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Neues Petritor: Modern statt historisch?

Rostock Neues Petritor: Modern statt historisch?

Demnächst startet der Architekten-Wettbewerb / Der erste Entwurf kommt von Harald Lochotzke

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Diese Aufnahme zeigt Petritor (r.) und Petrikirche am Ende der 1950er Jahre. Im Krieg wurden die Dächer zerstört.

Quelle: Günther Römer

Rostock. Einst gehörten fast 20 Tore zur Stadtbefestigung Rostocks. Nur vier von ihnen sind noch erhalten: Kuhtor, Steintor, Kröpeliner Tor und Mönchentor. Das soll sich ändern, denn das Petritor wird wieder aufgebaut. Wie es aussieht und welche Funktion es hat, soll der Architektur-Wettbewerb für den „Stadteingang Slüterstraße“ klären. Voraussichtlich im November will die Rostocker Gesellschaft für Stadtentwicklung (RGS) diesen im Ortsbeirat vorstellen. „Die Zeit ist reif für Rostocks Schlussstein“, sagt Stadtplaner Ralf Schinke.

OZ-Bild

Demnächst startet der Architekten-Wettbewerb / Der erste Entwurf kommt von Harald Lochotzke

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Die Entwürfe von Harald Lochotzke gibt es in einer Bildergalerie unter www.ostsee-zeitung.de. Zusätzlich gibt es hier eine Umfrage zum Petritor. Wie würden Sie das Tor gestalten?

Zu DDR-Zeiten abgerissen

Das Petritor mit seinem frühgotischen Backsteinbau stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nach einem Umbau 1720 hatte es eine Höhe von 21 Metern. 1935/1936 wurde es sorgfältig saniert und am 23. April 1942 mit der Wohnzeile an der Slüterstraße zerstört. Abgerissen wurde es jedoch erst am 27. Mai 1960.

Schon jetzt nimmt das Projekt Formen an – buchstäblich. Architekt Harald Lochotzke, der bereits mit der Deutschen Med und der Idee, ein Theater auf der Warnow zu errichten, bekannt geworden ist, hat das Petritor in seinem einzigartigen Stil entworfen. „Hier ist der Grundstein und die Herausforderung aller Ideen zu diesem Ort. Es ist langweilig eine Idee von vor 800 Jahren nachbauen zu wollen“, sagt Lochotzke. Sein Vorschlag ist ein Gesamtkonzept für den östlichen Stadteingang. „Das Tor ist ein Tor. Es ist aber auch ein Weg und ein Platz, der dieses Eingangsportal zu dem werden lässt, was ich sehe: Eine provokante Architektur, die mit dem archäologischen Museum eine enge Verbundenheit zu der Stadt und seinen Wurzeln zeigt.“ Wie viel die Umsetzung kosten solle, könne noch nicht gesagt werden. „Die Kosten sind heute nicht wichtig zu beziffern. Wichtig ist eine Entscheidung zu finden, ob Rostock ein solches Gebäude für dieses Thema an diesem Ort möchte.“

Oberirdisch liege der Reiz in der Blickachse zwischen Petrikirche und der Neubebauung am Wasser. Unterirdisch, sollen seinem Entwurf nach drei oder vier Geschosse mit gläsernen Außenwänden in die Erde gehen. Hier wäre Platz für das archäologische Landesmuseum. „Ein archäologisches Museum in die Erde zu legen hat eine ganz besondere Energie für den Betrachter“, so Lochotzke.

RGS-Geschäftsführerin Sigrid Hecht freut sich über diesen „futuristischen“ Vorschlag. „Das macht Lust auf den Wettbewerb.“ Stadtplaner Schinke bezeichnet den Entwurf von Lochotzke als sehr expressiv.

„Man sieht, dass er gerne Zeichen setzt.“ Den modernen Ansatz betrachten beide mit Interesse. „Es ist wichtig, mit dem Wettbewerb eine Diskussion mit den Rostockern einzugehen, ob das Petritor nach altem Vorbild, mit neuen Ideen oder gemischten Elementen entstehen soll“, sagt Hecht.

„Es geht nicht um einen originalgetreuen Nachbau des Petritors, aber darum, die Struktur des alten Baus aufzunehmen“, sagt auch Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). Er gilt als Verfechter des Projekts Wiederaufbau und hat in der Vergangenheit bereits davon gesprochen, das Tor bis 2018 wieder errichten zu lassen. „Genau hier liegt Rostocks Wiege und das sollten wir im Zuge unseres Doppeljubiläums auch deutlich machen.“

Ob das umzusetzen ist, ist unklar. „Wir wollen gutes Handwerk machen und uns nicht durch solche Wünsche beeindrucken lassen“, sagt Sigrid Hecht. Fest steht bisher nur, dass bis Mitte 2017 entschieden wird, wie der östliche Stadteingang gestaltet wird.

„Das Petritor war unser ältester und wichtigster Stadtzugang“, sagt Stadtplaner Schinke. Eigentlich habe es unter den Rostockern seit dem Abriss 1960 den Wunsch gegeben, das Tor wieder aufzubauen.

„Das Petritor ist nie aus dem Bewusstsein der Rostocker verschwunden.“ Bereits 1993 im 1. Städtebaulichen Rahmenplan, der von der damaligen Bürgerschaft beschlossen wurde, war das Petritor und die anliegenden, im Krieg zerstörten Stadthäuser zum Wiederaufbau vermerkt worden. „Andere Aufgaben waren zunächst dringender“, sagt Hecht. Da nun das bauliche Umwelt so gut wie fertiggestellt wurde, habe man es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Loch zu schließen.

„Es gibt heutzutage andere funktionelle Erfordernisse“, betont Schinke. Müllfahrzeuge, Feuerwehr und Lkw müssen hindurchfahren können. Die Öffnung muss daher mindestens fünf Meter breit und 4,50 Meter hoch sein. „Es muss Platz für Radfahrer und Fußgänger geben und sollte barrierefrei sein.“ Das seien die Mindestanforderungen. Außerdem soll das Tor eine Nutzung haben, die der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wird. „Zum Beispiel repräsentative Beratungs- und Versammlungsräume“, schlägt RGS-Chefin Hecht vor. Für die anliegenden Stadthäuser könne man sich eine Mischung aus Wohnungen und Büroräumen vorstellen. „Wir wollen die Fantasie jedoch nicht begrenzen“, ergänzt Hecht. Ob dort auch, wie in Lochotzkes Plänen, das archäologische Museum entstehen könne, stehe infrage. „Wir würden es außerordentlich begrüßen, wenn die Regierung beschließt, dass das Museum nach Rostock kommt“, sagt Sigrid Hecht. Dann könnte man auch die Standortdiskussion wieder eröffnen. Nun hofft sie zunächst auf viele Ideen und würde sich freuen, wenn sich auch Lochotzke am Wettbewerb beteiligt.

Johanna Hegermann

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