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Nicht gucken, sondern helfen: Rotes Kreuz simuliert Ernstfall

Rostock Nicht gucken, sondern helfen: Rotes Kreuz simuliert Ernstfall

Zum Welt-Erste-Hilfe-Tag wurde ein Unfall in der Stadtmitte inszeniert / Gerade Kinder sollen früh mit dem Thema Erste Hilfe auch im Alltag konfrontiert werden

Rostock. Ausnahmezustand vor dem Radisson Hotel in Rostock: Die Sirene geht los, zwei Autos stehen sich gegenüber, die Front ist eingedrückt. Eine Frau hat eine Wunde am Kopf, ist nicht ansprechbar und kann scheinbar nicht aus dem Wagen befreit werden. Doch Entwarnung: Die Szenen, die sich hier abspielen, sind inszeniert. Niemand ist verletzt. Der Ernstfall wird nur geübt. Doch das ist wichtig, betont Polizeioberkommissar Matthias Bartsch. „Jedem kann etwas passieren und jeder kann in die Situation kommen, in der er helfen muss“, sagt Bartsch. Denn Helfen ist Pflicht. Die Polizeiinspektion Rostock, die Bundespolizei und die Freiwillige Feuerwehr unterstützen die Aktion, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) anlässlich des Welt-Erste- Hilfe-Tages veranstaltet.

„Ich glaube, die meisten haben sich zuletzt für den Führerschein mit Erster Hilfe beschäftigt“, sagt Stefanie Junge vom DRK Kreisverband Rostock. Oftmals sei es damit 20 Jahre oder sogar länger her.

„Die Menschen haben Angst, etwas Falsches am Unfallort zu machen, und lassen es dann ganz sein“, sagt die 34-Jährige. Diese fehlende Reaktion hätte einigen Menschen schon das Leben gekostet. Zahlen für Rostock kenne sie nicht. Es sei wichtig, sein Wissen immer wieder aufzufrischen und schon Kinder damit vertraut zu machen, betont Stefanie Junge vom DRK-Ausbildungszentrum. Im Fokus stehen daher auch die kleinsten Helfer. „Sie haben keine Berührungsängste und sind mit Eifer dabei“, sagt die Rostockerin. Kinder sollen lernen, wie und wann man den Notruf wählt und was in einem Verbandskasten zu finden ist.

Junge empfiehlt einen spielerischen Zugang zu dem Thema. Eine Station wurde dafür neben dem „Unfallort“ aufgebaut. Mit einem Teddybären oder am Klassenkameraden üben die Kinder der Rostocker Sprachheilschule, einen Verband anzulegen. Die dritten Klassen haben einen Ausflug zu dem Aktionstag gemacht. Während die einen sich noch ein Dreieckstuch um den Kopf binden lassen, gucken die anderen schon mit offenen Mündern zu, wie die Rettungskräfte den Einsatz nachstellen.

Opfer des Schau-Unfalls ist Franziska Milhahn, ihr wurde eine Kopfwunde auf die Stirn geschminkt. Die Situation wird möglichst realistisch dargestellt. Helfer fragen, wie es der Verletzten geht. Doch sie reagiert kaum. Der Notruf wird gewählt und das Warndreieck aufgestellt. „Erst die Stelle sichern, dann wird gerettet“, klärt Polizeioberkommissar Bartsch auf. Wenig später kommen schon die Feuerwehr und der Krankenwagen, um der Frau zu helfen. Jeder Schritt wird von Matthias Bartsch und Stefanie Junge beschrieben. Mehrmals am Tag wird diese Szene wiederholt.

René Wigger ist durch Zufall vorbei gekommen, die Übung findet er sinnvoll. „Jeder hat es mal gelernt, aber ich frag’ mich schon, ob ich das in solch einer Situation auf die Reihe bekommen hätte“, sagt der Wismaraner und beobachtet aufmerksam die Arbeit der Hilfskräfte. Doch auch die Erste Hilfe am Kind ist ein wichtiges Thema. „Autounfälle passieren im Gegensatz zu Unfällen im Haushalt selten“, sagt Junge. Sie zählt auf: Stromunfall, Treppensturz, Ertrinken, Vergiftung oder Verschlucken. Auch Josie und Felix Schulz sind mit ihrem zweijährigen Sohn Paul vorbeigekommen, um sich vom Erste-Hilfe- Ausbilder Wolfgang Jahnel für den Ernstfall beraten zu lassen. „Was kann ich denn falsch machen?“, fragt die Mutter aus Lütten Klein. „Überhaupt nicht helfen“, antwortet Jahnel knapp.

Johanna Hegermann

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