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Note 6: Grundschule ist eine Bruchbude

Ribnitz-Damgarten Note 6: Grundschule ist eine Bruchbude

Seit Jahren wurde das Gebäude in der Demmler-Straße nicht renoviert / „Jetzt reicht‘s“, sagt die Schulleiterin

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Der Grundschulteil der Bernsteinschule in der Demmler-Straße. Renoviert wurde hier seit Jahren nicht mehr.

Quelle: Fotos: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Kaum zu glauben, dass hier Unterricht stattfindet. Schimmel an den Wänden. Im Computerraum bröckelt der Putz. Lehrerin Jana Weber hat immer Wischeimer und Mopp griffbereit. Bei Regen steht der halbe Klassenraum unter Wasser, weil Regen durch undichte Fenster dringt. Und: In einem Klassenzimmer der obersten Etage haben die Lehrer den Kindern sogar das Hüpfen verboten. „Das hält die Statik des Hauses nicht mehr aus“, erklärt Christina Bonke.

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Seit Jahren wurde das Gebäude in der Demmler-Straße nicht renoviert / „Jetzt reicht‘s“, sagt die Schulleiterin

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Größte Schule

750 Schüler und 75 Lehrer gehören zur Bernsteinschule. Damit ist sie die größte Einrichtung des Schulamtsbereichs Greifswald.

Die Bernsteinschule wurde 2005 aus drei ehemals selbständigen weiterführenden Schulen des Stadtteils Ribnitz gegründet. In der Grundschule lernen die Kinder insgesamt in 13 Klassen.

Wenn die Schulleiterin den Zustand der Bernsteinschule am Standort in der Demmler-Straße beschreibt, benutzt sie Worte wie „minderwertig“, „gammelig“ und „untragbar“. Modernisiert oder renoviert wurden weder die Grundschule noch der Hort in den vergangenen Jahren. Dabei platzt die Schule aus allen Nähten. Es gibt viel zu wenige Klassenräume. „Im kommenden Schuljahr können wir dem Bedarf nicht mehr gerecht werden und allen Kindern einen Hortplatz bieten.“ Christina Bonke reicht es nun endgültig. „Eine Lösung muss her — und das schnell.“

Sie lud die Mitglieder vom Ausschuss für Schule, Jugend und Kultur zu einem Rundgang durch das Gebäude ein. „Horrorbilder“, sagte Tino Leipold schockiert. Er regte eine Schadstoffprüfung an. Das dürfte allerdings nicht ausreichen. Susann Wippermann (SPD) sagte: „Da hilft wohl nur noch eine Abrissbirne.“

Die Schule ist nicht nur in einem erschreckenden baulichen Zustand, sie ist auch nicht behindertengerecht. „In Zeiten von Inklusion, durch die auch gehandicapte Kinder nicht mehr in speziellen Schulen lernen, ist das nicht tragbar“, moniert Bonke. Auch der Elternrat lässt sich nicht mehr vertrösten. Sie wollen konkrete Vorschläge. „Überall schimmelt es, es geht hier um die Gesundheit unserer Kinder“, sagt beispielsweise Klassenratsvorsitzende Britt Hübner. Ihre Tochter Hedy besucht die erste Klasse in der Bernsteinschule.

„Seit Jahren überlegen die Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung, ob es eine provisorische oder eine Dauerlösung geben soll — vorangekommen sind wir aber seit mindestens 14 Jahren nicht.“

Genau so lange ist Christina Bonke Leiterin der Bernsteinschule, die an ihren drei Standorten 750 Kindern und Jugendlichen Wissen vermittelt. Ideen seien gefragt. Immerhin handelt es sich bei der Schule um das größte Institut im Schulamtsbereich Greifswald.

Mit der Ausstattung des Unterrichtsmaterials ist Bonke hingegen „recht zufrieden“. Allerdings gebe es keine Fachräume, weil sämtliche Räume aufgrund der Vielzahl der Schüler als Klassenzimmer genutzt werden müssen. Und weil es weder Musikraum noch ein Klavier gibt, bringt die Musiklehrerin beispielsweise ihr privates Keyboard zum Unterricht mit. „Ich spreche den Lehrern der Bernsteinschule meinen höchsten Respekt aus. Sie versuchen die Schule trotz der Mängel mit Liebe einzurichten“, stellte Leipold fest. Dazu gehört auch, dass Lehrer und Eltern in der Vergangenheit oft in Eigeninitiative kleinere Mängel, etwa Malerarbeiten, übernahmen.

