kinder, nur wenn Halbtagsschule ist, also nicht alle Schüler gleichzeitig da sind, „ohne Schaden ihrer Gesundheit sitzen und arbeiten“. Der Schulvorstand, bestehend aus dem Saaler Pastor Deegener sowie den Bürgern Burmeister, Havemann und Hüttig, mühte sich „nach Kräften“ die Missstände zu beheben. Einzig, es mangelte Langendamm an der nötigen Finanzkraft. Der Ort zählte „zu den ärmsten Gemeinden des Kreises (Franzburg)“. In Langendamm wohnten vorrangig Büdner. Im Jahr 1894 waren es 54. Die Büdner lebten allein von dem, was ihre Grundstücke abwarfen. Weil dies zum Überleben kaum reichte, verdingten sich viele zusätzlich als Tagelöhner auf den umliegenden Gütern oder fuhren zur See. Verschuldung war keine Seltenheit. Ferner arbeiteten in Langendamm nur ein Müller, ein Handwerker, ein Gastwirt und zwei Händler. Von diesen fünf Gewerbetreibenden konnte man unmöglich verlangen, die Kosten der Schulinstandsetzung von über 1000 Mark aufzubringen. Letztlich erklärte sich der preußische Staat bereit, die gesamten Kosten zu tragen und damit die Lernbedingungen zu verbessern.

Hinsichtlich der schulischen Leistungen bieten die Mädchen und Jungen ein befriedigendes Bild. Es werden ihre Leistungen in Religion, Deutsch, Rechnen, Geografie und Gesang beurteilt. Die Kinder singen alle Kirchenlieder sicher und „die Kleinen haben Gebote, Liederverse und Sprüche“ gut gelernt und vorgetragen. Die zentrale Bedeutung des Religiösen tritt deutlich hervor. Auch gesanglich können die Kinder überzeugen. Beim Deutsch- und Matheunterricht erweist sich die Klassengröße von über 70 Kindern als hinderlich. Je nach Kenntnisstand werden die Schüler in sechs unterschiedliche „Abtheilungen“ eingeteilt. Während sich die Jüngsten mit dem Zahlenraum bis zehn vertraut machen, üben die Ältesten Bruchrechnen. Hier sind die gezeigten Ergebnisse einzelner „Abtheilungen“ nur mangelhaft und offenbaren die Grenzen des didaktisch Möglichen bei derart vielen Schülern in einem Raum. Es wird deshalb geraten, die Anzahl der „Abtheilungen“ zu reduzieren, damit sich Lehrer Hass den einzelnen Gruppen intensivier widmen kann.

Von Jan Berg

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