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Greifswald/Stolpe Muttis Liebling

Philipp Amthor (24, CDU) zieht als zweitjüngster Abgeordneter in den Deutschen Bundestag ein

Greifswald/Stolpe. Das gab es bei uns in Vorpommern noch nie. Ein 24-Jähriger zieht für die Region in den Bundestag ein. Und das, wo den Menschen hier nachgesagt wird, dass sich bei ihnen alles Neue und Moderne deutlich später durchsetzt als im Rest der Welt. Von wegen. Nun stellt der Wahlkreis 16 den zweitjüngsten Abgeordneten im neuen Bundestag. Philipp Amthor (CDU) hat es allen Zweiflern gezeigt und das Direktmandat geholt.

Das erwartete Kopf-an-Kopf- Rennen gegen den AfD-Landtagsabgeordneten Enrico Komning ging mit sieben Prozent Vorsprung deutlich für den Nachwuchspolitiker aus. Der Jubel ist in den Reihen der CDU entsprechend groß. Im Vorfeld war längst nicht jeder davon überzeugt, dass so ein junger Hüpfer der Richtige ist in einer Region, die noch bei der Landtagswahl 2016 fest in Hand der blauen Alternative lag.

Der 24-Jährige gehört in die Kategorie „perfekter Schwiegersohn“ und kommt vielleicht gerade deswegen bei der Wählergeneration Ü 50 besonders gut an. Stets geschniegelt, mit Anzug und Krawatte, vornehme Ausdrucksweise, ein bisschen Spießer. Keine Frage, dass dieser junge Mann jeder Dame die Tür aufhält und die schweren Einkaufstaschen bis in den fünften Stock trägt. Amthor hat ein Vorzeigeabitur mit der Note 1,4 hingelegt, war Landessprecher des Schülerrates, hatte während seines Jurastudiums ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung. Das Staatsexamen beendete er nicht nur in Regelstudienzeit, sondern mit Prädikat, also dem bestmöglichen Ergebnis. Um Absolventen wie ihn reißen sich die großen Kanzleien, er könnte auch im Handumdrehen Richter werden.

Stattdessen klingelte Amthor in den vergangenen Monaten an tausenden Haustüren, um potenzielle Wähler davon zu überzeugen, ihm seine Stimme zu geben. 40000 Flyer hat er mit seinem Team verteilt, an 15000 Türen Kontakt mit Bürgern gesucht. Sein junges Alter sprach er gerne offensiv an. „Ist doch gut, dass sich junge Menschen engagieren“, hat er dann gehört. Oder: „Alter kommt von alleine, Engagement nicht.“

CDU-Direktkandidat wurde Amthor in einer Kampfabstimmung gegen den langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten aus der Region, Matthias Lietz. Mit dem Innenminister Lorenz Caffier und der Bundeskanzlerin hatte Amthor prominente Unterstützer. Dass Angela Merkel im Wahlkampf gleich zwei Mal in seinen Wahlkreis kam, rechnet Amthor ihr hoch an. „Das ist nicht selbstverständlich. Auch nicht, dass sie mit Strasburg und Wolgast an zwei Orte gekommen ist, die politisch nicht als leichtes Pflaster für sie gelten“, sagt Amthor.

Angela Merkel war es auch, die Amthor überzeugt hatte, nach seinem Abitur am Greifen-Gymnasium in Ueckermünde nicht in Hamburg zu studieren, sondern in Greifswald. Das war damals beim Bundesparteitag der CDU, als Amthor und die Kanzlerin plauderten. „Ich habe die Entscheidung keinen Tag bereut“, sagt Amthor. Doch ganz so eng, wie manche Medien das Verhältnis zwischen Merkel und Amthor in den vergangenen Wochen darstellten, sei es dann doch nicht, räumt Amthor ein. Die Handynummer der Kanzlerin habe er zum Beispiel nicht. Spiegel Online, die Welt, das ZDF – sie alle haben im Wahlkampf über Philipp Amthor berichtet. Weil er zu den jüngsten Kandidaten auf dem politischen Parkett gehört und das Potenzial der AfD in unserer Region besonders hoch ist. „Die AfD war die einzige wahrnehmbare Konkurrenz im Wahlkampf. Zur AfD hat jeder eine Meinung“, blickt Amthor zurück, der aus Ueckermünde kommt und als einer von hier bei den Bürgern punktet.

Landtagsvizepräsidentin Beate Schlupp (CDU) kennt Amthor, seit er im Alter von 16 Jahren in die Partei eintrat. Es war zwischen Weihnachten und Silvester, als im Wahlkreisbüro permanent das Telefon klingelte. „Zwischen Weihnachten und Neujahr packt jeder Geschenke aus, tauscht sie um oder bereitet die Silvesterparty vor. Nur Philipp nicht“, sagt Beate Schlupp lachend. „Er wollte in die CDU eintreten.“ Sie habe die ganze Zeit gedacht, das sei ein Telefonscherz. Aber Philipp meinte es ernst. Jürgen Kohler, Juraprofessor an der Uni Greifswald, beschreibt Amthor als überdurchschnittlich motiviert und engagiert: „Er ist mir schon im ersten Semester aufgefallen, weil er sich außerordentlich rege beteiligt hat, sehr kontinuierlich und klug agiert hat.“ Noch arbeitet Amthor als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Kohler. Dafür wird ab sofort keine Zeit mehr bleiben. Auch seine Tätigkeit in einer Berliner Anwaltskanzlei wird der 24-Jährige künftig ruhen lassen. Finanziell wird ihm das sicherlich nichts ausmachen: Als Bundestagsabgeordneter verdient er pro Monat 9327 Euro brutto.

Eine Freundin hat Amthor nicht. „Die Politik ist fürs Privatleben nicht unbedingt förderlich“, sagt Amthor. Sein größter Fan ist Mama Susanne. Sie war im Wahlkampf häufig an seiner Seite. „Ich bin seine Mutter, ich weiß, wie er kämpfen kann“, sagt Susanne Amthor. Jetzt freut sie sich darauf, dass er wieder ein bisschen mehr Zeit für die Familie hat und sie ihn auch mal wieder bekochen kann.

„Meine Mutter kocht sehr gut, das schmeckt immer lecker“, lobt der Sohn. „Zum Glück ist er kein Mäkelfritze“, meint Susanne Amthor.

Wie oft der Sohnemann tatsächlich zum Essen nach Ueckermünde kommen kann, wird sich zeigen. Die dortige Wohnung zur Untermiete bei seinem Onkel behält er auf jeden Fall. Ob Amthor seine Studentenbude in Greifswald aufgibt, ist noch nicht klar. Dass er bis zum Ende der Legislatur seine Promotion zum Thema „Staatswohl und Staatsgeheimnisse zwischen Regierung und Parlament“ fertig haben möchte, indes schon.

Katharina Degrassi und Cornelia Meerkatz

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