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Nach 40 Jahren: Kölner Rockband feiert Premiere in Rostock

Nach 40 Jahren: Kölner Rockband feiert Premiere in Rostock

Bap tritt am 15. Dezember in der Stadthalle auf / OZ sprach mit Wolfgang Niedecken (65)

Rostock Die Kölner Rockband Bap um Sänger Wolfgang Niedecken spielt am 15. Dezember in der Stadthalle. Im Interview spricht der Sänger, was er mit Rostock verbindet und wie er zum Ostrock steht.

Waren Sie schon mal in Rostock?

Wolfgang Niedecken: Ja, ich habe da mal ein Fußballspiel Hansa Rostock gegen den 1. FC Köln gesehen und gestaunt, wie hoch die Banden im Ostseestadion sind.

Aber musikalisch sind Sie dann am 15. Dezember das erste Mal hier?

Niedecken: Ja, endlich haben wir mal wieder eine Steckdose gefunden, an der wir noch nicht gespielt haben. Wir sind schon oft angefragt worden, es hat sich aber irgendwie nie ergeben. Ich habe auch ein bisschen das Gefühl, als wenn Rostock nicht unbedingt unsere Hochburg wäre.

Woher kommt das Gefühl?

Niedecken: Naja, wir haben mal beim Hafen-Open-Air in Stralsund gespielt, und die Leute konnten wir alle mit Handschlag begrüßen. Aber es war eine wunderschöne Atmosphäre und es gab lecker Fisch mit Bratkartoffeln. Das ist nun auch schon ewig her – bestimmt mehr als zehn Jahre.

Aber Sie wagen es dennoch?

Niedecken: Unser Veranstalter meinte, wir sollten es ruhig nochmal wagen. Na, wir werden sehen.

Warum sollte man das Konzert denn auf keinen Fall verpassen?

Niedecken: Also, auch wenn Eigenlob stinkt, aber ich glaube, wir sind eine sehr gute Liveband mit einem großen Repertoire. Und wir spielen gerade bei dieser Tour lauter Songs unter dem Oberbegriff „Die beliebtesten Lieder“. Also, wenn sich selbst für einen Bap-Laien ein Konzert lohnen würde, dann eins auf dieser Tournee, denn der Mitsingfaktor und der Wiedererkennungswert wird nie wieder so hoch sein.

Als Sie vor 40 Jahren angefangen haben, stand da mal zur Debatte, hochdeutsch zu singen?

Niedecken: Nicht wirklich, denn wenn wir ehrlich sind, stand vor 40 Jahren noch nicht mal das Kölsche zur Debatte. Wir waren eine Feierabend-Amateur-Band. Wir waren mehr oder weniger so ein Auffangbecken für 60er-Jahre-Beatmusiker, die noch einmal in der Woche ein bisschen auf die Kacke hauen wollten – mit ständig wechselnden Besetzungen. Und dann, irgendwann im Winter '76/77, kam ich mit dem ersten kölschen Song „Helfe kann dir keiner“ an. Und die anderen meinten, „Ey, das ist gut, da musst Du mehr von machen.“ Und so kam dann eins zum anderen und dann hat man uns zum ersten Auftritt und zur ersten Platte überredet. Und dann zur zweiten. Und irgendwann haben wir festgestellt, hoppla – wir sind jetzt mindestens schon semiprofessionell unterwegs. Und dann sind irgendwie 40 Jahre draus geworden. Also, das war ein Prozess, keine Karriereplanung.

Was wäre eigentlich Ihre Karriereplanung gewesen?

Niedecken: Ich habe Malerei studiert und war auch schon relativ weit. Ich hatte bereits überregionale Ausstellungen in guten Häusern und Galerien. Das befand sich für mich alles auf ’nem anderen Pfad. Und da ist mir tatsächlich mein Hobby dazwischen gekommen. Aber das ist auch schön.

Auf Ihrem neuen Album geht es in einem Titel um die „Vision von Europa“. Wie ist Ihre Vision?

Niedecken: Das ist vor allem die Vision einer Solidargemeinschaft und nicht einer Zugewinngemeinschaft, wie es sich offenbar leider viele neu hinzugekommene osteuropäische Länder vorstellen. Das eine muss aber das andere nicht ausschließen. Ich sehe Europa aber derzeit sehr in Gefahr – wenn es so bleibt, wie es sich im Moment abzeichnet, dann seh’ ich schwarz.

Gerade wurden ein paar neue Landtage gewählt – wie beurteilen Sie die Situation?

