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Tressentin Mopedfieber im Treckerclub

Die Schrauber von Tressentin bauen alte Schwalben wieder auf

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OSTSEE-ZEITUNG Ribnitz-Damgartener Zeitung

Nico Mühring, Dieter Mietzner und Reinhard Schulz beim Fachsimpeln vor einer im Aufbau befindlichen Schwalbe KR 51/1 S.

Quelle: Fotos: Volker Stephan

Tressentin. Während viele Menschen zu dieser Jahreszeit den üblichen Erkältungskrankheiten trotzen, wurden die Mitglieder des Tressentiner Treckerclubs von einem ganz anderen Virus befallen: dem Mopedfieber. Und das bereitet ihnen offenbar so viel Vergnügen, dass sich einer nach dem anderen freiwillig ansteckt.

OZ-Bild

Die Schrauber von Tressentin bauen alte Schwalben wieder auf

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Angefangen hatte es auf dem Hof von Clubchef Dieter Mietzner, auf dem eine geräumige und solide ausgestattete Werkstatt zum Schrauben, Zuschauen und Fachsimpeln einlädt. Hier ist in den vergangenen beiden Jahrzehnten unter der Anleitung und maßgeblichen Mitarbeit des „Meisters“ zahlreichen alten Traktoren zu einem neuen Leben verholfen worden, darunter auch einigen mehr oder weniger aussichtslosen Fällen. „Geht nicht“ gibt’s bei den Tressentiner Tüftlern nicht.

Nun haben die Treckerfans, die einst, als Autos noch rar waren, aus Mobilitätsgründen wenigstens ein Moped besaßen, ihre Liebe zu der alten und immer noch brauchbaren Technik wiederentdeckt. Beim genauen Hinschauen fanden sich in Schuppen und Scheunen neben komplett erhaltenen Zweirädern auch viele gut verwendbare Einzelteile an.

Schwalbe von 1964 wieder wie neu

Die ersten abendlichen Schraubertreffen in Mietzners geheizter Hobbywerkstatt waren der Schwalbe KR-51 (Baujahr 1964) von Dieter Mietzners Sohn René gewidmet. Mittlerweile ist das Schmuckstück originalgetreu wiederhergestellt. Die Besonderheit an ihr ist ein Alublech vor der Lenksäule, auf dem sich jeweils ein Bedienknopf für den Schock und den Tupfer befindet. „Mit dem Tupfer wird Benzin in den Vergaser gepumpt, bevor man überhaupt starten kann“, erklärte Reinhard Schulz aus Marlow. Als er Anfang der 1970er Jahre in Barth den Beruf des Elektromonteurs erlernte, hatte er sich im IFA-Geschäft in der Langen Straße eine Schwalbe gekauft. „Die kostete damals über 2000 Mark, über ein Jahr hatte ich auf sie warten müssen.“ Nun harrt in seinem Schuppen ein Star (Baujahr 1974) auf den Fortgang seiner Restaurierung. Motor, Zylinder, Kurbelwelle und Kolben seien schon erneuert, nun würden die Blechteile an die Reihe kommen, berichtete der Mopedfreund. „Früher war ja sehr schlecht an Ersatzteile heranzukommen, dagegen ist Jahrzehnte nach dem Produktionsende der Simson-Mopeds so gut wie alles bestellbar.“

Dieter Mietzner selbst gönnt sich eine Schwalbe KR-51 S (Baujahr 1976) mit Automatikschaltung, in der DDR Hycomat genannt. Ihr Neuaufbau ist schon weit fortgeschritten, so dass der Enthusiast mit drei Arbeitstagen für den Rest auszukommen gedenkt. Die Teile dafür seien alle vorhanden. „Sie ist seit 41 Jahren so gut wie durchgehend in Betrieb gewesen und hatte nur für eine kurze Zeit mal gestanden. Mit einer Hängerkupplung versehen, holte mein Vater mit ihr sogar sein Brennholz aus dem Wald“, erzählte er, während er an dem wertvollen Familienstück schraubte.

Heute kaum noch zu bekommen

Alte und aufbaufähige Schwalben sind heutzutage kaum noch zu bekommen. „Wenn diese fertig ist, hat sie einen Mindestwert von etwa 1800 Euro“, weiß der „Meister“. Grund dafür seien die vielen in Clubs organisierten Schwalbenfans in den alten Bundesländern, die viel aufgekauft hätten. Die alten DDR-Mopeds (bis 50 Kubikzentimeter Hubraum und bis 60 km/h schnell) dürfen bis zum Baujahr 1993 mit dem Mopedführerschein gefahren werden und benötigen nur ein Versicherungskennzeichen. „Theoretisch könnte man sich aus heute gefertigten Ersatzteilen ein völlig neues Moped zusammenbauen. Dieses würde aber aufgrund seiner Rahmennummer den gesetzlichen Beschränkungen unterliegen und müsste auf 45 km/h gedrosselt werden. Deshalb werden allein die alten Rahmen schon mit 200 Euro gehandelt.“

Für die Ehefrau einen echten Hingucker

Damit einer ersten Familienausfahrt im Frühjahr nichts im Wege steht, erhält auch Dieter Mietzners Ehefrau Doris ihr eigenes Moped – ebenfalls eine Schwalbe KR-50 (Baujahr 1960). Im Unterschied zu den beiden blauen Exemplaren der Männer soll ihre Schwalbe mit purpurroter/beiger Farbgebung ein seltener Hingucker werden.

Wenn Familie Mietzner mit Mopeds versorgt ist, möchten weitere Vereinsmitglieder von der Hobbywerkstatt und den fachlichen Fähigkeiten ihres Besitzers profitieren. Zehn Treckerfahrer sollen bereits ein Moped besitzen oder die Absicht geäußert haben, sich ein Zweirad zulegen zu wollen.

Als Glücksfall wertet Dieter Mietzner den gemeinschaftlichen Kauf zahlreicher KR-50-Teile von einem Sammler. Unter Zukauf einiger neuer Ersatzteile würden die für den Aufbau von etwa fünf Schwalben reichen, so seine Überzeugung. Auf die Frage, ob man nun neben dem Tonnenabschlagen per Trecker auch einen weiteren Wettkampf per Schwalbe erwarten dürfe, reagierte er aber allergisch: „Auf keinen Fall! Wir bauen Schwalbe, SR-1, SR-50 und Star nur auf, um flexibel zu sein und auch mal per Moped ausfahren zu können.“

Produzierte Stückzahlen

164500 Simson KR-50, 1958 bis 1964 (oft einsitzige Schwalbe

genannt) 163500 Simson KR-51 , 1964 bis 1968 (erste Generation der

Schwalbe) 375000 Simson KR-51/1 , und KR-51/1 F, 1968 bis 1980 44600 Simson KR-51/1 S , 1968 bis 1980 (Komfortausführung mit

Halbautomatik) 185000 Simson KR-51/1 K , 1974 bis 1980, (Komfortausführung ohne Halbautomatik) 300200 Simson KR 51/2 , 1980 bis 1986 (letzte Baureihe in den Ausführungen E, N und L)

Volker Stephan

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