Die Schulleiterin weiß, dass die Modernisierung eine große finanzielle Aufgabe für die Stadt wäre. „Aber es ist wichtig, da die Gesundheit von Lehrern und Schülern in Gefahr ist und außerdem die Sicherheit leidet.“

Und der Standort Demmler-Straße ist nicht der einzige mit Problemen. „Zurzeit besitzen wir am Standort Mühlenberg nicht einmal ein Alarmierungssignal“, beschreibt Christina Bonke. Im Notfall, beispielsweise im Fall eines Amoklaufs, müssten die Lehrer mit einem Megafon auf die Gefahr aufmerksam machen, da die Schulklingel nicht in allen Räumen zu hören ist.

Einzig mit der Schule in der Berliner Straße zeigt sich die Leiterin zufrieden. Dort habe es in den vergangenen Jahren einige Baumaßnahmen gegeben. Im Großen und Ganzen zeigen sich die Schüler dort auch zufrieden mit den Bedingungen. „Die Toiletten müssten mal erneuert werden“, meint Tom Schröter (17), Mitglied des Schülervorstandes. „Die Fassade wurde ja erst vor einiger Zeit gemacht.“

Platzprobleme in Damgarten

Probleme gibt es auch in der Löwenzahnschule in Damgarten. Sie ist zu klein. 85 Kinder besuchen die Grundschule, es gibt allerdings nur vier Klassenräume. „Ein Anbau wäre dringend nötig“, sagt Schulleiterin Swantje Petersen. Darin sollten ein Versammlungsraum und ein Mehrzweckraum für möglichen Teilungs-Unterricht untergebracht werden.

„Zurzeit finden unsere Versammlungen in einem Klassenzimmer statt. Allerdings wird es dann mit fast 100 Schülern sehr eng.“

Die Schulleiterin betont jedoch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und Bauamtsleiter Heiko Körner. „Sie haben immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und werden die Mängel beseitigen. Sie haben sie bereits aufgenommen.“ Zu den Mängeln gehören eindeutig auch die sanitären Anlagen. „Unsere Schüler müssen die Toiletten eines maroden Nebengebäudes benutzen — das ist eindeutig nicht mehr zeitgemäß und den Kindern nicht zuzumuten.“ Das Gebäude müsste außerdem dringend einen behindertengerechten Zugang erhalten. Trotzdem liebt die Schulleiterin „ihre“ Schule. „Das alte Gebäude strahlt eine warme Atmosphäre aus und wir verfügen über sehr gute Unterrichtsmaterialien.“

Einen Anbau wünscht sich auch Kerstin Schapperjahn, Schulleiterin der Regionalen Schule Rudolf Harbig. Um die Platzprobleme in den Griff zu bekommen, mietete die Schule fünf Räume im benachbarten Gymnasium an. Die Fachräume wurden im vergangenen Jahr modernisiert und der Musikraum bekam eine schallisolierte Decke. „Es wäre wunderbar, wenn wir unsere Sporthalle zur Aula umbauen könnten und dafür eine neue Turnhalle bekommen würden. Es sind verschiedene Varianten im Gespräch“, gibt Schapperjahn die Verhandlungen mit den Stadtvertretern wider. Gestern besichtigten die Mitglieder des Sportausschusses die Turnhalle.

Um- oder Neubau? 2017 soll es losgehen

Die Dringlichkeit ist Bauamtsleiter Heiko Körner bekannt. Gleichwohl könnte es noch eine Weile dauern, bis sich vor allem in der Schule in der Demmler-Straße etwas tut. In den kommenden Wochen sollen zunächst einmal Fachgutachter entscheiden, ob die Bernsteinschule saniert werden soll oder ob ein Ersatzbau entsteht. „Je nachdem, was wirtschaftlicher ist“, sagte Körner.

Sobald die Gutachter ihre Arbeit beendet haben, sollen Fördermittel beantragt werden. „Wir rechnen damit, dass wir im kommenden Jahr mit dem Um- beziehungsweise Neubau beginnen können. Wir sind uns des Schmerzes der Lehrer und Schüler sehr wohl bewusst. Die Stadt wird sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, verspricht Körner. Dass der Grundschulteil jedoch so gravierende Mängel aufweist, sei ihm bis dato nicht bekannt gewesen. „Sobald die Sicherheit in Gefahr ist, müssen die Schäden schon früher behoben werden.“ Ob es auf Landesebene Fördermittel gibt, um die Schulen auf die Inklusion vorzubereiten, wie im Schulausschuss angedeutet, entziehe sich bislang den Kenntnissen des Bauamtsleiters.

Für die Löwenzahn-Grundschule in Damgarten gibt es dagegen bereits ein Konzept, das noch mit dem Schulträger, der evangelischen Schulstiftung, abgesprochen werden muss. caro

Von Caro Carolin Riemer

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