Niedecken: Ich hoffe, dass es nächstes Jahr in Nordrhein-Westfalen nicht ganz so bitter wird. Ich versuche immer wieder zu begreifen, was da abgeht, und ab und zu bekomme ich auch mal eine kleine Erklärung dafür, aber es ist schon sehr absurd. Also, in dem Land mit dem geringsten Ausländeranteil ist die Xenophobie (feindliche Einstellung gegenüber allem Fremden, Anm. d. Red.) am weitesten verbreitet. Und das in einer Zeit, wo wir in einer Informationsgesellschaft leben. Man kann sich, Gott weiß, wo, informieren. Und trotzdem tun viele es nicht. Sie hätten am liebsten einen großen Führer, der das für sie erledigt. Und sie fühlen sich von der Politik, die gemacht wird, missverstanden und vernachlässigt – aber da müssen sie halt mal aktiv werden, innerhalb der Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Einfach nur nach jemandem zu schreien, der sagt, wo’s lang geht, das ist die billigste Nummer überhaupt.

Zurück zur Musik: Vor ein paar Jahren haben Sie mal mit Maschine von den Puhdys ein Lied geschrieben und gesungen. Wie sind Sie denn zueinander gekommen?

Niedecken: Ja, mittlerweile sind wir befreundet. Also, die Puhdys haben ja damals den ersten Auftritt unserer abgesagten DDR-Tournee im Palast der Republik gespielt.

Quasi als Lückenfüller?

Niedecken: Ja, was sollten sie machen. Wir waren schon längst wieder im Westen, denn man wollte uns ja einen bestimmten Song untersagen, und wir wollten uns nicht zensieren lassen. Und als dann die Mauer unten war, haben wir uns tatsächlich mit den Puhdys getroffen und ich habe schnell gemerkt, dass Maschine und ich einen Draht zueinander haben. Da war gleich eine Sympathie. Und als er mich vor drei Jahren anrief und fragte, ob ich mit ihm auf seinem Solo-Album singen würde, da habe ich blanko Ja gesagt. Und irgendwann muss ja auch tatsächlich mal alles zusammenwachsen, was zusammengehört. Schließlich haben wir einen Puhdys-Song zusammen gesungen, und auf dem Weg zum Flughafen sagte Maschine, er habe noch einen anderen Song, für den er noch keinen Text habe – ob ich nicht Lust hätte, einen zu schreiben. Und dann habe ich einen Text über uns beide geschrieben. Denn ich glaube, der größte Stones-Fan auf dieser Seite der Mauer war ich, und drüben war es Maschine.

Und wann immer sich eine Gelegenheit bietet, werden wir den auch zusammen spielen.

Die Puhdys sind ja das Aushängeschild des „Ostrocks“. Gibt es auch Westrock?

Niedecken: Ich weiß nicht, ob man sich mit diesen Schubladen einen Gefallen tut. Es ist ja völlig klar, dass die Ostbands alle durch irgendeine Zensur kommen mussten, gucken mussten, dass sie nichts falsch machten. Bei uns gab’s so was ja nicht. Wir haben die größten Unverschämtheiten singen dürfen, ohne Nachteile erwarten zu müssen. Ich habe einen großen Respekt vor vielen dieser Bands, die es geschafft haben, trotzdem ihre Kritik so einzupacken, dass es gerade noch durchging. Und über Ostbands zu urteilen, steht auch nur Ostbands zu.

Haben Sie denn früher im Westen die DDR-Bands wahrgenommen?

Niedecken: Ich habe Silly wahrgenommen und sogar auch Tamara Danz noch kennengelernt. Ich fand die Band sehr interessant. Ich bin mit Uwe Hassbecker nach wie vor befreundet. Mittlerweile haben wir übrigens sogar bei Bap Mitglieder aus dem Osten. Also unser Keyboarder Michael Nass stammt aus Borna und unsere Multiinstrumentalistin Anne de Wolff aus Dresden. Die Grenzen sind Gott sei Dank auch an der Stelle weg.

Die Puhdys haben aufgehört – bei Bap dauert das sicher noch. Was haben Sie in Zukunft vor?

Niedecken: Naja, die Puhdys waren ja mehr oder weniger alle aus einer Altersgruppe. Bei Bap hat sich die Besetzung im Laufe der Jahre immer wieder verändert – ich bin inzwischen mit 65 der Älteste. Wir haben mittlerweile einen Schlagzeuger, der ist 33. Jetzt würde ich mal vermuten, wenn ich irgendwann mal keinen Bock mehr habe oder gesundheitlich nicht mehr kann, dass sich das Thema Bap dann auch erledigt hat. Ich hoffe aber, dass es noch möglichst lange geht, weil es einen Riesenspaß macht.

Haben Sie schon ein neues Album geplant?

Niedecken: Nee, ein neues Bap-Album haben wir noch nicht auf dem Plan. Vielleicht mache ich demnächst nochmal ein Soloalbum wie das „Zosamme alt“-Album. Wir werden aber im nächsten Jahr neue Songs schreiben. Die nächsten Live-Aktivitäten werden dann erst wieder 2018 stattfinden.

Interview von Ove Arscholl

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