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Medikamente landen immer häufiger im Abwasser

Rostock Medikamente landen immer häufiger im Abwasser

In Rostock werden Grenzwerte noch eingehalten, so Eurawasser / Um alle Arznei-Spuren zu beseitigen, wären hohe Investitionen in der Kläranlage nötig

Rostock. Die Erkältungszeit beginnt. Die Ersten plagen sich bereits mit Schniefnase und Kratzen im Hals. Viele haben vom vergangenen Winter noch Hustensäfte, Mentholsalben und Nasensprays in der Hausapotheke. Ist aber das Haltbarkeitsdatum überschritten, sollte man Medizin nicht mehr nutzen, rät Heidi Günther von der Krankenversicherung Barmer GEK. Zwar seien abgelaufene Arzneien nicht zwangsläufig schädlich, aber weit weniger wirksam. „Das ist besonders bei Präparaten heikel, die auf das Milligramm genau dosiert werden müssen.“ Herz-Kreislauf-Mittel zum Beispiel. Was nicht mehr brauchbar ist, kippen viele Privathaushalte ins Spülbecken oder die Toilette.

 

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Eurawasser-Mitarbeiter Ulrich Pusch nimmt in der Zentralen Kläranlage in Bramow eine Wasserprobe.

Quelle: Eurawasser
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Als verantwort- liches Unternehmen halten wir alle Vorgaben und Grenzwerte ein.“Gabi Kniffka, Sprecherin Eurawasser

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Alt- medikamente gehören in den Hausmüll, keinesfalls in die Toilette.“ Axel Pudimat, Apotheker

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Eurawasser-Mitarbeiter Ulrich Pusch nimmt in der Zentralen Kläranlage in Bramow eine Wasserprobe.

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Alt- medikamente gehören in den Hausmüll, keinesfalls in die Toilette.“ Axel Pudimat, Apotheker

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Als verantwort- liches Unternehmen halten wir alle Vorgaben und Grenzwerte ein.“Gabi Kniffka, Sprecherin Eurawasser

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Studien zufolge entsorgt jeder zweite Deutsche alte Flüssigarzneien so. Bei Tabletten liegt die Quote sogar bei 80 Prozent. Das Problem: Kläranlagen können die Wirkstoffe nicht restlos herausfiltern, erklärt Gabi Kniffka, Sprecherin des kommunalen Wasserversorgers Eurawasser. Große Mengen Medikamente rauschen zudem über Umwege ins Abwasser: Tabletten und Tränke baut der menschliche Körper nämlich meist nur teilweise ab. Außerdem stabilisieren Pharmafirmen Medizin heute weit besser als früher, damit die Wirkstoffe unverdaut dorthin vordringen, wo sie gebraucht werden. Vieles scheidet der Körper unverändert aus. Selbst modernste Klärwerke tun sich schwer damit, diese langlebigen Substanzen abzubauen.

Die Gesellschaft wird zunehmend älter. Damit steige der Medikamentenkonsum und schließlich die Abwasserbelastung, erklärt Gabi Kniffka. Deutschlandweit gelangen inzwischen täglich mehrere Tonnen Medikamente in die Kanalisation, schätzt der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft. Vieles davon landet als Arznei-Cocktail im Leitungswasser.

Mehr als 20 verschiedene Wirkstoffe und deren Abbauprodukte sind darin deutschlandweit laut Bundesumweltamt bereits nachgewiesen worden. Darunter Schmerzmittel, Röntgenkontrastmittel und Blutfettsenker. Experten rechnen damit, dass es in den nächsten Jahren noch wesentlich mehr werden. Nicht zuletzt, weil die Messtechnik immer sensibler wird und mehr Stoffe aufspürt. Die bislang nachgewiesenen Arzneien tauchen meist nur in Spuren auf und sind daher gesundheitlich unbedenklich. Zumindest einzeln. Welche Wechselwirkungen sie haben, ist hingegen kaum erforscht. Beim Grundwasser seien Medikamentenrückstände in Rostock aktuell „noch nicht relevant“, sagt Gabi Kniffka.

Das Oberflächenwasser, dass Eurawasser aus der Warnow abzapft, wird mit Ozon und Aktivkohlefilter aufbereitet, liege aber schon vorher unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Beim Klären von Abwasser setzt Eurawasser auf ein Drei-Stufen-Programm. Um zielgerichtet auch kleinste Arznei-Spuren zu entfernen, wäre allerdings eine vierte Stufe erforderlich, sagt Kniffka. „In der Forschung und Entwicklung werden derzeit die effektivsten Verfahren erprobt.“ Eine Kläranlage nachzurüsten, sei jedoch sehr aufwendig und sehr teuer, gibt der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft zu bedenken.

Weil Vorbeugen besser als Nachsorgen ist, appellieren Wasserversorger an die Industrie, die bei der Produktion von Arzneien auf deren Umweltverträglichkeit achten sollen, aber auch an Ärzte. Es wäre hilfreich, wenn die Mediziner Medikamente in angemessenen Packungseinheiten verschreiben würden, sagt Gabi Kniffka. Einen Beitrag zu sauberem Trinkwasser könne aber jeder leisten, so er Arzneien richtig entsorgt.

Tabletten, Salben und Säfte gehören in den Hausmüll, keinesfalls in die Toilette, sagt Apotheker Axel Pudimat. Außerdem würden viele seiner Kollegen Altmedikamente zurücknehmen. Dazu seinen Pharmazeuten zwar nicht verpflichtet, bieten es aber häufig als Kundenservice an.

Abwasser

Der Warnow-Wasser- und Abwasserverband (WWAV) ist für die Entsorgung des Abwassers, die Entleerung abflussloser Sammelgruben und die Beseitigung des in privaten Kleinkläranlagen anfallenden Schlammes verantwortlich. 1993 wurde diese Aufgabe an Eurawasser übertragen. Insgesamt ist der Verband für die Entsorgung des Abwassers von etwa 206000 Einwohnern, sowie Gewerbe, Industrie und

öffentlichen Einrichtungen zuständig.

Das Schmutz- und Niederschlagswasser wird nach WWAV-Angaben über 1530 Kilometer Kanalnetze, Grundstücksanschlüsse sowie durch 320 Abwasserpumpwerke zur Zentralen Kläranlage Rostock beziehungsweise zu

14 kleineren Kläranlagen geleitet.

Der Anschlussgrad an die Schmutzwasserbeseitigungsanlagen beträgt 99,7 Prozent, so der WWAV.

Antje Bernstein

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