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Neue Halle macht individuelle Trauerfeiern möglich

Ribnitz-Damgarten Neue Halle macht individuelle Trauerfeiern möglich

Platznot in den Friedhofskapellen: Das Beerdigungsinstitut Schwinkendorf in Damgarten hat eine Trauerhalle gebaut / Immer häufiger wünschen sich Angehörige Dia-Shows

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Bestatter Christoph Winkler kann in der modern ausgestatteten Feierhalle mehr auf die Wünsche der Angehörigen eingehen.

Quelle: Anika Wenning

Ribnitz-Damgarten. Einen eigenen Raum für Trauerfeiern bietet das Beerdigungsinstitut Schwinkendorf in Damgarten. „Wir haben Platz für bis zu 100 Trauergäste. Sowohl weltliche als auch kirchliche Trauerfeiern können hier gefeiert werden“, sagt Inhaber Christoph Winkler. „Und wir sind an keine Zeiten gebunden. Bei Bedarf kann die Feier auch mal zwei Stunden dauern.“ Sonnabends seien ebenfalls Trauerfeiern möglich. Insgesamt rund 300000 Euro habe der Bau der Feierhalle gekostet, eingeweiht wurde sie Ende Februar vergangenen Jahres.

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Du kannst nicht mit jedem mittrauern. Man muss Abstand haben. Aber das lernt man.“Christoph Winkler,

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Gerade der Platz sei in den Friedhofskapellen in Ribnitz-Damgarten immer ein Problem gewesen. „In die Kapelle auf dem alten Friedhof passen 40 Gäste und in Damgarten lediglich zehn bis 20. Die übrigen Trauergäste müssen bei jedem Wetter draußen stehen. Im Sommer sind dort immer wieder ältere Gäste bei der Hitze umgekippt. Und auf dem neuen Friedhof gibt es gar keine Trauerhalle“, sagt Winkler. „Uns hat auch immer gestört, dass wir die Dekoration hin und her schleppen mussten. Da geht viel Zeit verloren.“

Ein weiterer Vorteil sei, dass die neue Feierhalle modern ausgestattet sei. „Wir haben beispielsweise einen Beamer. Immer häufiger werden Dia-Shows mit Fotos von dem Verstorbenen gewünscht. Diesen Wunsch können wir nun endlich auch erfüllen.“ Zudem sei der Raum im Winter beheizt und im Sommer klimatisiert.

Insgesamt hätten sich die Ansprüche verändert. „Mittlerweile sind die Trauerfeiern individueller geworden. Das Leben des Verstorbenen wird in den Mittelpunkt gestellt. Es werden auch mal lustige Anekdoten erzählt. Die Gäste sollen nicht mit weinenden Augen rausgehen und die Trauerfeier in schlechter Erinnerung behalten, sondern ruhig mit einem Lächeln daran zurückdenken, weil sie sich an die schönen Momente mit dem Verstorbenen erinnert haben“, erklärt der Chef des Beerdigungsinstituts. Für den Trauerredner sei dies allerdings eine Herausforderung. Im Gespräch mit den Angehörigen würden die schönen Erinnerungen mit Fingerspitzengefühl herausgekitzelt. Wichtig sei dabei, dass man sich Zeit lasse und es mehrere Vorgespräche gebe. Um eine persönliche Rede zu schreiben, benötige die Trauerrednerin des Beerdigungsinstituts Schwinkendorf in der Regel drei bis vier Stunden. Neben der Rede spiele auch die Musik bei der Trauerfeier eine wichtige Rolle. „Wir finden es wichtig, dass das gespielt wird, was dem Verstorbenen gefallen würde. Wir haben auch schon Rammstein gespielt. Aber viele Angehörige sind in diesem Fall noch sehr vorsichtig“, sagt der Bestatter.

Ein Vorteil der eigenen Trauerhalle sei auch, dass die Gäste dort im Anschluss noch bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen könnten. „Es gibt eine Küche, wo wir Kaffee kochen können“, berichtet Christoph Winkler. Kuchen oder auch eine Suppe würden bei Bedarf bestellt.

Bestatter Christoph Winkler arbeitet seit 2004 in der Branche, seit 2008 ist er in Damgarten. „Ich komme aus der Medizin“, erklärt der 38-Jährige. Die Gründe, warum er sich zum Wechsel entschieden habe, seien vielfältig. „In diesem Beruf hat man alle Zeit der Welt. Man muss nicht zig Formulare ausfüllen. Außerdem sind die Menschen dankbarer. Die Angehörigen stehen neben sich und suchen jemanden, der sie leitet. Wenn sie merken, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden, baut sich schnell ein großes Vertrauen auf. Als Bestatter taucht man tief in die Familienwelten ein und erfährt so sehr viel über die Menschen.“ Allerdings müsse man auch erst einmal lernen, den nötigen Abstand zu halten und die Dinge nicht zu nah an sich heranzulassen. Schließlich kenne man gerade in einer Kleinstadt wie Ribnitz-Damgarten häufig die Angehörigen oder die Verstorbenen. „Aber du kannst nicht mit jedem mittrauern“, erklärt der Bestatter.

An eines könne er sich allerdings trotz der Berufsjahre und Erfahrung nicht gewöhnen. „Wenn ich Kinder für eine Überführung einbalsamieren muss.“ Da Winkler allerdings einer von lediglich drei bis vier Thanatopraktikern (Einbalsamierern) in Mecklenburg-Vorpommern ist, kommt dies vier bis fünf Mal im Jahr vor. „Oft sind es Kinder von reichen, russischen Familien, die auf der Onkologie in Greifswald behandelt wurden. Die Mädchen werden mit Kleid ausgestattet und hübsch hergerichtet“, sagt der 38-Jährige. „Ich habe selbst zwei Töchter, deshalb geht mir das einfach sehr nah.“

Anika Wenning

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