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Neue Schnellstraßen für Radler entlasten Verkehr und Klima

Rostock Neue Schnellstraßen für Radler entlasten Verkehr und Klima

Gutachter sprechen sich für „Fahrrad-Autobahnen“ in Rostock aus / Zahl der Radler könnte um fünf Prozent steigen / Täglich würden acht Tonnen weniger Abgase ausgestoßen

Rostock. Neue Schnellstraßen braucht die Hansestadt. Dafür wirbt Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) seit Jahren. Die neuen Wege quer durch Rostock sollen allerdings nicht für Autos bestimmt sein, sondern exklusiv für Radfahrer. Eine Idee, für die der Grüne mitunter belächelt wird. Doch damit dürfte es nun vorbei sein: Denn unabhängige Gutachter der PTV Group, einen Verkehrsplanungsbüro aus Karlsruhe, haben nun bestätigt, dass die geplanten Schnellwege für Radler absolut Sinn machen würden – nicht nur mit Blick auf die Verkehrsprobleme der Stadt, sondern auch für den Klimaschutz.

 

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Bis zu 120000 Fahrten mit dem Fahrrad absolvieren die Rostocker schon jetzt pro Tag. Die Lange Straße (Foto) gehört zu den meistbefahrenen Strecken der Hansestadt.

Quelle: Frank Söllner
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Die Zahlen beeindrucken selbst uns – vor allem, was die Effekte für das Klima angeht.“Steffen Nozon, Mobilitätskoordinator

Quelle:
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Bis zu 120000 Fahrten mit dem Fahrrad absolvieren die Rostocker schon jetzt pro Tag. Die Lange Straße (Foto) gehört zu den meistbefahrenen Strecken der Hansestadt.

Quelle: Frank Söllner
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Die Zahlen beeindrucken selbst uns – vor allem, was die Effekte für das Klima angeht.“Steffen Nozon, Mobilitätskoordinator

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Die Effekte der geplanten Radwege

6200 Radler könnten nach Schätzungen der Verkehrsplaner der PTV Group pro Tag auf den Schnellwegen unterwegs sein.

7,3 Millionen Kilometer, die bisher mit dem Auto zurückgelegt werden, könnten Rostock erspart bleiben – wenn die Pendler stattdessen auf den neuen Wegen radeln.

8,2 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Tag sollen so eingespart werden.

Matthäus möchte ein insgesamt 28 Kilometer langes Netz von neuen Radschnellwegen in der Hansestadt bauen – und schlägt dafür zwei Trassen vor. Beide sollen in Warnemünde starten und zunächst parallel zur Stadtautobahn entstehen. Trasse 1 führt über Reutershagen, den Barnstorfer Wald und die Südstadt zum Hauptbahnhof. Die zweite Schnellstraße soll in Marienehe abzweigen, über Werftdreieck und Stadthafen bis nach Dierkow führen. „Viele Abschnitte dieser Trassen gibt es bereits. Dort müssten wir die Radwege nur ertüchtigen und ausbauen“, sagt Steffen Nozon, Mobilitätskoordinator der Hansestadt. „Im Barnstorfer Wald zum Beispiel gibt es bereits gute Radwege.“

Doch das reicht nicht: Denn die Schnellwege für Radler müssen mindestens vier Meter breit, getrennt von Gehwegen und bei Dunkelheit beleuchtet sein. Kriterien, die zum Beispiel die Radwege entlang der Stadtautobahn nicht erfüllen: „Dort wollen wir die westliche Seite ausbauen“, sagt Nozon.

Auch in der Südstadt müsste die Stadt Geld in die Hand nehmen. Denn: Die Rad-Schnellwege sollen möglichst ohne Ampeln und Kreuzungen auskommen. „Die Querung des Südrings ist ein Problem.“ Doch weil die Deutsche Bahn in einigen Jahren vermutlich ihre Bahn-Brücke an der Stadthalle sowieso erneuern muss, will das Rathaus versuchen, auf dem Neubau gleich auch noch eine Rad-Strecke „unterzubringen“.

Insgesamt sollen die Schnellwege rund zwölf Millionen Euro kosten. „Das klingt zunächst viel“, räumt Nozon ein und liefert dann aber Vergleichszahlen: „Für das neue Kreuzungsbauwerk an der Stadtautobahn in Evershagen geben wir zehn Millionen Euro aus – für eine einzige Auto-Kreuzung.“

Und außerdem: Der Bau der Schnellwege rechne sich. Die Effekte, die von den Planern jetzt vorgelegt wurden, sind jedenfalls beeindruckend – selbst für Nozon: „Wir haben in Rostock schon jetzt rund 120000 Fahrten mit dem Rad – und zwar jeden Tag. Wenn die neuen Rad-Schnellwege gebaut werden, könnten wir diesen Wert um fünf Prozent steigern.“ Das wiederum hätte ganz direkte Auswirkungen: „In den Sommermonaten würden bis zu 12000 Rostocker mehr als bisher von Auto, Bus oder Straßenbahn auf das Fahrrad umsteigen.“ Das würde vor allem die verstopften Straßen entlasten: „Die Planer bei PTV gehen davon aus, dass drei Viertel der ,neuen’ Radfahrer bisher ein Auto für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen nutzen“, erklärt Nozon. Auch das Klima würde profitieren: „Wir könnten pro Tag 31400 Kilometer, die bisher mit dem Auto zurückgelegt werden, sparen. Das macht rund acht Tonnen Kohlenstoffdioxid weniger in der Rostocker Luft – und zwar jeden einzelnen Tag.“

Selbst finanziell macht der Bau der Schnellstraßen Sinn, sagen die Gutachter – zwar nicht direkt für die Stadtkasse, aber volkswirtschaftlich betrachtet. Ein Rechenbeispiel: Wenn künftig 7,3 Millionen Kilometer, die bisher mit dem Auto gefahren werden, wegfallen, sparen die Radler auch Unterhaltskosten für ihre motorisierten Gefährte – in Summe 1,4 Millionen Euro pro Jahr.

Andreas Meyer

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